Bankenaufseher Sigmar Gabriel - das verdient er im neuen Job

  • Einen lukrativen Job als Cheflobbyist der deutsche Automobilwirtschaft hatte Sigmar Gabriel im vergangenen Jahr abgelehnt.
  • Darben muss der frühere SPD-Chef aber deshalb nicht, auch sein Aufsichtsratsmandat bei der Deutschen Bank wird üppig entlohnt.
  • Für die Steuerzahler sind Gabriels Jobs übrigens eine gute Nachricht.
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Berlin. Als SPD-Chef hatte Sigmar Gabriel eine klare Meinung über die Deutsche Bank. Als deren damaliger Chef John Cryan 2016 einen von Spekulanten betriebenen Kurssturz der Aktien des Geldhauses beklagte, hatte der damalige SPD-Chef und Bundeswirtschaftsminister für die Larmoyanz des Top-Bankers nur Spott übrig. "Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte, dass die Bank, die das Spekulantentum zum Geschäftsmodell gemacht hat, sich jetzt zum Opfer von Spekulanten erklärt", ließ Gabriel seinerzeit wissen.

Künftig wird sich Gabriel derart bissige Kommentare über die Deutsche Bank und deren Führungspersonal wohl verkneifen - oder sie lieber in vertraulichen Runden vorbringen. Der 60-Jährige aus dem niedersächsischen Goslar soll einer der Kontrolleure des Institutes werden.

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Gabriel soll Aufsichtsrat bei der Deutschen Bank werden
0:47 min
Der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel soll Aufsichtsrat der Deutschen Bank werden.  © Andreas Niesmann/AFP
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Die Deutsche Bank bestätigte am Freitag einen Bericht des Handelsblatts, wonach sie beim Amtsgericht Frankfurt einen Antrag zur Bestellung des 60-Jährigen als Aufsichtsrat eingereicht hat. Gabriel selbst wollte sich dazu nicht äußern, auch bei SPD und Bundesregierung hieß es "Kein Kommentar".

Gabriel würde im Aufsichtsrat Jürg Zeltner ersetzen, den ehemaligen Manager der schweizerische Großbank UBS. Zeltner hatte den Posten bereits kurz nach seiner Berufung 2019 wieder geräumt, weil die Bankenaufsicht Vorbehalte wegen eventuell vorhandener Interessenkonflikten geäußert hatte.

Die Aktionäre haben das letzte Wort

Widerspruch der Finanzaufsicht muss Gabriel nicht fürchten. „Aufsichtssichtlich stellt sich nur die Frage der hinreichenden Sachkunde“, sagte Bafin-Präsident Felix Hufeld der Deutschen Presse-Agentur. „Die kann bei einem ehemaligen Vorsitzenden des KfW-Verwaltungsrates und Wirtschaftsminister ohne Weiteres bejaht werden.“ Bevor der frühere Vizekanzler in das Aufsichtsgremium des Dax-Konzerns einziehen kann, muss er allerdings von den Aktionären bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank am 20. Mai gewählt werden.

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Über mangelnde Job-Angebote konnte sich Gabriel nach seinem Ausstieg aus der Politik offenbar nicht beklagen. Erst Ende vergangenen Jahres schlug er die lukrative Offerte aus, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) zu werden. Geschätztes Jahresgehalt: Mehr als eine halbe Millionen Euro.

Darben muss Unruheständler Gabriel trotzdem nicht. Die Grundvergütung eines Aufsichtsrats der Deutschen Bank liegt laut Vergütungsbericht 2018 bei 100.000 Euro jährlich, hinzukommen weitere Bezüge für die Mitgliedschaften in den Ausschüssen des Kontrollgremiums. Unterm Strich darf der künftige Bankenaufseher Gabriel wohl auf 200.000 Euro im Jahr und mehr hoffen.

Hinzu kommen Einnahmen aus einem, Autorenvertrag mit dem Holtzbrinck-Verlag, für den Gabriel laut Angaben auf der Homepage des Bundestages zuletzt zwischen 15.001 und 30.000 Euro pro Monat kassiert, aus einem Beiratsmandat bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft DeLoitte und aus einer Beratertätigkeit bei der Eurasia Group.

Gabriels privat erzielten Einnahmen werden übrigens auf Übergangsgelder aus Abgeordnetenmandat und Ministertätigkeit angerechnet. Für die Steuerzahler sind seine Jobs deshalb keine schlechte Nachricht.