RSV-Welle und Fachkräftemangel

„Belegungssituation sehr stark angespannt“: Verband warnt vor Überlastung von Kinderkliniken

Ein am Respiratorischen Synzytial-Virus (RS‑Virus oder RSV) erkrankter Patient liegt auf einer Kinderstation des Olgahospitals des Klinikums Stuttgart in einem Krankenbett. (Symbolbild)

Ein am Respiratorischen Synzytial-Virus (RS‑Virus oder RSV) erkrankter Patient liegt auf einer Kinderstation des Olgahospitals des Klinikums Stuttgart in einem Krankenbett. (Symbolbild)

Angesichts der zunehmenden Krankenhauseinweisungen von Kindern, die sich mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) infiziert haben, hat die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) vor einer Überlastung der Kinderkliniken gewarnt. „Insgesamt ist die Belegungssituation in den Kinder- und Jugendkliniken sehr stark angespannt“, sagt Präsident Jörg Dötsch dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Als Grund für die hohe Belastung der Einrichtungen führt das Mitglied des Corona-Expertenrats der Bundesregierung vor allem den Fachkräftemangel speziell in der Pflege an. Dieser habe sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschärft. „Insofern stehen weniger verfügbare Bettplätze als im letzten Jahr für die Versor­gung der Kinder und Jugendlichen bereit.“

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Laut des Robert Koch-Instituts (RKI) führen RSV‑Infektionen aktuell vermehrt zu Erkrankungen und Kranken­hauseinweisungen, insbesondere bei Kleinkindern. Eine Entspannung der Situation ist laut des RKI‑Wochen­berichts zur Entwicklung der Corona-Pandemie von Donnerstagabend nicht zu erwarten. Darin heißt es, dass in den kommenden Wochen weiter mit steigenden Zahlen zu rechnen sei.

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An RSV kann man in jedem Alter erkranken, aber vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern ist der Erreger bedeutsam. Es kann sich um eine einfache Atemwegsinfektion handeln, aber auch schwere Verläufe bis hin zum Tod sind möglich.

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RSV-Welle: Kinderkliniken müssen OPs verschieben

Aufgrund der knappen Bettenkapazitäten in den Einrichtungen müssten junge Patienten teilweise in andere Kliniken verlegt werden, so Dötsch. Andere Krankenhäuser seien bereits überbelegt. „Die Beschäftigten gehen häufig über ihre Belastungsgrenzen hinaus“, mahnt er und führt an: „Für eine gewisse Zeit kann das geleistet werden, aber nicht über einen längeren Zeitraum.“

Auch wenn eine weitere Verschärfung der Situation droht, betont der DGKJ‑Präsident: „Wir lassen niemanden zurück.“ Schwer oder bedrohlich kranke Kinder würden „immer“ behandelt. Dötsch macht aber deutlich: „Für die Eltern von Kindern mit leichteren Erkrankungen entstehen zum Teil aber sehr lange Wartezeiten.“ Auf­grund der derzeit hohen Klinikbelastung „müssen schon jetzt geplante Operationen verschoben werden“. Weitere könnten folgen, sollte sich die Lage zuspitzen.

„Belastung in den Praxen kaum noch zu beschreiben“

Auch die Kinderärztinnen und Kinderärzte in den Praxen bekommen die Auswirkungen der RSV‑Welle zu spüren. „Die Belastung in den Praxen ist kaum noch zu beschreiben, wir behandeln täglich bis zu 200 Patien­ten, was auf Dauer so nicht zu leisten ist“, berichtet der Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugend­ärzte (BVKJ), Jakob Maske, dem RND. Grund sei dafür aber auch ein teils starker Anstieg anderer Virusinfekte, etwa der Influenza.

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Hauptproblem sei jedoch der bereits vom DGKJ‑Präsidenten angeführte Personalmangel im Gesundheits­system. „Akut wird es hier keine Lösung geben, das Gesundheitsministerium fährt die ambulante und klinische Kinder- und Jugendmedizin gerade an die Wand“, kritisiert Maske.

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Mit Bezug auf seine Kritik an der aktuellen Situation im Gesundheitssystem giftet der BVKJ‑Sprecher auch direkt gegen Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Dieser hätte kürzlich „Maske tragen“ als Problemlösung für das RSV‑Infektionsgeschehen geäußert. „Wenn einem Gesundheitsminister hier nicht mehr einfällt, ist die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ernsthaft gefährdet.“

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