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Kriegsgefahr in Bosnien-Herzegowina: Die EU schlafwandelt wieder

  • Nationalisten wollen den Balkanstaat Bosnien-Herzegowina auflösen.
  • Die EU erkennt vielleicht die Gefahr, handelt aber nicht.
  • Das ist verantwortungslos, kommentiert Damir Fras.
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Brüssel. Der hohe Beauftragte der internationalen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina schlägt Alarm. Das Balkan-Land sei mit der „schwersten existenziellen Bedrohung der Nachkriegsperiode konfrontiert“, hat Christian Schmidt gesagt. Hoffentlich wird sein Warnruf gehört.

Denn der frühere Bundeslandwirtschaftsminister, der seit August in Sarajevo sitzt, hat recht. Noch nie seit dem Abkommen von Dayton im Jahr 1995 war die Gefahr so groß, dass auf den ohnehin brüchigen Frieden in Bosnien wieder Gewalt folgt.

Dafür ist in erster Linie der Nationalist Milorad Dodik verantwortlich. Er ist das serbische Mitglied im dreiköpfigen Staatspräsidium und blockiert bereits seit Langem die Arbeit der gesamtstaatlichen Institutionen.

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Doch jetzt treibt Dodik seine Provokationen auf die Spitze. Er plant die Schaffung einer eigenen Armee im bosnisch-serbischen Landesteil. Das wäre das Ende der gemeinsamen Streitkräfte in Bosnien – und das fürchterliche Signal, dass sich die Geschichte wiederholen könnte.

Die Grenzen auf dem Balkan dürfen nicht noch einmal mit Gewalt neu gezogen werden – auch wenn es in der Nachbarschaft Bosniens genügend nationalistische Politiker gibt, die das beklatschen würden. Darunter sind leider auch die Regierungen von EU-Mitgliedsstaaten.

Das ist verantwortungslos. Die EU und die USA müssen jetzt schnell handeln. Konzessionen an Nationalisten wie Dodik darf es nicht mehr geben. Es braucht jetzt eine klare Ansage, dass Bosnien-Herzegowina nicht noch einmal auseinanderbrechen darf.

Niemand sollte vergessen, dass erst der Völkermord an 8000 muslimischen Jungen und Männern durch bosnische Serben im Juli 1995 den Westen dazu bewegt hat, den Konflikt mit dem Vertrag von Dayton mehr schlecht als recht zu beenden.

Die Geschichte vom kollektiven Schlafwandeln Richtung Krieg und Genozid darf sich nicht wiederholen.

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