Ausgelacht: Wie Trump die Late-Night-Shows veränderte

  • Donald Trumps Präsidentschaft hat Spuren hinterlassen - auch im Unterhaltungssektor.
  • Late-Night-Shows im ganzen Land mussten ihre Konzepte umschreiben.
  • Manche Branchengröße kämpft noch heute mit den Nachwirkungen.
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Liebe Leserinnen und Leser,

in der der Wahlnacht 2016 wurde aus einem Witz Ernst. Donald J. Trump, ein Rassist, Sexist, Reality-TV-Star und selbst ernannter Business-Guru, wurde zum US-Präsidenten gewählt.

Im Ed Sullivan Theater am New Yorker Broadway, einem Tempel des Humors, war es mucksmäuschenstill. Das schockierte Publikum lauschte einem Mann, der bis dahin mit Lachern sein Geld verdiente. Stephen Colbert, Host der „The Late Show“ auf CBS, reagierte live auf die Ergebnisse aus den einzelnen Bundesstaaten. Als ein Sieg Hillary Clintons nur noch theoretisch möglich war, erklärte Colbert zerknirscht: „I’m not sure it’s a comedy show any more.“

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Ich bin mir nicht sicher, ob das noch eine Comedyshow ist

Stephen Colbert „The Late Show"-Host

Was Colbert zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Er sollte recht behalten. Die Amtszeit des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten hat Late-Night-Shows völlig auf den Kopf gestellt. Die Komödie zur späten Stunde hat einen bemerkenswerten Wandel durchgemacht. Und steht nun erneut vor einer existenziellen Frage: Wie geht es eigentlich ohne Trump weiter?

Willkommen zur neuen Ausgabe von „What’s up, America?“.

Late-Night-Shows gehören zu den USA wie ein hoher Blutzuckerspiegel im geografischen Süden. Beides hat Tradition. Bereits in den 1960er-Jahren erreichte der legendäre Late-Night-Host Johnny Carson ein Millionenpublikum. Das Konzept vieler Mainstreamproduktionen war seit jeher einfach gehalten: unpolitische Pointen, leicht verdaulicher Humor.

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Die Wahl Trumps kam einem Verfallsdatum gleich. Wer die präsidialen Eskapaden ignorierte, wurde kritisiert. Der damalige Branchenprimus Jimmy Fallon, Moderator der „Tonight Show“, zerzauste Trump in einem Interview kurz vor der Wahl lieber die Haare, als ihm kritische Fragen zu stellen. Die Quittung erhielt Fallon prompt: Seit 2016 sind andere die Quotenkönige. In Zeiten politischen Aufruhrs und sozialer Unruhen schien es unangebracht, nur dem nächsten Gag hinterherzujagen und auf jegliche Einordung des Irrsinns aus dem Oval Office zu verzichten.

Comedy ohne Witz

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Nun geben jene Programme den Ton an, die sich politisch deutlicher positionieren und ihr Konzept anpassten. Trevor Noah, Stephen Colbert, Bill Maher oder auch John Oliver arbeiten die Nachrichten satirisch auf und analysieren Show für Show, wie es um die Seele Amerikas steht. Selbst Seth Meyers, der vor Jahren vor allem dafür bekannt war, sich mit Prominenten für einen Sketch tagsüber zu betrinken, überzeugt Kritiker mittlerweile mit seinem politischen Format „A Closer Look“. Ein lustiger Trunkenbold regt zum Nachdenken an. Ohne viel Witz.

Denn ein schlechter Scherz irritiert. Eine „Wir gegen die“-Erwartungshaltung des oft liberalen Publikums hemmt so manchen humoristischen Erguss. „Man muss fast schon darauf verzichten, Dinge sarkastisch zu verpacken, denn die Leute werden sich kurzzeitig fragen, ob du nicht auf ihrer Seite stehst“, erklärt Dan Amira, Chef-Witzeschreiber der „Daily Show“ mit Trevor Noah gegenüber dem „New York Times Magazine“. Der Raum für eine vage formulierte „Punchline“ ist nach zwei Impeachment-Verfahren, dem Sturm auf das Kapitol, landesweiten Protesten gegen Polizeigewalt und einer Pandemie kleiner geworden.

Ironischerweise ist Late-Night-Comedy besonders stark, wenn sie authentisch, reflektierend und ernsthaft daherkommt. Trevor Noah veröffentlichte im Juni 2020 eine Reaktion auf die Massenunruhen nach der Ermordung des Afroamerikaners George Floyd durch einen weißen Polizisten. Noah, selbst Südafrikaner und ein Kind der Apartheid-Zeit, wandte sich dabei direkt an sein weißes Publikum. „Erinnern Sie sich an das Unbehagen, das Sie empfinden, wenn Sie sehen, wie Supermärkte geplündert werden. Versuchen Sie sich vorzustellen, wie es sich für schwarze Amerikaner anfühlen muss, wenn sie sehen, wie sie selbst jeden Tag geplündert werden“, erklärte er in einem millionenfach geteilten Beitrag. „Denn das ist im Grunde das, was in Amerika passiert: Die Polizei in Amerika plündert schwarze Körper.“

End of an Error

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Was Stephen Colbert bereits in der Wahlnacht 2016 ahnte, trat in vielen Momenten tatsächlich ein. Der Ernst verdrängte den Witz, wenn der nicht mehr funktionierte. Kaum jemand griff Trump und die republikanische Partei in den vergangenen Jahren so programmfüllend an wie er selbst. Sein Lohn: Seit 2016 hat niemand bessere Einschaltquoten. Der 56-Jährige erreicht mit seiner Show durchschnittlich 3,45 Millionen Zuseher. Auf YouTube und Twitter werden seine Clips ebenfalls millionenfach angesehen.

Jetzt ist Trump weg und golft im Steuerparadies Florida. Colbert sieht ein „End of an Error“ eingeleitet. Doch wie soll es weitergehen? Biden ist noch älter und weniger sensationell. Sein Auftreten bietet kaum Angriffsfläche. Experten erwarten dennoch keinen großen Einbruch des Interesses an den Nachtprogrammen. „Trump hat ihnen (den Moderatoren) erlaubt, beim Publikum wirklich sie selbst zu sein, und ich denke, das bleibt so. Was auch immer ihnen wirklich wichtig ist, wird jetzt im Vordergrund stehen“, erklärt der Late-Night-Experte Bill Carter gegenüber CNN.

Und so werde das Motto der „Spaßmacher“ wohl weiter lauten: „You can’t quit Trump cold turkey.“ Die Figur mag zwar verblassen, doch die Entgiftung dauert an.

Facts and Figures

Rekord-Quarterback Drew Brees von den New Orleans Saints hat sein Karriereende in der NFL bekannt gegeben. „Nach 20 Jahren als Spieler in der NFL und 15 als Saint, es ist Zeit für mich, vom Footballspielen zurückzutreten“, schrieb der 42-Jährige in einem auf Instagram veröffentlichten Beitrag.

Drew Brees beendet seine Karriere in der NFL.
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Kein anderer Quarterback warf das Lederei weiter als Brees. In seiner Karriere kam er auf beeindruckende 80.358 Passing Yards. Übersetzt: Brees schleuderte den Football einmal von Köln nach Dortmund. Das ist Ligarekord. In seiner Karriere warf er zudem 571 Touchdowns, nur Tom Brady hat mehr.

Gegen den erfolgreichsten Quarterback der NFL-Geschichte hatte Brees nun auch das letzte Spiel seiner Karriere, eine 20:30-Niederlage gegen die Tampa Bay Buccaneers in den Play-offs. Mit dem TV-Sender NBC gibt es bereits eine Vereinbarung über Experteneinsätze für die Zeit nach seiner Karriere.

Popping up

Der Oscarpreisträger Matthew McConaughey „erwägt ernsthaft“, sich um das Gouverneursamt in Texas zu bewerben. Aktuell denke er darüber nach, was er mit dem nächsten Kapitel seines Lebens anfangen wolle. „Ich denke, ich habe einiges zu lehren und zu teilen.“

Schon Ende vergangenen Jahres hatte der Schauspieler in einem Interview angedeutet, dass er sich einen Wechsel in die Politik durchaus vorstellen könne. Für welche Partei er antreten würde, ließ er bisher offen. In vergangenen Interviews betonte McConaughey stets, ein Mann der Mitte sein zu wollen. „Beide Seiten müssen miteinander reden“, erklärte der Schauspieler während der Pressetour für den Film „White Boy Rick“.

McConaughey wurde in Texas geboren und wuchs dort auch auf. © Quelle: imago images/AAP

In einem Interview auf Instagram mit Dr. Anthony Fauci im vergangenen Jahr scherzte McConaughey in Anspielung auf die erste Filmszene seiner Karriere, dass das Motto seiner Wahlkampagne nicht „Make America all right, all right, all right again“ sein würde. Seine Botschaft würde der gleichen Philosophie wie seine Bestsellerautobiografie „Greenlights“ folgen: „Wenn man mit einer Krise konfrontiert ist, habe ich festgestellt, dass ein guter Plan darin besteht, zuerst das Problem zu erkennen, dann die Situation zu stabilisieren, die Reaktion zu organisieren und dann zu reagieren.“

Deep Dive

US-Medien berichten seit Tagen von einer Zuspitzung der Lage an der Grenze zu Mexiko. Die Grenzschutzbehörde CBP hatte am vergangenen Mittwoch mitgeteilt, ihre Mitarbeiter hätten im Februar 100.441 Personen beim versuchten Übertritt der Südgrenze aufgegriffen – 28 Prozent mehr als im Vormonat und fast dreimal so viele wie im Februar vergangenen Jahres. 72.113 Migranten seien wieder zurückgeschickt worden.

Mexiko, Tijuana: Mitarbeiter des Gesundheitswesens des Bundesstaates Baja California nehmen in einem Lager für Migranten, die in den USA Asyl suchen, Gesundheitsdaten eines Kleinkindes auf. © Quelle: Gregory Bull/AP/dpa

In den USA müssen unbegleitete Minderjährige spätestens nach 72 Stunden von der Grenzpolizei an Behörden des Gesundheitsministeriums übergeben werden. Das funktioniert allerdings nicht. So sollen sich aktuell mehr als 4200 Kinder in Gewahrsam der Grenzbehörde befinden – unter unwürdigen Bedingungen.

Warum Joe Bidens „effektive und humane“ Grenzpolitik aktuell überhaupt nicht klappt und wie es sein kann, dass Tausende Kinder ihre Nächte eingesperrt in Zellen verbringen, hat „Vox“ ausführlich erklärt.

Way of Life

Vor ziemlich genau einem Jahr machten Bilder aus Miami, Florida, weltweit Schlagzeilen. Trotz des rasant steigenden Infektionsgeschehens machten sich Tausende Teenager auf den Weg in den Sunshine State, um Springbreak zu feiern. Interviewschnipsel der Feierwütigen sorgten für allgemeines Stirnrunzeln. Das Video wurde mittlerweile 41 Millionen Mal aufgerufen.

Denn nicht das Virus störte die Springbreaker, sondern die Corona-Maßnahmen: „Wir versuchen, uns zu betrinken, bevor alles zusperrt“, tönte eine Teenagerin. Und wie sieht es ein Jahr später aus?

Jugendliche Partygänger feiern im Außenbereich des Cafe Ibiza, während der Spring Break am Strand von Fort Lauderdale und in den nahegelegenen Bars in vollem Gange ist. © Quelle: Mike Stocker / South Florida Sun

Miami Beach wird wieder belagert. In den vergangenen sieben Tagen wurden mindestens 163 Teenager verhaftet, berichtet „USA Today“. Viele hätten einfach vergessen, dass es die Pandemie geben würde, klagt Bürgermeister Dan Gelber. Es gelte noch immer ein Ausgangssperre ab Mitternacht, die einfach ignoriert werden würde. Gelber warnte potenzielle Springbreaker gegenüber einem Lokalfernsehsender vor weiteren Verhaftungen. „Wenn du kommst, weil du denkst, dass hier alles geht, wirst du eine schreckliche Zeit haben. Wir werden dich verhaften.“

Die nächste Ausgabe von „What’s up, America?“ folgt am 23. März. Bleiben Sie gesund und möglichst gelassen!

Ihr Alexander Krenn

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