Bund und Länder einigen sich auf Konzept zur Kita-Öffnung

  • Wegen der Corona-Krise sind die Kindertagesstätten seit mehreren Wochen geschlossen.
  • Nun gibt es ein Konzept zur stufenweisen Wiedereröffnung.
  • Vier Gruppen von Kindern werden demnach bevorzugt.
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Berlin. Bundesländer und Bundesfamilienministerium haben sich auf einen Plan zur Wiedereröffnung der Kindergärten geeinigt. Die Familienminister von Bund und Ländern empfehlen in der Corona-Krise einen „behutsamen“ Wiedereinstieg in die Kinder-Tagesbetreuung in vier Stufen. Das teilte das Ministerium von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) am Dienstagabend mit.

Die Empfehlung sei, “in den kommenden Wochen und Monaten aus bildungs- und entwicklungspsychologischen Gründen” einen Wiedereinstieg zu ermöglichen - ein konkretes Zieldatum für die Wiederaufnahme des Kita-Betriebs wurde aber nicht genannt. Die vier Phasen umfassen demnach die aktuelle Notbetreuung, eine erweitere Notbetreuung, einen eingeschränkten Regelbetrieb und die Rückkehr zum Normalbetrieb.

Zuerst berichtete die “Welt” unter Berufung auf Regierungskreise darüber. Der Zeitung lag ein fünfseitiges Papier dazu vor.

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Darin heißt es demnach, dass zunächst Kinder wieder betreut werden sollen, die wegen einer familiengerichtlichen Entscheidung auf eine Betreuung angewiesen sind. Außerdem bevorzugt werden sollen Kinder mit “besonderem pädagogischen oder Sprachförderbedarf” und jene, “die in beengten Wohnverhältnissen” leben und kein eigenes Zimmer haben. Hinzu kommen Kinder, die sich am Übergang zu Vorschule und Schule befinden.

Aber auch der Nachwuchs von Alleinerziehenden und Eltern mit systemrelevanten Berufen soll nicht außer Acht gelassen werden. Ebenso wenig wie jene Kinder mit “körperlichen oder sonstigen Beeinträchtigungen”.

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Eltern fühlen sich allein gelassen

Viele Eltern kleiner Kinder fühlen sich derzeit von der Politik alleine gelassen, weil zwar Geschäfte und Schulen nach und nach wieder öffnen, es aber bei Kitas und Kindergärten noch keine Perspektive über die Notbetreuung hinaus gibt. Notbetreut werden vor allem Kinder, deren Eltern dringend am Arbeitsplatz gebraucht werden, etwa im Gesundheitswesen. Die Notbetreuung war zuletzt erweitert worden, in vielen Ländern zum Beispiel auf Alleinerziehende.

Die Minister schlagen zudem vor, die Öffnung von Spielplätzen zu überprüfen und die Erlaubnis "familiärer Betreuungsformen" in Betracht zu ziehen, um Kindern soziale Kontakte zu ermöglichen und ihre Eltern zu entlasten.

Giffey: “Wichtiges und gutes Signal”

Giffey nannte den Beschluss ein "wichtiges und gutes Signal" für Familien. "Die Familien erwarten nun zeitnah konkretere Aussagen darüber, wann die nächsten Schritte erfolgen können", sagte sie.

Oberstes Ziel sei unverändert, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen und Infektionsketten zu unterbrechen, um schwere Krankheitsverläufe zu vermeiden und das Gesundheitssystem nicht zu überlasten, hieß es in der Mitteilung. "Dennoch müssen die Belange der Kinder, gerade der Kleinkinder, und die Bedarfe der Eltern stärker berücksichtigt werden." Die Ministerinnen und Minister seien sich einig, "dass die gegenwärtigen Beschränkungen einen schweren Einschnitt für die Kinder darstellen."

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Auf jeden Erweiterungsschritt sollen zwei Wochen Beobachtung folgen

Konkret raten die Fachminister dazu, nach jedem Erweiterungsschritt zunächst mindestens zwei Wochen lang das Infektionsgeschehen zu beobachten, bevor ein weiterer Schritt gegangen wird. Die Öffnung sollte von “breit angelegten Studien” begleitet werden, die nicht nur medizinische, sondern auch soziale Fragen in den Blick nehmen. Giffeys Ministerium will das Robert-Koch-Institut und das Deutsche Jugendinstitut beauftragen.

Der Beschluss soll in die Beratungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten an diesem Donnerstag einfließen. Letztlich liegt die Entscheidung bei den einzelnen Bundesländern. Oberstes Ziel sei unverändert, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen und Infektionsketten zu unterbrechen, hieß es in der Mitteilung.

RND/cz/dpa


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