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Berg-Karabach: Aserbaidschan bringt Gebiete unter seine Kontrolle

  • Nach dem Scheitern der Waffenruhe hat die aserbaidschanische Armee mehrer Ortschaften in Berg-Karabach eingenommen.
  • Armenien bestätigte die Übernahme.
  • Es sei “die Hoffnung geäußert” worden, dass die Türkei als Mitglied der so bezeichneten Minsker Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) “einen konstruktiven Beitrag zur Deeskalation des Konflikts leisten wird”. In diesem Format wird seit langem in dem jahrzehntealten Konflikt vermittelt.
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Eriwan/Baku. Bei Kämpfen um die Südkaukasusregion Berg-Karabach hat Aserbaidschan erneut mehrere Ortschaften eingenommen. Der Anführer der Region Berg-Karabach, Raik Arutjunjan, teilte am Mittwoch mit, dass es Aserbaidschan gelungen sei, die Front tief in das Konfliktgebiet zu verschieben. Armenien bestätigte, dass das aserbaidschanische Militär Gebiete unter seine Kontrolle gebracht habe. Es war die erste offizielle Bestätigung dieser Art.

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Lage in Bergkarabach spitzt sich wieder zu
1:39 min
Eigentlich hatten Armenien und Aserbaidschan am Samstag eine Waffenruhe vereinbart.  © Reuters

Der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev gab im Kurznachrichtendienst Twitter bekannt, dass das Militär acht Dörfer zurückerobert habe. Die Behörden in der Hauptstadt Baku sprechen von nun insgesamt 45 Ortschaften, die sie wieder unter ihre Kontrolle gebracht hätten. Armenien und Berg-Karabach hatten das bestritten. Jetzt bestätigten sie den Rückzug.

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Berg-Karabach-Krieg: Hunderte Menschen getötet

In Aserbaidschan kam es zuletzt auch zu spontanen Freudenfesten mit Feuerwerk auf den Straßen, wie das Staatsfernsehen zeigte. Die armenische Seite beklagt Hunderte Tote in den eigenen Reihen. Die aserbaidschanische Seite spricht von 43 getöteten Zivilisten, Angaben zu getöteten Soldaten machte Baku nicht.

Die Kämpfe haben am Mittwoch trotz der Waffenstillstandsvereinbarung angehalten. Armenien und Aserbaidschan beschuldigten sich gegenseitig neuer Angriffe. Der russische Präsident Wladimir Putin telefonierte mit seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan und betonte, dass die Feuerpause eingehalten werden müsse, gegen die schon gleich nach Inkrafttreten am Samstag verstoßen wurde.

Türkei schickt syrische Kämpfer in die Region

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Putin äußerte sich besorgt über die Rolle von Extremisten aus dem Nahen Osten in dem Konflikt - eine Anspielung darauf, dass die Türkei syrische Kämpfer entsendet, damit sie armenische Truppen in Berg-Karabach bekämpfen. Dringend notwendig seien gemeinsame Anstrengungen. Nur so könne das Blutvergießen beendet werden.

Es sei “die Hoffnung geäußert” worden, dass die Türkei als Mitglied der so bezeichneten Minsker Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) “einen konstruktiven Beitrag zur Deeskalation des Konflikts leisten wird”, hieß es am Mittwochabend aus dem Kreml. In diesem Format wird seit langem in dem jahrzehntealten Konflikt vermittelt.

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Erdogan bestritt in separaten Äußerungen den Einsatz von Kämpfern. Eine syrische Beobachtungsgruppe und Oppositionsaktivisten in Syrien haben aber bestätigt, dass die Türkei Hunderte syrische Oppositionskämpfer nach Berg-Karabach entsandt hat.

Jahrzehntelanger Konflikt

Es gab Anzeichen für eine Ausweitung des Konflikts: Das aserbaidschanische Militär teilte mit, es habe ein Raketensystem auf armenischem Staatsgebiet zerstört, das auf zivile Gebiete ausgerichtet gewesen sei. Das armenische Außenministerium erklärte daraufhin, es behalte sich das Recht vor, aserbaidschanische militärische Objekte und Truppenbewegungen anzugreifen.

Bislang haben Armenien und Aserbaidschan bestritten, im Konflikt um Berg-Karabach das Staatsgebiet des jeweils anderen angegriffen zu haben, doch beide Parteien haben den Dementis oft widersprochen.

Eine Ausweitung der Kämpfe über die Separatistenregion hinaus wäre eine gefährliche Eskalation des seit Jahrzehnten andauernden Konflikts. Der neue Krieg um Berg-Karabach hatte am 27. September begonnen. Die beiden Ex-Sowjetrepubliken kämpfen seit Jahrzehnten um die bergige Region, in der rund 145.000 Menschen leben. Berg-Karabach wird von Armenien kontrolliert, gehört aber völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan.

In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Es wird von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Seit 1994 galt eine brüchige Waffenruhe. Die Türkei steht in dem Konflikt auf der Seite Aserbaidschans, während Armenien Russland als Schutzmacht sieht.

RND/dpa/AP

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