• Startseite
  • Politik
  • Bartsch: EU hätte Biontech-Impfstoff auch zu überteuertem Preis kaufen müssen

Bartsch: EU hätte Biontech-Impfstoff auch zu überteuertem Preis kaufen müssen

  • Laut Medienberichten hat das Pharmakonsortium Biontech/Pfizer der EU-Kommission im vergangenen Sommer ein völlig überteuertes Angebot für den Kauf von Impfstoff unterbreitet.
  • Viele sehen die EU-Kommission deshalb vom Vorwurf der verspäteten Bestellungen entlastet.
  • Nicht so Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch. Die Kommission hätte trotzdem zugreifen müssen, findet er.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch hat scharfe Kritik an der EU-Kommission geübt, weil diese laut eines Medienberichtes im Juni 2020 die Möglichkeit hatte, 500 Millionen Dosen Corona-Impfstoff des Pharmakonsortiums Biontech/Pfizer für 27 Milliarden Euro zu kaufen, dies aber nicht getan, sondern über den Preis verhandelt hat. „Die Recherchen belegen, die EU hätte im Juni 2020 kaufen können und müssen statt zu knausern“, sagte Bartsch dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

„Natürlich ist der Preis eine Unverschämtheit, trotzdem hätte die EU für das Wohl ihrer Bürger dieses Angebot annehmen müssen. Immerhin war die EU bereit, zur selben Zeit 750 Milliarden für die Wirtschaft auszugeben, aber offenkundig nicht 27 Milliarden für die Bürger“, so der Linken-Politiker weiter. „Dass die Bundesregierung nur zugeschaut und nicht eingegriffen hat, war falsch. Es wäre möglich gewesen, jetzt in einem ähnlichen Tempo zu impfen wie in den USA oder Großbritannien, sagte Bartsch.

Bartsch reagierte auf einen Bericht des Rechercheverbundes von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ über ein vertrauliches Angebot von Biontech/Pfizer an die EU-Kommission aus dem vergangenen Juni. Demnach habe das Konsortium seinen Impfstoff zum Preis von 54,08 Euro pro Dosis bei einer Abnahme von 500 Millionen Dosen angeboten.

Insgesamt wollten Biontech/Pfizer also 27 Milliarden Euro für Impfstoff, der für die Hälfte der EU-Bevölkerung ausgereicht hätte. Der Preis, sollen die Pharmaunternehmen laut des Medienberichtes versichert haben, enthalte „den höchsten prozentualen Rabatt“, der einem Industrieland weltweit angeboten worden sei. Er lag allerdings mehr als 20-fach über dem Konkurrenzprodukt von Astrazeneca.

Anzeige

Womöglich erklärt das, warum die EU-Kommission mit der finalen Bestellung gezögert hat. Als es im November zum Vertragsabschluss mit Biontech/Pfizer gekommen ist, soll der endgültige Preis bei 15,50 Euro pro Dosis gelegen haben. Die USA sollen in etwa gleich viel bezahlen. Offizielle Bestätigungen für die Preise gibt es nicht.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen