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Barack Obama: Eine Mahnung aus der Ahnengalerie

  • Vier Jahre nach dem Ausscheiden aus dem Amt veröffentlicht Ex-Präsident Barack Obama den ersten Teil seiner Memoiren.
  • Zugleich greift der Ex-Präsident in Interviews offen wie nie Donald Trump an.
  • Für Joe Biden hingegen findet Obama nur lobende Worte.
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Washington. Der Ex-Präsident saß auf einem Hochstuhl, den Hemdkragen offen und das linke Bein locker angewinkelt. Doch sein Gesichtsausdruck und das große Gemälde von Abraham Lincoln, dem Gründer des modernen Amerikas, im Hintergrund, deuteten an, dass Barack Obama eine ernste Mahnung auszusprechen hatte: „Ein Präsident ist ein öffentlicher Diener. Er bekleidet das Amt mit Absicht nur vorübergehend. Und wenn deine Zeit um ist, musst du dein Land an erste Stelle setzen und über dein eigenes Ego, deine Interessen und deine Enttäuschung hinausdenken.“

Der Appell, den der 44. Präsident der USA aus der ehrwürdigen Nationalen Porträtgalerie an seinen Nachfolger im Weißen Haus richtete, war unmissverständlich: Längst hätte Donald Trump seine Niederlage eingestehen müssen, sagte Obama. Wenn er „in dieser späten Phase des Spiels“ als jemand in Erinnerung bleiben wolle, der dem Land gedient habe, „dann ist es Zeit, genau das zu tun“.

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Das halbstündige Interview, das am Sonntagabend im renommierten CBS-Magazin „60 Minutes“ ausgestrahlt wurde, bot die bislang schärfste Kritik an Trumps Wahlsabotage durch seinen Vorgänger, der ihm und den Republikanern die „Delegitimierung nicht nur der neuen Biden-Regierung, sondern der Demokratie im Allgemeinen“ vorwarf.

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Den Amtsinhaber kümmert das nicht: „Ich habe die Wahl gewonnen“, twitterte Trump kurz vor Mitternacht gegen die Wirklichkeit an. Doch Obamas Auftritt lenkt die öffentliche Aufmerksamkeit weg von dem Schmierentheater, das der amtierende Präsident im Weißen Haus gerade aufführt, hin zu den großen Linien der Politik.

Obama: Trump nicht Ursache für Spaltung

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Am heutigen Dienstag nämlich erscheint mit einer Startauflage von 3,4 Millionen Exemplaren der erste Teil seiner neuen Memoiren. Und obwohl der 768-seitige Wälzer mit dem Titel „A Promised Land“ (Ein verheißenes Land) im wesentlichen die erste Amtszeit von 2008 bis 2012 abhandelt, äußert sich Obama in dem Buch, aus dessen vorab veröffentlichten Passagen hier zitiert wird, und in den begleitenden Interviews auch zur aktuellen Lage.

Der Ex-Präsident ist überzeugt, dass die Spaltung des Landes nicht mit Trump begonnen hat. Paradoxerweise, so schreibt er, habe wahrscheinlich seine eigene Wahl und damit der Einzug des ersten Afroamerikaners ins höchste Amt die Bitterkeit seiner Gegner noch verstärkt: „Es war, als ob meine Gegenwart im Weißen Haus eine tief verwurzelte Angst ausgelöst hätte und ein Gefühl, dass die natürliche Ordnung gestört worden sei.“ Diese Ressentiments habe Trump geschickt ausgenutzt und befeuert, indem er Zweifel an Obamas amerikanischer Herkunft nährte und die Lügengeschichte über dessen Geburt in Kenia verbreitete.

Der Rechtsruck der Republikaner

Gleichzeitig rückten die Republikaner immer weiter nach rechts. Mit der Nominierung von Sarah Palin zur Vizepräsidenten­kandidatin im Wahlkampf 2008, so Obama, seien „Fremden­feindlichkeit, Anti­intellektualismus, paranoide Verschwörungs­theorien und eine Antipathie gegen schwarze und braune Menschen“ ins Zentrum der Partei gerückt. Mit dem Wechsel der Mehrheit im Repräsentanten­haus zu den Republikanern bei den Midterms 2010 sei dann endgültig klar gewesen, dass die Partei auf reine Blockade umschaltete. Auch die Medien sieht Obama kritisch, weil sie sich zu wenig bemüht hätten, die rechten Verschwörungs­ideologien zurückzuweisen und zu widerlegen.

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Doch der Ex-Präsident hinterfragt auch sein eigenes Handeln. Politisch sei es ein Fehler gewesen, nicht in den ersten beiden Amtsjahren eine umfassende Einwanderungsreform zu verabschieden. Auch sei es ihm nicht gelungen, „die Nation hinter dem zu versammeln, was ich für richtig hielt, so wie das FDR (Franklin D. Roosevelt, d. Red.) einst gemacht hat.“

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Obama über Biden: „Ich wurde nicht enttäuscht“

In dem CBS-Interview räumt Obama ein, dass ihn einige Unterstützer zu zurückhaltend im Umgang mit den Republikanern fanden. „Ich habe versucht, meine politischen Gegner so zu behandeln, wie ich behandelt werden möchte.“ Ob das ein Fehler war? „Jeder Präsident bringt ein bestimmtes Temperament mit ins Amt“, antwortete Obama, „ich glaube, einer der Gründe, weshalb ich gewählt wurde, war, dass ich die Amerikaner grundsätzlich für gute und anständige Menschen halte.“

Mit diesem Ansatz hat auch Joe Biden die Wahl gewonnen. Für den neu gewählten Präsidenten findet Obama nur lobende Worte, obwohl er mit ihm politisch nicht immer einer Meinung war. Schon bei der Berufung Bidens zu seinem Stellvertreter vor zwölf Jahren habe dessen lange politische Erfahrung eine wichtige Rolle gespielt. Den Ausschlag aber habe gegeben, dass er Biden für anständig, ehrlich und loyal hielt. „Ich wurde nicht enttäuscht“, berichtet Obama.

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