Belit Onay – der neue Star der Grünen

  • Der Oberbürgermeister von Hannover wird auf dem Grünen-Parteitag gefeiert wie ein Held.
  • Onay gibt Tipps an alle wahlkämpfenden Kommunalpolitiker im Saal.
  • Er äußert aber auch sein Erschrecken über den Hass, der ihm seit seiner Wahl entgegenschlägt.
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Bielefeld. Als Belit Onay am Freitagabend die Bühne des Grünen-Parteitags betritt, applaudieren ihm 800 Delegierte im Stehen. „Belit, was du da geschafft hast, das macht uns stolz“, ruft Parteichefin Annalena Baerbock dem neuen Oberbürgermeister von Hannover zu.

Onay ergreift das Wort und erzählt vom „verrückten Plan“, einen grünen OB-Kandidaten für Hannover aufzustellen – mit der „verrückten Idee“ von einer autofreien Innenstadt. Aber mit seinem Ansatz, Brücken zu bauen, sei er letztlich erfolgreich gewesen. „Als Grünen steht es uns gut zu Gesicht, Brücken zu bauen in unterschiedliche Milieus hinein“, rät Onay seinen Parteifreunden.

Onay heimlicher Star des Parteitags

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Belit Onay ist der eigentliche Star dieses 44. Grünen-Parteitags. Kaum eine Rede kommt ohne die Erwähnung seines Wahlerfolgs vom vergangenen Sonntag aus. Wann immer das Wort „Hannover“ fällt, bricht Jubel aus. Onay kann in der Bielefelder Parteitagshalle keinen Fuß vor den anderen setzen, ohne dass Parteifreunde herbeieilen, um zu gratulieren.

Er selbst hat sichtlich Freude am herzlichen Empfang in Bielefeld. „Die Glückwünsche sind zahlreich“, sagt er am Rande des Parteitags. Die Euphorie sei groß. Vor allem Kommunalpolitiker, die selbst vor Wahlen stehen, kämen jetzt zu ihm. „Sie haben die Hoffnung, dass da noch etwas geht“, sagt Onay.

Der Hannoveraner berichtet in seiner kurzen Ansprache vom hannoverschen Wahlkampf, den er als fair und sachlich empfunden habe. „Aber die Fairness hat mit der Wahl ein Ende genommen“, sagt Onay. Er berichtet vom Hass, der ihm entgegenschlug – und von Falschmeldungen. Über Parteigrenzen hinweg erfahre er seither Solidarität. „Es ist keine Floskel: Demokratinnen und Demokraten müssen zusammenstehen“, sagt Onay.

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Sein Wahlerfolg macht die Wahlschlappe der Grünen in Thüringen, wo die Partei gerade so in den Landtag einzog, fast vergessen. Bei der Stichwahl zur Oberbürgermeisterwahl in Hannover setzte sich der bisherige Grünen-Landespolitiker gegen den Kandidaten der CDU, Eckhard Scholz, mit 52,9 Prozent durch. Hannover ist nach Stuttgart die zweite von einem grünen Oberbürgermeister regierte Landeshauptstadt. Onay ist der erste Oberbürgermeister einer Großstadt mit türkischer Herkunftsgeschichte.

Parteichef Robert Habeck rechnet es Onay hoch an, dass er seinen ethnischen Hintergrund im Wahlkampf nicht ins Zentrum gerückt hat. Onay habe „durch Fachkompetenz und Menschlichkeit“ überzeugt, sagt Habeck in seiner Eröffnungsrede. „Belit hat nie darüber gesprochen, dass er nicht Müller, Meier oder Habeck heißt. Diese Normalität – die wurde gewählt in Hannover“, so Habeck. Und beim Wort „Hannover“ bricht der Saal wieder in Jubel aus.

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RND