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Corona-Krise: So soll der Crash bei der Ausbildung vermieden werden

  • Generation Corona – dieses Wort bereitet nicht nur jungen Menschen Unbehagen.
  • Denn wenn der Ausbildungsmarkt in diesem Jahr einbrechen sollte, droht sich der Fachkräftemangel zu verschärfen.
  • Die Bundesregierung hat jetzt den Schutzschirm für Auszubildende ausgeweitet – auch Gewerkschaften und Arbeitgeber wollen sich engagieren.
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Berlin. Droht eine Generation Corona bei der Ausbildung – oder zumindest ein verlorener Jahrgang? Die Bundesregierung und die Sozialpartner wollen das vermeiden. Das Bundeskabinett hat am Mittwoch den Schutzschirm für Auszubildende erneuert und die entsprechenden Hilfen ausgeweitet. Im Zentrum steht dabei eine Verdoppelung der Ausbildungsprämie.

Die Idee hinter der Prämie: Von der Corona-Krise betroffene Betriebe sollen Unterstützung erhalten, wenn sie sich unverändert oder sogar stärker als bisher in der Ausbildung engagieren. Konkret bedeutet das: Wer die Zahl seiner Ausbildungsplätze hält, bekommt ab Juni des Jahres einmalig 4000 Euro pro neuem Ausbildungsvertrag. Wenn die Unternehmen trotz der Krise die Zahl der Ausbildungsplätze sogar erhöhen, sind es 6000 Euro pro zusätzlichem Vertrag. Im laufenden Ausbildungsjahr war es noch jeweils die Hälfte.

Auch die Zahl der Betriebe, an die sich das Prämienangebot richtet, wird ausgeweitet. Künftig sind es Betriebe mit bis zu 499 Mitarbeitern – bisher liegt die Grenze bei 249 Beschäftigten. Im Kampf gegen Fachkräftemangel sei Ausbildung der beste Impfstoff, so Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). „Die Azubis von heute, das sind die Fachkräfte von morgen“, sagte er. Für das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ sind 500 Millionen Euro im Jahr 2021 vorgesehen. Für das folgende Jahr sind noch einmal 200 Millionen Euro eingeplant.

Experten haben schon lange gewarnt: Im vergangenen Jahr seien die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Ausbildungsmarkt zwar noch einigermaßen glimpflich gewesen. Doch in diesem Jahr drohe der Stresstest in Sachen Ausbildungsplätze. „Es ist fünf vor zwölf auf dem Ausbildungsmarkt“, so die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. Die Hilfen für die Unternehmen müssten jetzt schneller und unbürokratischer fließen.

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Ausbildung im Ausnahmezustand

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Viele Jugendliche hätten bereits jetzt gut die Hälfte ihrer Ausbildung im Ausnahmezustand gelernt, sagte Hannack zudem. In einer Betriebsumfrage habe sich gezeigt: „Fast jeder dritte Ausbildungsbetrieb konnte die Ausbildungsinhalte nicht wie vorgesehen vermitteln.“

Daher sei es richtig, dass nun Betriebe gefördert würden, wenn sie ihren Auszubildenden eine kostenfreie Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen ermöglichen. Auch diese Förderung ist Teil des Schutzschirms für Auszubildende, den das Kabinett beschlossen hat.

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger nannte die Ausbildungsprämie eine „wertvolle Anerkennung“, betonte aber auch, das Programm müsse zeitlich befristet auf die derzeitige pandemiebedingte Lage sein. „Nach der Pandemie tragen die Betriebe wieder die alleinige Verantwortung für die Finanzierung von Ausbildung.“

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, hatte vor wenigen Tagen erklärt, dass Berufsorientierung und Beratung im Lockdown zu kurz gekommen seien. Nun verwies Scheele auf Beratung per Video und zusätzliche digitale Angebote.

Die Partner in der Allianz für Aus- und Weiterbildung – neben der Bundesregierung gehören auch die Bundesagentur, Arbeitergeber, Gewerkschaften und die Kultusministerkonferenz dazu – kündigten zudem an, gerade jetzt verstärkt für die berufliche Bildung werben zu wollen: Es werde im Jahr 2021 einen „Sommer der Berufsausbildung“ geben.

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Bundesarbeitsminister Heil hatte kürzlich gewarnt: „Ein Einbruch bei den Ausbildungsstellen wäre für alle fatal.“ Eine nationale Kraftanstrengung für die Ausbildung sei nicht nur für die jungen Menschen wichtig, sondern auch für die Unternehmen. „Denn sonst wird nach der Krise die Klage über den Fachkräftemangel umso lauter sein.“

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