Überraschung und Skepsis nach Bayerns Ankündigung einer FFP2-Maskenpflicht

  • Bayern führt ab der kommenden Woche eine FFP2-Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr und Einzelhandel ein.
  • Andere Länder planen derzeit keinen solchen Schritt.
  • Die Landesregierung in Niedersachsen sieht die Bedingungen dafür nicht gegeben.
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Hannover. Der bayrische Vorstoß einer FFP2-Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr und im Einzelhandel stößt in Niedersachsen auf Skepsis. „Niedersachsen würde eine Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske nur dann erwägen, wenn wirklich sichergestellt ist, dass alle Menschen einen kostenlosen Zugang zu einer solchen Maske hätten“, sagte Regierungssprecherin Anke Pörksen am Dienstag in Hannover. „Ansonsten würden wir ja Teile der Bevölkerung ausschließen vom lebensnotwendigen Besuch eines Supermarktes oder einer Bäckerei.“ Auch von der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel sowie vom Besuch eines Arztes oder einer Apotheke seien einige Menschen dann ausgeschlossen.

Die stellvertretende Leiterin des Corona-Krisenstabs, Claudia Schröder, fügte hinzu, es bringe „kein messbares Mehr an Schutz“, wenn im Nahverkehr und im Handel alle Menschen eine FFP2-Maske tragen müssten. Zum Schutz anderer Menschen vor ausgeatmeten Aerosolen genügten bereits die herkömmlichen Mund-Nase-Bedeckungen. FFF2-Masken seien sinnvoll für besonders infektionsgefährdete Risikogruppen sowie für Menschen, die in Pflege oder Medizin arbeiteten.

FFP2-Masken filtern Aerosole wirksam auch beim Einatmen heraus. Sie schützen daher, anders als herkömmliche Masken, auch den Träger selbst. Die bayrische Landesregierung hatte am Dienstag eine Pflicht zum Tragen solcher Masken im öffentlichen Personennahverkehr und im Einzelhandel beschlossen. Sie gilt ab dem 18. Januar. Zur Begründung sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU), so solle die Sicherheit verbessert werden.

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Keine FFP”-Maskenpflicht in Brandenburg geplant

Auch Brandenburg plant derzeit keine Pflicht für das Tragen von FFP2-Masken im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) und im Einzelhandel. “Eine FFP-2-Maskenpflicht im ÖPNV war heute kein Thema im Brandenburger Kabinett”, sagte Regierungssprecher Florian Engels der Deutschen Presse-Agentur in Potsdam. “Eine derartige Maskenpflicht ist derzeit auch nicht vorgesehen.”

Ein Mund-Nasen-Schutz gilt in Brandenburg wie auch in anderen Bundesländern unter anderem in öffentlichen Bussen und Bahnen und im Einzelhandel, aber unabhängig von einer Schutzkategorie.

Im Berliner Senat war die FFP2-Maskenpflicht am Dienstag ebenfalls kein Thema. Und auch eine Sprecherin der Staatskanzlei in Mainz sagte der dpa, in Rheinland-Pfalz sei ein solcher Schritt aktuell nicht vorgesehen.

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Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) erklärte dagegen, dass die Regierung des Freistaats über eine ähnliche FFP2-Maskenpflicht wie jene in Bayern nachdenken werde.

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Eigenschutz oder Fremdschutz – Welche Maske wirkt wie?
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Welche Masken gibt es, wen schützen sie und was sollte man beim Tragen von selbstgenähten Masken beachten?  © RND
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Bayerns Handel begrüßt den Schritt

Der bayrische Handel sieht die beschlossene Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken in Einzelhandel und Nahverkehr positiv. “Es ist ein logischer Schritt, denn die Fallzahlen gehen bisher nicht zurück”, sagte der Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern, Bernd Ohlmann, am Dienstag. Die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske sei ein Schlüssel, dies zu ändern und “ein Türöffner, den Einzelhandel wieder zu öffnen”. Dadurch werde Einkaufen sicherer. “Das ist genau das, was wir brauchen.”

Allerdings sieht Ohlmann die relativ kurze Zeit zwischen Ankündigung und Umsetzung kritisch. “Wir hätten uns mehr Vorlauf gewünscht”, sagte er. Die FFP2-Maskenpflicht für Einzelhandel und Nahverkehr gilt in Bayern auf Beschluss des Kabinetts von Montag an.

Ohlmann sagte, er erwarte einen “heißen Montag” mit teils hitzigen Diskussionen mit Kunden, wenn diese ohne FFP2-Maske nicht mehr in die Geschäfte gelassen würden. Der Handel werde jedenfalls aus eigenem Interesse strikt auf die Einhaltung achten. Die verbleibende Zeit werde die Branche nutzen, um Kunden auf die Maskenpflicht hinzuweisen und vorzubereiten.

Verkehrsverbünde überrascht

Die bayrischen Verkehrsverbünde sind von der ab Montag geltenden Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken im öffentlichen Nahverkehr ebenfalls überrascht worden. “Alle bisherigen Studien haben nachgewiesen, dass der ÖPNV sicher ist”, sagte Burkhard Hüttl vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen Bayern am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. “Von daher wird eine hohe Sicherheit jetzt noch weiter erhöht - dem verschließen wir uns natürlich nicht.”

Allerdings: “Wir sind vorher dazu nicht angehört worden”, sagte Hüttl. Daher würden sich nun Umsetzungsfragen stellen. Hüttl zufolge trägt schon jetzt ein signifikanter Anteil der Fahrgäste FFP2-Masken in Bussen und Bahnen. Generell werde die Maskenpflicht zu über 95 Prozent eingehalten.

RND/epd/dpa

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