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  • Belarus: Seibert nennt Protassewitsch-Interview „eine Schande“

Seibert zu Protassewitsch-Interview: „Das Video ist eine Schande“

  • Die Bundesregierung hat das Geständnis-Interview des inhaftierten belarussischen Bloggers Roman Protassewitsch „auf das Schärfste“ verurteilt.
  • Regierungssprecher Steffen Seibert nannte das Statement unglaubwürdig.
  • Das Video zeige die „Demokratieverachtung“ und die „Menschenverachtung“ der belarussischen Führung.
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Berlin. Die Bundesregierung hat die erneute Vorführung des inhaftierten belarussischen Bloggers Roman Protassewitsch zu einem offenkundig erzwungenen Geständnis vor laufender Kamera „auf das Schärfste“ verurteilt.

„Da wird ein unliebsamer oppositioneller Journalist nach einer wohl unter falschen Vorwänden zustande gekommenen Zwangslandung zusammen mit seiner Lebensgefährtin aus einem Flugzeug verschleppt, wird hinter Gitter gebracht und wird dort so weit psychisch und möglicherweise auch physisch bearbeitet, dass er dieses vollkommen unwürdige und unglaubwürdige Geständnis-Interview gibt“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin.

„Das ist eine Schande für den Sender, der es ausstrahlt und für die belarussische Führung, die nochmal ihre ganze Demokratieverachtung und, eigentlich muss man auch sagen, Menschenverachtung zeigt“, sagte Seibert. Die Gedanken der Bundesregierung seien bei Protassewitsch und allen anderen Bürgern von Belarus, die für ihre Überzeugung und einen friedlichen Kampf um Bürgerrechte unmenschlich behandelt würden.

Kritik aus Großbritannien

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Auch der britische Außenminister Dominic Raab hat das neue und offenbar erzwungene Video-Geständnis des belarussischen Bloggers Roman Protassewitsch scharf kritisiert. „Das verstörende Interview von Herrn Protassewitsch vergangene Nacht entstand eindeutig unter Zwang und in Gewahrsam“, twitterte Raab am Freitag.

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Er forderte, alle zur Verantwortung zu ziehen, die an der Produktion und Verbreitung des Videos beteiligt gewesen seien. „Die Verfolgung derjenigen, die Menschenrechte und Pressefreiheit in Belarus verteidigen, muss aufhören.“

Protassewitsch äußerte sogar Bewunderung für Lukaschenko

Am Donnerstagabend hatte der staatliche Sender ONT in Belarus eine anderthalbstündige Sendung ausgestrahlt, in deren Verlauf Protassewitsch sogar Bewunderung für Machthaber Alexander Lukaschenko äußerte, den er bis dahin immer wieder kritisiert hatte.

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Lukaschenko hatte vor knapp zwei Wochen ein Passagierflugzeug zur Landung in Minsk gezwungen und Protassewitsch sowie dessen Freundin verhaften lassen. Der Vorfall hat den Konflikt zwischen der ehemaligen Sowjetrepublik und dem Westen verschärft.

RND/dpa

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