Bankenaufseher Gabriel: Der Mann kann tun was er will

  • Der frühere Vizekanzler Sigmar Gabriel wird Aufsichtsrat der Deutschen Bank, und die Opposition schäumt.
  • Zu Unrecht, kommentiert unser Autor Andreas Niesmann.
  • Der neue Job des ehemaligen Politikers ist nicht ehrenrührig.
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Berlin. Man kann das jetzt kritisieren, sich aufregen, die allgegenwärtige Politikerverachtung weiter schüren. Sigmar Gabriel wird Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Nach SPD-Parteizentrale, Wirtschaftsministerium und Auswärtigem Amt bezieht der Mann aus Goslar ein Büro in den feinen Frankfurter Zwillingstürmen. Bezüge: Mindestens 100.000 Euro im Jahr, vermutlich deutlich mehr.

Ein Skandal - oder vielleicht doch nicht?

Betrachten wir es mal so: Politikern wird oft vorgeworfen, dass sie außer Politik nichts können und später auf öffentliche Versorgungsjobs angewiesen sind. Ein Leben auf Kosten der Steuerzahler.

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Gabriel soll Aufsichtsrat bei der Deutschen Bank werden
0:47 min
Der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel soll Aufsichtsrat der Deutschen Bank werden.  © Andreas Niesmann/AFP

Gabriel geht einen anderen Weg. Seine Übergangsgelder aus Ministeramt und Abgeordnetenmandat werden mit seinen privaten Einnahmen verrechtet. Der frühere Vizekanzler lebt künftig auf Kosten einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, wo er einen Beiratsposten hat, eines Großverlages, für den er regelmäßig Kolumnen schreibt und eben eines Geldhauses, in dessen Aufsichtsrat er einziehen soll.

Nichts davon ist ehrenrührig, nichts steht in unmittelbarer Verbindung zu seinen früheren Ämtern als Außen- und Wirtschaftsminister.

Gabriel profitiert auch nicht von einer Entscheidung aus seiner aktiven Politikerzeit - anders als etwa Gerhard Schröder, der kurz nach seinem Ausscheiden aus dem Kanzleramt in den Aufsichtsrat der Nordstream-Pipeline wechselte, die er selbst gegen massive Widerstände mit durchgesetzt hatte.

Gabriel könnte selbst einen Seitenwechsel mit nachträglicher Interessenkollision inzwischen wagen, die 2015 eingeführte eineinhalbjährige Karenzzeit für Spitzenpolitiker ist für den Ex-Außenminister inzwischen vorbei. Dass er das nicht tut, spricht für ihn.

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Der Mann kann beruflich tun was er will. Für ein Leben als Ruheständler ist er mit 60 Jahren eindeutig zu jung.