Bauernproteste: Redet endlich miteinander!

  • Tausende Bauern haben sich in mehreren Bundesländern an Protesten beteiligt.
  • Sie fühlen sich alleingelassen von Politik und Verbänden.
  • Die Debatte über die Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland muss grundlegend anders geführt werden, kommentiert Rasmus Buchsteiner.
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Berlin. Ernährung – das betrifft uns alle. Da geht es nicht nur um Werte, um Lebensstile und um Emotion. Leider geht es allzu oft um Ideologie, um Rechthaberei. Ein beispielloser Kulturkampf um unsere Landwirtschaft ist im Gange – nicht erst seit heute.

Die Bauernproteste an diesem Dienstag sind dafür nur der jüngste Beleg. Ein anderer sind die großen „Wir sind satt“-Demos jedes Jahr, wenn sich die Agrarwirtschaft in Berlin zur Grünen Woche trifft.

Es gibt nicht nur das Unbehagen bei den Landwirten, die sich von einer vermeintlichen Regulierungswut der Politik überzogen fühlen.

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Es gibt auch das Bedürfnis nach einer anderen Landwirtschaft. Einer ohne Überdüngung. Einer mit mehr Tierwohl. Einer, die stärker auf Regionalität setzt und die Umwelt schützt, statt ihr zu schaden.

Glyphosat-Ausstieg, Massentierhaltung, EU-Agrarsubventionen – in der Debatte über die Landwirtschaft geht es immer wieder um die gleichen Schlagworte. Der Meinungskampf ist hoch professionell. Die Positionen von Experten und Lobbyvertretern sind überraschungsfrei.

Fakt ist: Ein „Weiter so“ bedeutet absehbar das Ende dessen, was man früher einmal die bäuerliche Landwirtschaft genannt hat.

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„Verbraucher haben mehr Macht, als sie denken“

Nicht die protestierenden Bauern sind das Problem, sondern die Tatsache, dass niemand abseits von Stanzen die Debatte darüber führt, was für eine Landwirtschaft ein Land wie Deutschland haben soll. Und dass kaum jemand sich wirklich mit den Problemen vor Ort auseinandersetzt – insbesondere mit denen der kleineren Betriebe.

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Redet endlich miteinander! Das könnte ein Teil der Lösung sein. Für die Verbraucher scheint es, als würden Politik und Verbände unter sich ausmachen, wie es mit der Landwirtschaft weitergeht. Doch das Gegenteil ist der Fall.

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Trecker gegen Bundespolitik: Tausende Bauern protestieren
1:28 min
Tausende Landwirte fuhren mit Treckern bundesweit gegen die Agrarpläne der Bundesregierung auf die Straßen Deutschlands.  © Rasmus Buchsteiner/dpa

Die Verantwortung liegt bei jedem Einzelnen. Die Verbraucher haben mehr Macht, als sie sich manchmal zutrauen. Wenn sie wirklich eine andere Landwirtschaft wollen, werden sie sie auch bekommen.

Voraussetzung dafür wären allerdings mehr Wissen darüber, was es bedeutet, Getreide, Gemüse oder Fleisch herzustellen, und die Bereitschaft, den eigenen Konsum zu hinterfragen.

Allzu pessimistisch sollte man da nicht sein: Die Klimadebatte hat schließlich auch bereits zu einem Bewusstseinswandel geführt.