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Augenzeuge berichtet von Hinterhalt

Russen beschießen Zivilistenkonvoi, den sie vorher durchgewinkt hatten

Ein Konvoi mit Zivilisten aus Mariupol wartet vor einem Checkpoint. Sie wollen aus der Stadt fliehen (Symbolbild).

Ein Konvoi mit Zivilisten aus Mariupol wartet vor einem Checkpoint. Sie wollen aus der Stadt fliehen (Symbolbild).

Russische Truppen haben offenbar ein Massaker an fliehenden Zivilisten verübt. Wie der britische „Telegraph“ berichtet, sollen im März Menschen aus dem damals von Russen besetzten Makariw westlich von Kiew geflohen sein. An einem russischen Checkpoint hätten die Besatzer eine sichere Flucht versprochen, etwas später eröffneten sie das Feuer. Ein Augenzeuge berichtet nun.

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Alexey Sychewskyj erzählte am Samstag dem „Telegraph“, wie er und seine Familie bereits Wochen unter den russischen Besatzern gelitten hätten. „Es war ein Albtraum. Sie töteten meinen Hund und bedrohten uns mit Waffen.“ Tschetschenische Soldaten seien besonders grausam und aggressiv gegen die Zivilbevölkerung vorgegangen. Am 10. März hätten die Besatzer dann gesagt, die Bürger Makariws dürften fliehen. Sychewskyj und seine Familie hätten sich daraufhin einer Kolonne von 13 Fahrzeugen angeschlossen. An einem Kontrollpunkt sei es dem Konvoi dann erlaubt worden, sich in Richtung des ukrainisch kontrollierten Nalywaikiwka aufzumachen.

„Die Soldaten sagten, wir könnten durch. Wir sollten nur langsam fahren, nicht schneller als 20 Stundenkilometer. Und wir sollten eng zusammenbleiben.“ Die Flüchtenden hätten weiße Bänder ans Auto gebunden, als Zeichen des Friedens, so der Augenzeuge. Doch nur kurz nachdem sie den Checkpoint passierten, hätten russische Soldaten aus etwa 100 bis 150 Metern Entfernung auf die Autos geschossen.

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In wenigen Sekunden wurden Wagen des Konvois durchlöchert. „Die ersten Schüsse trafen das Auto vor uns. Der Fahrer wurde verletzt, der Konvoi kam zum Stillstand.“ Dann sei sein Auto getroffen worden. Erst sei sein Vater am Kopf getroffen worden. Dann sackte seine Ehefrau hinter ihm zusammen. Alles sei in wenigen Sekunden passiert. Menschen krochen aus brennenden Fahrzeugen. „Ich weiß nicht, was mit ihnen passiert ist“, sagt der Augenzeuge. Sychewskyi fuhr weiter bis er schließlich die ukrainisch kontrollierten Gebiete erreichte.

Sychewskyis Vater und Frau starben bei dem Angriff. Er vermutet, dass am 10. März weitaus mehr Menschen bei dem mutmaßlichen Hinterhalt in Makariw ums Leben kamen. Mittlerweile laufe laut „Telegraph“ eine Untersuchung.

Sychewskyj lebt aktuell mit seinem Sohn und seiner Mutter in Deutschland. Er fragt sich noch immer, warum die Russen das Feuer eröffneten. „Es war klar, dass wir Zivilisten waren. Autos mit Kindern darin. Es kann nicht sein, dass sie nicht wussten, dass wir Zivilisten sind.“ Seine Heimatstadt Makariw wurde mittlerweile von ukrainischen Streitkräften befreit. Anschließend fanden die heimischen Soldaten ähnlich wie in Butscha Massengräber mit mindestens 132 getöteten Zivilisten.

RND/hyd

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