Ausraster im Unterhaus: Rachel Johnson rügt ihren Bruder Boris

  • Die Schwester des britischen Premierministers Boris Johnson kritisiert ihn für seine Rhetorik im Parlament.
  • Die Brexit-Gegnerin bezeichnete seine Äußerungen als „geschmacklos“ und „verwerflich“.
  • In einem TV-Interview sagte sie, die derzeitige Version ihres Bruders sei nicht wiedererkennbar.
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Boris Johnson hat es derzeit nicht einfach. Erst scheiterte er krachend vorm obersten britischen Gericht mit der von ihm gegenüber dem Parlament verordneten Zwangspause, dann redete er sich dort in Rage – und wurde dafür heftig von politischen Gegnern, aber auch von Parteifreunden kritisiert. Jetzt rückt sogar die Familien von ihm ab.

Johnsons Bruder Jo war Anfang September vom Amt des Staatssekretärs und vom Mandat als Parlamentsabgeordneter für die Konservativen zurückgetreten. „Ich war in den vergangenen Wochen zerrissen zwischen Loyalität zur Familie und dem nationalen Interesse – es ist eine unauflösbare Spannung“, sagte er zur Begründung.

Nun geht auch Schwester Rachel auf Distanz zu Boris Johnson. Am Donnerstag trat sie in einer Sendung des Senders Sky News auf. Die Brexit-Gegnerin warf ihrem Bruder darin vor, er benutze Worte wie „aufgeben“ und „Kapitulation“, als ob die Menschen, die einem Brexit im Wege stünden, „gehängt, lang gezogen, gevierteilt, geteert und gefedert werden sollten“. Dies sei verwerflich, so Rachel Johnson. Sie erkenne die Version ihres Bruders nicht wieder, die am Mittwoch im Parlament gesprochen habe.

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Unterhaus-Abgeordnete hatten ihm bereits Mittwoch vorgeworfen, mit Ausdrücken wie „Kapitulation“, „Verrat“ und „Betrug“ die ohnehin aufgeheizte Debatte unnötig zu verschärfen. Besonders empört waren viele über eine Aussage über die ermordete Abgeordnete Jo Cox. „Der beste Weg, das Andenken an Jo Cox zu wahren und unser Land zusammenzubringen, wäre, den Brexit durchzuziehen“, hatte Johnson gesagt.

Dafür erntete er massive Kritik, unter anderem von dem Witwer. Brendan Cox hatte getwittert, ihm werde dabei schlecht. Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon bezeichnete Johnson als „feige, unseriös und ohne jeglichen Gedanken über die Auswirkungen seiner Worte und Taten“.

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Auch Rachel Johnson kritisierte ihren Bruder hart. Seine Worte wären „besonders geschmacklos“ für diejenigen gewesen, die um eine Mutter, eine Abgeordnete und eine Freundin trauern.

Rachel Johnson ist Journalistin und Romanautorin. Ihre politischen Aktivitäten hatte sie bei den Konservativen begonnen, nach dem Brexit-Referendum wechselte sie jedoch zu den Liberaldemokraten. Bei der jüngsten EU-Wahl kandidierte sie für die neue Partei Change UK.

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