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Bauernpräsident Rukwied: „Klar sind wir Landwirte Klimaschützer“

  • Die Landwirtschaft gehört wie die Industrie zu Verursachern des Klimawandels.
  • Gleichzeitig haben die Bauern mit den Folgen wie Dürren oder Extremwetter zu kämpfen.
  • Bauernpräsident Joachim Rukwied sieht seine Branche als Teil der Lösung beim Klimaschutz.
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Berlin. Joachim Rukwied (60) ist seit 2006 Präsident des Deutschen Bauernverbands, seit 2017 steht er auch dem Europäischen Bauernverband als Präsident vor. Als Landwirt führt er den elterlichen Hof im Landkreis Heilbronn, den er 1994 übernommen hatte, als Ackerbaubetrieb. Rukwied ist CDU-Mitglied.

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Ernüchternde Rekordwerte: Beim Klimaschutz drängt die Zeit
1:23 min
Das Wirtschaftsleben stand im ersten Corona-Jahr zwar wochenlang still, aber den Trend immer dramatischerer Klimaveränderungen hat das nicht aufgehalten.  © dpa

Herr Rukwied, Sie sind Landwirt und Bauernpräsident. Sind Sie auch Klimaschützer?

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Ja, klar. Wir setzen sehr stark auf reduzierte Bodenbearbeitung, arbeiten mit Zwischenfrüchten und versuchen, langfristig den Humusgehalt in unseren Böden zu erhöhen. Insofern sehe ich mich und meine Kollegen als Klimaschützer.

Was bedeutet der Klimawandel in Ihrer Branche?

Wir beobachten längere Vegetationsperioden. Das bedeutet höheres Risiko zum Beispiel im Wein- und Obstbau, weil die Vegetation früher beginnt und die Eisheiligen nach wie vor im Mai liegen. Wir haben verstärkt Dürreperioden, aber auch starke Niederschläge zu verzeichnen. Also, der Klimawandel ist für Bauern eine große Herausforderung.

Was tun die Bauern gegen den Klimawandel?

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Wir haben unsere Emissionen seit 1990 um 23,7 Prozent senken können. Im letzten Jahr im Vergleich zum Vorjahr um weitere 2,2 Prozent. Damit sind wir etwas besser als die Zielvorgaben. Unser Gesamtanteil an allen Emissionen liegt bei 9 Prozent der Emissionen. Wir emittieren im Vergleich in etwa ein Drittel weniger bei der Erzeugung von einem Liter Milch als in weniger entwickelten Staaten. Das hängt damit zusammen, dass wir effizienter wirtschaften.

Wo sehen Sie Konflikte mit dem Klimaschutz?

Ein Beispiel ist, dass wir für mehr Tierwohl sorgen sollen und wollen. Dafür ist unter anderem mehr Auslauf der Tiere notwendig – was in der Tendenz zu leicht erhöhten Emissionen führt. Da müssen wir die richtige Balance finden. Wir sehen Potenzial in der CO₂-Senkenbildung in unseren Böden und unseren Wäldern, aber man muss auch nüchtern betrachten, dass die Senkenleistung etwas rückgängig sein wird, dadurch, dass wir auch den Wald umbauen müssen, was die Kulturarten anbelangt. Dies ist auch eine Folge des Klimawandels. Unser gemeinsames Ziel ist, weiter an der Reduktion von Emissionen mitzuarbeiten.

Welche Erwartungen haben Sie an die UN-Klimakonferenz in Glasgow als Landwirt?

Wir erwarten, dass man uns realistische Ziele vorgibt und die Landwirtschaft als kooperativen Teil der Lösung beim Klimaschutz gesehen wird.

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