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  • Belarus: Tod von Witali Schischow - schwerer Verlust für belarussische Opposition

Tod von Witali Schischow: Der Westen muss den Druck auf Belarus erhöhen

  • Der zunächst als vermisst gemeldete Belarus-Aktivist Witali Schischow wurde erhängt in einem Stadtpark in Kiew aufgefunden.
  • Möglicherweise ist er Opfer eines als Suizid getarnten Verbrechens geworden, hinter dem der belarussische Geheimdienst steht.
  • Der Westen muss politisch Verfolgten aus Belarus großzügig Asyl geben, kommentiert Jan Emendörfer.
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Berlin. Auch wenn die Ermittlungen im Fall des belarussischen Aktivisten Witali Schischow gerade erst begonnen haben, nach einem Selbstmord sieht es überhaupt nicht aus. Der 26-Jährige, den Freunde als Menschen voller Tatendrang und Lebensfreude charakterisieren, wurde am Dienstag erhängt in einem Stadtpark in Kiew aufgefunden. Die ukrainischen Behörden ermitteln wegen Mordes. Möglicherweise war es ein als Suizid getarntes Verbrechen.

Augenscheinlich nimmt immer mehr Gestalt an, was belarussische Oppositionelle schon im Frühjahr vorausgesagt hatten: eine neue Dimension der Verfolgung von Regimekritikerinnen und ‑kritikern auch im Ausland. Diktator Alexander Lukaschenko hat eigens ein Geheimdienst­kommando bilden lassen, das Oppositionelle im Ausland aufspüren und liquidieren soll.

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Zwar ist Schischow bislang öffentlich kaum in Erscheinung getreten, gilt aber bei Kennerinnen und Kennern der belarussischen Diaspora als eine Schlüsselfigur in Sachen Hilfe für politisch Verfolgte. Selbst nach Kiew geflohen, hatte er sich dort um seine Landsleute gekümmert, sie bei Unterbringung und Aufenthalts­erlaubnis unterstützt. Für die belarussische Opposition stellt sein Tod einen schweren Verlust dar.

Dass Lukaschenko vor nichts mehr zurückschreckt, war spätestens im Mai klar geworden, als er einen Ryanair-Flug von Athen nach Vilnius zur Notlandung in Minsk zwang, um den an Bord befindlichen Aktivisten Roman Protassewitsch verhaften zu lassen. Ein weiteres Beispiel ist der Politkrimi von Tokio: Aus Angst vor Lukaschenkos Rache flüchtete die belarussische Olympia­teilnehmerin Kristina Timanowskaja am Montag in die polnische Botschaft, nachdem sie Kritik an Sportfunktionären ihres Landes geübt hatte.

Es ist völlig klar, dass diese Fälle die belarussische Opposition stark verunsichern. Genau das will das Regime in Minsk bewirken. Deshalb ist es umso wichtiger, dass der Westen den Druck auf Lukaschenko erhöht und politisch Verfolgten großzügig hilft und Asyl gewährt.

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