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Bayern und Baden-Württemberg geben ab Montag alle Corona-Impfstoffe in Arztpraxen frei

  • Bayern will ab kommendem Montag die Priorisierungen für alle Corona-Impfstoffe bei Hausärzten aufheben.
  • Nach einem Bericht der Tagesschau gibt auch Baden-Württemberg alle Impfstoffe ab Montag frei.
  • In den Impfzentren soll es demnach aber bei dem bisherigen Verfahren mit Priorisierungen bleiben.
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München. Bayern will ab kommendem Montag die Priorisierungen für alle Corona-Impfstoffe bei Hausärzten aufheben.

Das kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch nach Angaben von Teilnehmern in einer Rede bei der Klausur der CSU-Landtagsfraktion in München an.

In den Impfzentren soll es demnach aber bei dem bisherigen Verfahren mit Priorisierungen bleiben.

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In einem Bericht der Tagesschau heißt es zudem, dass auch Baden-Württemberg alle Corona-Impfstoffe in Arztpraxen freigibt. Das haben das Sozialministerium und die Kassenärztliche Vereinigung gemeinsam beschlossen. Nach der Freigabe könnten niedergelassene Ärzte dann alle Personen über 16 oder 18 Jahren impfen, je nachdem, wie viel Impfstoff verfügbar ist.

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In den Impfzentren soll in Baden-Württemberg zwar die Priorisierung beibehalten bleiben, so die Tagesschau, aber für die gesamte Prioritätengruppe 3 geöffnet werden. Bisher ist sie nur für bestimmte Gruppen geöffnet.

Bisher nur Astrazeneca und Johnsen & Johnsen freigegeben

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Bislang sind lediglich die Impfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson unabhängig von der Priorisierung freigegeben. Für die anderen Impfstoffe hatte dies der Bund für Juni in Aussicht gestellt - Bayern hatte aber angekündigt, hier schneller agieren zu wollen.

Außerdem sollen in bayerischen Regionen mit Inzidenzen unter 100 ab dem 21. Mai Freibäder unter strengen Corona-Auflagen wieder öffnen dürfen.

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Die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund und der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes haben sich dafür ausgesprochen, Corona-Impfstoffe auch weiterhin gemäß der Priorisierung zu verabreichen.

„Ich halte es für falsch, die Impfpriorisierung jetzt schon komplett preiszugeben“, sagte Marburger-Bund-Chefin Susanne Johna der „Rheinischen Post“. „Es sind ja noch gar nicht alle Personen mit Vorerkrankungen und erhöhtem Risiko geimpft. Die sollten auch in den Impfzentren noch Vorrang haben.“

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Flexibilität für Impfkampagne

Bund und Länder dürften bei ihren Entscheidungen nicht der Devise „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ Vorschub leisten. Dann hätten die „Schwächeren, die am wenigsten drängeln, am Ende das Nachsehen.“

Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, sagte: „So lange eine Knappheit an Impfstoffdosen besteht, ist die Priorisierung für die Hausärztinnen und Hausärzte eine wichtige Leitlinie, um besonders gefährdete Patientinnen und Patienten schnell auszumachen und frühzeitig zu schützen.“

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Zugleich sprach er sich aber für ein der Situation angepasstes Vorgehen der Ärzte vor Ort aus. „Ein starres Festhalten, vielleicht sogar noch über Länder mit unterschiedlichem Impffortschritt hinweg, wäre sinnlos, ja sogar hinderlich.“

Flexibilität und Pragmatismus brächten die Impfkampagne bereits jetzt voran. Wenn etwa kurz vor Praxisschluss noch Impfstoff übrig sei, dann sollte dieser unabhängig von der Priorisierung noch verabreicht werden.

Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat die Freigabe aller Corona-Impfstoffe kritisiert. Solange es nicht genügend Impfstoff gebe, setze die Politik mit einer solchen Entscheidung einen „Spaltpilz“ in die Gesellschaft, sagte Vorstand Eugen Brysch am Mittwoch in Dortmund der Nachrichtenagentur dpa. „Nicht die Priorisierung ist der Hemmschuh beim Impffortschritt, sondern einzig der Mangel an Impfstoff.“

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Die Entscheidungen in Baden-Württemberg und Bayern, dass Hausärzte ungeachtet der staatlichen Prioritäten Menschen impfen dürfen, sei ein Beispiel dafür, „wie man sowohl den Impfdruck auf Ärzte erhöhen kann und Frust in der Gesellschaft schafft“. Das werde die Aggressionen nicht nur zwischen Arzt und Patient, sondern auch Konflikte zwischen den Generationen steigern, prophezeite Brysch. „Aber damit hat dann ein Minister oder eine Ministerin nichts mehr zu tun.“ Die Politiker seien weit weg von den Arztpraxen.

„Die Stimmung wird aggressiv“

Weigeldts Vorstandskollegin Anke Richter-Scheer berichtete der Funke Mediengruppe von einer zunehmend aufgeheizten Stimmung in den Impfzentren wegen immer mehr Vordränglern. „Wir erleben jeden Tag Diskussionen mit Leuten, die jetzt unbedingt schnell geimpft werden wollen, obwohl sie noch nicht an der Reihe sind. Die Stimmung wird aggressiv“, erklärte die stellvertretende Verbandsvorsitzende.

Das liege auch daran, dass die Priorisierung immer weiter ausgeweitet werde, „so dass es für viele immer weniger nachvollziehbar ist, warum der eine schneller an der Reihe sein soll als der andere.“ Hinzu komme, dass viele jetzt ihre Zweitimpfung vorziehen wollten, um so schnell wie möglich von Erleichterungen für Geimpfte zu profitieren oder sorglos in den Urlaub fahren zu können.

RND/dpa

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