Bericht: Grüne fordern Aufpreis für Fleisch wegen des Klimas

  • Nach dem Veggie-Day-Fauxpas trauten sich die Grünen einige Jahre lang nicht an das Thema Fleischkonsum heran.
  • Mit einem bislang weitgehend unbemerkten Beschluss legt die Partei nun eine Kehrtwende hin.
  • Tierische Produkte sollen nach ihrem Willen einen Aufpreis bekommen – im Sinne des Klimaschutzes.
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Berlin. Die Grünen haben beschlossen, Fleisch und andere tierische Lebensmittel mit einem Aufpreis für Klimagase verteuern zu wollen. Die Bepreisung für landwirtschaftliche Produkte gehöre bislang nicht zu jenen Sektoren, die durch den europäischen Emissionshandel erfasst würden. Dies solle sich nun ändern – angefangen bei tierischen Lebensmitteln, heißt es offenbar in einem Beschluss der Bundesdelegiertenkonferenz, der bereits Mitte November gefasst worden sein soll und bislang weitgehend unbemerkt blieb. Darüber berichtete nun die „Tageszeitung“ („taz“).

„Auch die Landwirtschaft muss ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Deshalb sollte sie auch in die Bepreisung von Klimagasen miteinbezogen werden“, sagte Parteichef Robert Habeck der „taz“.

Noch unklar, ob über Zertifikate oder Steuer

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Ob der Aufpreis in Form von Zertifikaten oder einer Steuer erfolgen soll, ist demnach noch unklar. Laut „taz“ soll dem Wortlaut des Beschlusses zufolge beides möglich sein – mit dem Ziel, mit einem höheren Preis für besonders treibhausgasintensive Produkte Verbraucher abzuschrecken, den Konsum zu reduzieren und so das Klima zu entlasten.

Die Agrarbranche soll nach Zahlen des Umweltbundesamts direkt für 7 Prozent der deutschen Treibhausgase verantwortlich sein. Besonders ins Gewicht fällt dabei Rindfleisch. Für ein Kilogramm werden Beratern des Landwirtschaftsministeriums zufolge 23-mal so viel Treibhausgase ausgestoßen wie für die gleiche Menge Gemüse, berichtet die „taz“.

Kehrtwende nach Veggie-Day-Flop

Die Grünen wollen damit offenbar durchsetzen, dass nicht nur die Klimagasemissionen aus Verkehr und Wärme bepreist werden, sondern auch die aus der Landwirtschaft. „Der Beschluss kann als eine Kehrtwende gelten, nachdem das Thema Konsum von Tierprodukten nach der Veggie-Day-Kampagne der Springer-Presse 2013 jahrelang in der Partei gemieden wurde“, sagte Philipp Bruck der „taz“. Der Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Tierschutzpolitik der Grünen hatte die Entscheidung demnach initiiert.

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Weil der Veggie-Day in weiten Teilen der Bevölkerung so unpopulär war, hatte die Partei 2014 die Aussage beschlossen, es sei ihr „herzlich egal“, ob „jemand am Donnerstag Fleisch isst oder nicht“. Diese Einigung ist damit Geschichte. „Heute sind Partei und Gesellschaft weiter, eine Steuer oder Abgabe auf Fleisch und Milch löst keine Panik mehr aus“, wird Bruck von der „taz“ zitiert.

Wie hoch der Aufpreis ausfallen soll, ist laut taz noch unklar. Offen bleibt zudem, welche Pläne die Grünen mit Einnahmen aus dem Aufpreis hätten. Im Vermittlungsausschuss von Bund und Ländern waren gerade erst erhebliche Neuerungen beim Klimapaket vereinbart worden. So soll etwa der CO₂-Preis ab 2021 nicht wie angedacht auf 10 Euro steigen, sondern auf 25 Euro.

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RND