• Startseite
  • Politik
  • Belarus: Tichanoswkaja schreibt Brief an belarussische Soldaten - Opposition fordert Streifkräfte auf, sich von Lukaschenko abzuwenden

Opposition in Belarus will das Militär auf ihre Seite ziehen

  • Die Bürgerrechtlerin Swetalana Tichanowskaja und der frühere Kulturminister Pawel Latuschko haben einen Brief an die belarussischen Soldaten geschrieben.
  • “Man will Sie in einen Krieg gegen Ihr eigenes Volk hineinziehen”, heißt es darin.
  • Die Opposition fordert die Streitkräfte zur Abkehr von Machthaber Alexander Lukaschenko auf.
Anzeige
Anzeige

Minsk/Wien . Nach massiver Gewalt gegen Demonstranten in Belarus (Weißrussland) hat die Opposition das Militär zur Abkehr von Machthaber Alexander Lukaschenko aufgerufen.

„Man will Sie in einen Krieg gegen Ihr eigenes Volk hineinziehen“, schrieben die Bürgerrechtlerin Swetalana Tichanowskaja und der frühere Kulturminister Pawel Latuschko am Donnerstag an die Soldaten. „Lukaschenko hat keine Ressourcen mehr, um sich an der Macht zu halten.“ Die Streitkräfte sollten vielmehr dem Volk gegenüber loyal sein. Sie sollten nicht „den kriminellen Befehlen“ Folge leisten, heißt es in dem im Nachrichtenkanal Telegram verbreiteten Aufruf.

Video
Warnschüsse und Festnahmen in Belarus
1:19 min
Erneut haben Zehntausende den Rücktritt des belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko gefordert.  © Reuters
Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

In Belarus kommt es seit der umstrittenen Präsidentenwahl am 9. August regelmäßig zu Protesten gegen Lukaschenko. Der 66-Jährige hatte sich mit 80,1 Prozent der Stimmen nach 26 Jahren an der Macht erneut zum Sieger erklären lassen. Die Opposition sieht dagegen Tichanowskaja als wahre Gewinnerin an. Die Sicherheitskräfte gehen immer wieder brutal gegen friedliche Demonstranten vor. Allein am vergangenen Sonntag gab es rund 300 Festnahmen.

Tichanowskaja trifft Kurz

Kritik an dem Vorgehen der Behörden kam einmal mehr von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. „Indem die belarussischen Behörden Hunderte Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer friedlichen Demonstration offiziell als ‘Kriminelle’ bezeichnen, zeigen sie ihre tiefe Missachtung der Menschenrechte und grundlegender Freiheiten“, teilte Amnesty mit.

Anzeige

Tichanowskaja traf indes am Donnerstag in Wien den österreichischen Kanzler Sebastian Kurz. Dabei sei über Wege zur friedlichen Lösung der politischen und wirtschaftlichen Krise gesprochen worden, teilte die 38-Jährige bei Telegram mit. Zugleich habe sie Kurz gedankt, dass er - wie auch andere EU-Staats- und Regierungschefs - Lukaschenko nicht mehr als Präsidenten anerkenne.

An Donnerstag endete offiziell die reguläre Amtszeit des Machthabers, der von Gegnern als „letzter Diktator Europas“ bezeichnet wird. Lukaschenko hatte sich bereits Mitte September ohne Vorankündigung für eine sechste Amtszeit vereidigen lassen.

RND/dpa

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen