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Bahr, Bosbach, Bouffier: So unterschiedlich gehen Politiker mit ihrer Krebserkrankung um

Der frühere Gesundheitsminister Daniel Bahr hat Krebs. Immer wieder erkranken Spitzenpolitiker oder Manager schwer. Der Umgang damit ist insgesamt offener geworden, allerdings gibt es noch immer höchst unterschiedliche Strategien.

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Berlin. Die Nachricht war für viele Politiker ein Schock: Daniel Bahr ist krank, der frühere Gesundheitsminister von der FDP hat Krebs. Bahrs heutiger Arbeitgeber, die Allianz, hat die Erkrankung des Vorstandsmitgliedes bestätigt. "Bei einer Untersuchung wurde eine Krebserkrankung in einem frühen Stadium entdeckt", erklärte die Allianz auf Anfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).

„Die Prognosen der Ärzte sind sehr gut, und die Erkrankung ist sehr gut behandel- und heilbar“, so das Unternehmen zum Gesundheitszustand des 42-Jährigen. Bahr hat öffentliche Termine und Reisen abgesagt, um sich einer Therapie zu unterziehen.

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Daniel Bahr ist der FDP im Jahr 1992 beigetreten - im Alter von 16 Jahren. Nach Abitur, Ausbildung und Studium im Finanzsektor wurde er im Jahr 1999 schließlich zum Bundesvorsitzenden der Jungen Liberalen gewählt.
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Es passiert immer wieder, dass Spitzenpolitiker oder Manager im Amt schwer erkranken. Und es gibt sehr unterschiedliche Weisen, damit umzugehen, wie ein Überblick zeigt.

Volker Bouffier regiert weiter

Im Februar teilte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier mit, dass er an Hautkrebs erkrankt sei. Der 67-Jährige hatte sich aufgrund eines unklaren Befundes an der Nase einem Eingriff unterzogen. Bei der feingeweblichen Untersuchung wurde dann begrenzter Hautkrebs festgestellt.

Bouffier begann eine Strahlentherapie, die ambulant erfolgte. Seine Amtsgeschäfte führte der Ministerpräsident fort. Im April teilte die Landesregierung mit, dass die Hautkrebsbehandlung beendet sei.

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Mike Mohring ging mit Mütze in die Talkshow

Thüringens CDU-Chef Mike Mohring hatte seine Krebs-Erkrankung Anfang des Jahres öffentlich gemacht und viel Anerkennung für diesen Schritt erhalten. Mohring trat mit Mütze auf, bei Facebook, in CDU-Klausuren sogar in einer Fernsehtalkshow. "Mein Arzt ist sozusagen mein Friseur", kommentierte er selbst die äußerliche Veränderung.

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Inzwischen hat der CDU-Politiker die Krankheit überwunden. "Ich habe den Kampf gegen den Krebs gewonnen, nun möchte ich für Thüringen kämpfen" sagte Mohring in der vergangenen Woche. Auch die Haare sprießen wieder. Mohring tritt als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl an, will Ministerpräsident werden.

Erwin Sellering konzentriert sich auf seine Vaterrolle

Seine Krebserkrankung überwunden hat auch Mecklenburg-Vorpommerns ehemaliger Ministerpräsident Erwin Sellering. Im Mai 2017 wurde bei Sellering Lymphdrüsen-Krebs diagnostiziert. Er trat von seinen Ämtern zurück, auch als SPD-Landesvorsitzender. Es folgten monatelange Chemo- und Bestrahlungstherapien. Insgesamt 70 Tage verbrachte Sellering im Krankenhaus. "Das war schwer", sagt Sellering heute.

Inzwischen macht Sellering wieder Politik. Als einfacher Abgeordneter im Schweriner Landtag – und als "elder statesman". Anders als CDU-Mann Mohring strebt Sellering keine Ämter mehr an. Für ihn sei die Rolle als Familienvater jetzt wichtiger als die des Politikers, sagte er der Ostsee-Zeitung.

Wolfgang Bosbach lebt seit Jahren mit der Krankheit

Einer der ersten Politiker, die offen mit ihrer Krebserkrankung umgegangen sind, war Wolfgang Bosbach. Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete leidet seit vielen Jahren an Prostata-Krebs, eine Heilung ist nicht möglich. Er nehme die Krankheit nicht auf die leichte Schulter, lebe aber sein Leben weiter, sagte der 66-Jährige vor Kurzem in einem Interview mit dem Kölner Domradio.

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Bosbach muss Medikamente nehmen und regelmäßig zum Arzt. Er sei froh, dass er jetzt nicht mehr den Tagesordnungen des Deutschen Bundestages "unterworfen" sei, so Bosbach weiter. Dem Ende seines Lebens schaue er "gespannt, aber auch gleichzeitig entspannt" entgegen. "Ich glaube, dass der Tod nicht das letzte Wort hat", sagte Bosbach.

Guido Westerwelle starb nach zwischenzeitlicher Hoffnung

Der frühere FDP-Chef Guido Westerwelle zog sich nach seiner Blutkrebs-Diagnose weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. 2014 wurde bei dem Ex-Außenminister Leukämie festgestellt, Westerwelle unterzog sich einer Chemotherapie und bekam eine Knochenmarktransplantation.

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Mike Mohring, Landesvorsitzender der CDU Thüringen, hat seine Erkrankung offensiv auf Facebook öffentlich gemacht. Sein Umfeld spricht von Krebs. Er selbst sagte: „Die Ärzte gehen davon aus, dass die Heilungschance bei 95 Prozent liegt, also eine sehr, sehr gute Prognose. Aber eben dafür braucht man Zeit für sich und Kraft zur Genesung.“ Mohring dankte seiner Familie, seinen Freunden und seinen engsten politischen Weggefährten für ihre Unterstützung und ihren Beistand. Mohring ist Spitzenkandidat seiner Partei bei den Landtagswahlen im Herbst.

Im Herbst 2015 sah es aus, als gebe es Hoffnung. Westwelle stellte sein Buch „Zwischen zwei Leben“ vor, gab Interviews, trat zweimal im Fernsehen auf. Gegen Endes des Jahres verschlechterte sich der Gesundheitszustand wieder, Westerwelle musste zurück in die Klinik.

Am 18. März 2016 starb der FDP-Politiker im Alter von 54 Jahren.

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Von RND