Aus Afrika kommen fast nur die Besten

  • Gerade über Migranten aus Afrika fällt das Urteil in Europa oft einhellig aus.
  • Nun hat die Uno rund 3000 illegal Eingewanderte aus afrikanischen Ländern zu ihrer Herkunft und ihren Fluchtursachen befragt.
  • Das Ergebnis der Studie verblüfft.
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Berlin. Das äußere Bild, das sich in Europa von Migranten aus Afrika eingeprägt hat, ist fest gefügt. Es zeigt verzweifelte Flüchtlinge bei ihrem Versuch, Grenzanlagen zur EU zu überwinden. Meist sind es meterhohe Zäune an den Außengrenzen der spanischen Exklaven Ceuta und Melilla in Nordafrika. Das mehrheitliche Urteil über diese Menschen fällt oft einhellig aus: Wirtschaftsflüchtlinge, ungebildet und arm.

Dass dies eine falsche Annahme ist, belegt jetzt eine umfangreiche Befragung des Uno-Entwicklungsprogramms UNDP unter 3000 Erwachsenen aus 43 afrikanischen Ländern. "Scaling Fences" (Zäune erklimmen) heißt die Studie. Die Interviewer trafen die Befragten in ihren Wohnungen zwischen Madrid, Paris und Frankfurt.

Migranten aus Afrika verdienten in ihrer Heimat überdurchschnittlich gut

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Das Ergebnis überrascht: Fast drei Viertel (71 Prozent) der befragten Einwanderer kommen aus dem vergleichsweise wohlhabenden und friedlichen Westafrika, besonders aus Nigeria und dem Senegal. 58 Prozent gingen in ihren Ursprungsländern einer geregelten Arbeit nach oder absolvierten eine Schulausbildung, bevor sie sich auf den gefährlichen Weg durch die Sahara in Richtung Norden machten. Und sie verdienten in der Regel deutlich mehr als der Durchschnitt ihrer zurückgebliebenen Landsleute - und zwar 60 Prozent mehr. Sie waren also alles andere als arm und im Vergleich sogar gut situiert.

Dies ändert nichts an dem Umstand, dass die meisten von ihnen angaben, mit dem Verdienten in Westafrika nicht über die Runden gekommen zu sein. Auch mit 260 Dollar Verdienst lässt sich in Nigeria kaum ein sorgenfreies Leben aufbauen. 60 Prozent der Einwanderer gaben an, das Ziel ihrer Migration bestehe darin, in Europa Arbeit zu finden und mit dem verdienten Geld ihre Familien in der Heimat zu unterstützen.

Ärmere Menschen besitzen nicht das Geld für die Flucht

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Der weitaus größte Teil der Migranten war zwischen 20 und 29 Jahre alt und auf der Suche nach einer wirtschaftlichen Zukunft. Erst ihr im Vergleich zum Durchschnittsverdienst ihrer Heimatländer hohes Einkommen ermöglichte den Schritt, Richtung Europa aufzubrechen. Angehörige ärmerer Schichten verfügen nicht über die notwendigen Mittel, um das Geld für die strapaziöse Reise aufzubringen.

Ein weiterer wichtiger Grund für den Exodus lag in der schlechten Regierungsführung und der Sicherheitslage in der Heimat (26 Prozent). Nur acht Prozent nannten bessere Bildungschancen, sieben Prozent Freiheit.

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Allein 2019 ertranken mehr als 1000 Migranten aus Afrika im Mittelmeer

2019 ertranken bislang etwa 1000 Menschen bei dem Versuch, von Afrika aus über das Mittelmeer mit kleinen Booten nach Europa zu kommen. Weitaus mehr sollen bereits zuvor bei ihrem Versuch ums Leben gekommen sein, die Sahara zu durchqueren. Die meisten von ihnen sollen auf ihrem Weg verdurstet sein.

Trotz der großen Gefahr für Leib und Leben sagten 41 Prozent der Befragten aus, nichts hätte sie von ihrem Plan abhalten können. 24 Prozent führten aus, dass sie bessere wirtschaftliche Verhältnisse in ihrer Heimat gehalten hätten, 15 Prozent nannten eine bessere staatliche Fürsorge.