Beim Einbauverbot für Ölheizungen gibt es auch Ausnahmen

  • Das Bundeskabinett hat das Einbauverbot für neue Ölheizungen ab dem Jahr 2026 auf den Weg gebracht.
  • Es ist Teil der Klimaschutzbeschlüsse vom September und wird mit dem neuen Gebäudeenergiegesetz geregelt.
  • Doch welche Alternativen gibt es und wie teuer ist die Umrüstung? Hier lesen Sie die wichtigsten Fragen und Antworten.
Alexander Holecek
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Berlin. Gas- oder Ölheizkessel, die 1991 oder später eingebaut wurden, dürfen nur 30 Jahre lang betrieben werden – das ist derzeit bereits gesetzlich geregelt. Heizkessel, die vor dem 1. Januar 1991 eingebaut oder aufgestellt wurden, dürfen nicht mehr betrieben werden. Neue Ölheizungen sind ab 2026 verboten. Das hat das Bundeskabinett an diesem Mittwoch beschlossen.

Was besagt das Gesetz?

Verboten werden nur neue Ölheizungen ab 2026. Das Gesetz zwingt die Verbraucher nicht, sofort ihre bereits in Betrieb befindliche Ölheizung abzustellen. Durch die Regelung, dass 30 Jahre alte Ölheizungen ausgetauscht werden müssen, werden aber nach und nach alle Exemplare abgestellt werden. "Häufig empfiehlt es sich ohnehin, alte Heizungen in moderne zu tauschen. Die sind meist deutlich energieeffizienter, was sich auch in den Verbrauchskosten niederschlägt", sagt Martin Brandis von der Verbraucherzentrale.

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Welche Alternativen gibt es?

Die gängigsten Alternativen für eine Ölheizung sind Gas- oder Pelletheizungen oder eine Wärmepumpe. Der Vorteil von Gasthermen liegt vor allem darin, dass sie platzsparend sind. Auch die laufenden Kosten sind geringer als beim Öl. Insgesamt lassen sich so bis zu 30 Prozent einsparen. Neben der Therme müssen sich Verbraucher allerdings auch einen Tank anschaffen, um mit Gas heizen zu können.

Pelletheizungen verbrennen gepresste Holzreste. Sie sind also sehr klimafreundlich, verursachen aber viel Feinstaub. Im Haus benötigt dieses Heizsystem mit Kessel, Wärmespeicher und Pelletlager viel Platz.

Wärmepumpen gelten als klimafreundliche Variante, da sie die Wärme aus der Umwelt zum Heizen nutzen. Allerdings sind die Anschaffungskosten recht hoch (siehe unten), außerdem sind die Betriebskosten je nach Dämmstandard des Hauses ebenfalls hoch.

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Wie teuer ist eine Umrüstung?

Das hängt von der Art der neuen Heizung ab. Geht man davon aus, dass Öl-Brennwertkessel für rund 4000 bis 7000 Euro zu haben sind, sind Gasthermen mit 3000 Euro für ein Einfamilienhaus etwas günstiger. Der Tank schlägt noch einmal mit etwa 2000 Euro zu Buche, kann aber auch mit monatlichen Zahlungen von etwa 15 Euro gemietet werden. Bei der klimafreundlichen Variante einer Holzheizung sind die Kosten mit mindestens rund 13.000 sehr hoch. Wärmepumpen sind für 12.000 bis 30.000 Euro zu haben.

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Bei allen Alternativen kommen die Kosten für den Ausbau der alten Anlage noch hinzu. Diese betragen laut Brandis etwa mehrere hundert Euro.

Wie komme ich an die Förderungen?

Für die Umrüstung auf Erneuerbare Energien wie Biomasseheizungen oder Wärmepumpen gibt es schon jetzt die Chance auf Fördergeld von bis zu 4000 Euro, sagt Brandis. Im Moment werden Anträge zur Förderung von Energiesparmaßnahmen je nach Vorhaben beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle oder bei Förderbank des Bundes (KfW) gestellt. Im neuen Gesetz ist vorgesehen, dass Verbraucher 40 Prozent der Austauschkosten ihrer Ölheizungen kompensiert bekommen können - und zwar ungedeckelt. Wie Verbraucher genau an die Prämie kommen, ist aber noch unklar. "Da sollte es bald Förderrichtlinien geben, die genau regeln, an wen die Anträge gestellt werden müssen", so Brandis.

Sind Ölheizungen wirklich so klimaschädlich?

Gemessen am CO₂-Ausstoß ist Öl tatsächlich das klimaschädlichste Heizsystem. Umgerechnet in eine Kilowattstunde verursacht das Heizen mit Öl etwas mehr als 300 Gramm CO₂ oder äquivalente Klimagase. Erdgas stößt rund ein Fünftel weniger aus. Wer Holz nutzt, heizt quasi klimaneutral. Schließlich stößt das Holz bei der Verbrennung nur so viel CO₂ aus, wie es bis dahin gebunden hat. Insgesamt entfällt rund ein Drittel des Endenergieverbrauchs eines Haushalts auf das Heizen.

Wer muss den Anspruch auf die Ausnahmeregelung nachweisen?

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Ausnahmen gelten in Häusern, die weder mit Gas noch mit Fernwärme oder erneuerbaren Energien beheizt werden können. Den Nachweis, dass es in ihrem Gebiet keine Alternativen gibt, müssen allerdings die Besitzer der Anlagen erbringen. Wie das genau funktioniert, sei derzeit noch nicht absehbar, so Brandis. Dafür fehlten noch die Erfahrungswerte. Wahrscheinlich müssten Betroffene Handwerker oder Ingenieure beauftragen, die berechnen, ob das Haus mit alternativen Systemen wirtschaftlich beheizt werden kann. Wenn die Kalkulation ergibt, dass sich andere Heizarten nicht rechnen, kann eine Ausnahmegenehmigung beantragt werden. Wo, ist noch unklar.

Wie viele Ölheizungen gibt es überhaupt in Deutschland?

In Neubauten werden kaum noch Ölheizungen eingebaut. Nur 0,6 Prozent der neuen Häuser werden laut statistischem Bundesamt damit ausgestattet. Der Effekt des Einbauverbots ist also eher gering. Der überwiegende Teil (41,2 Prozent) der Neubauten heizt mit Gas. Trotzdem nutzen deutschlandweit noch 8,7 Millionen Haushalte – vor allem in älteren Gebäuden – das Öl. Der Anteil der mit Öl betriebenen Heizanlagen ist seit 2015 um nur 2,3 Prozentpunkte zurückgegangen.