Auf der Suche nach der verlorenen Freiheit

  • Biontech kündigt eine Impfstoff­zulassung für unter Zwölfjährige an.
  • Das könnte nicht nur die Kinder schützen – sondern auch die Impfkampagne voranbringen.
  • Doch zum „Freedom Day“ wie in Dänemark ist es noch ein weiter Weg.
|
Anzeige
Anzeige

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

die gute Nachricht des Tages kam gestern aus Mainz. Der Impfstoff von Biontech/Pfizer hat sich nach Angaben der Unternehmen in Tests als verträglich und wirksam auch für Fünf- bis Elfjährige erwiesen. Die Hersteller wollen nun die Daten schnellstmöglich der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) vorlegen, um eine Zulassung zu bekommen. Der schleppenden Impfkampagne kommt die Nachricht gelegen – würde so doch die Zahl der potenziell Impfbaren auf einen Schlag um mehr als fünf Millionen Menschen erhöht.

Kassenärztechef Andreas Gassen wünscht sich ja von der Politik für Ende Oktober einen deutschen „Freedom Day“, an dem alle Corona-Maßnahmen zurückgenommen werden. So hat er es bereits am Wochenende gefordert. Trotz der verlockenden Verheißung fragt man sich doch, ob der Ärztefunktionär damit tatsächlich für die Mitglieder seines Verbands spricht – schließlich wird es auch unter den Kassenärzten nicht wenige geben, die nicht so weit in die Zukunft schauen können und deshalb bei einer Impfquote von nicht einmal 65 Prozent hierzulande noch zur Vorsicht tendieren. Und das, wie RND-Wissenschaftsredakteurin Saskia Heinze beschreibt, aus guten Gründen.

Anzeige
Ohne Maske, ohne Abstand: Konzert in Kopenhagen. © Quelle: Olafur Steinar Gestsson/Ritzau S

In Dänemark ist man tatsächlich schon einen Schritt weiter. Dort sind bereits mehr als etwa 75 Prozent der Menschen geimpft und die Regierung hat vor 14 Tagen alle Beschränkungen zur Corona-Pandemie aufgehoben. RND-Chefreporter Thorsten Fuchs hat sich nach Kopenhagen aufgemacht, hat ein Konzert mit 1500 Menschen besucht, ist durch die Supermärkte spaziert, mit der Metro gefahren und hat die dortige Infektions­schutzbehörde besucht – alles ohne Abstand und Maske.

Gleichzeitig hat er Erklärungen gefunden, warum dort zu klappen scheint, was bei uns wohl noch in einiger Ferne ist. So sind die Testkapazitäten in Dänemark derart ausgebaut worden, dass die Regierung die gesamte Bevölkerung in einer Woche durchtesten kann. Das verschafft, verbunden mit einer funktionierenden Impfdatenbank, der Regierung zumindest die Gewissheit, im Zweifel schnell auf einen Anstieg der bislang sehr niedrigen Neuinfektionszahlen reagieren zu können.

Fuchs verursachte die große Freiheit ohne Beschränkungen nach anderthalb Jahren Pandemie in Deutschland letztlich dennoch ein unsicheres Gefühl. „In dem Konzertraum habe ich meine Maske dann doch erst einmal wieder aufgesetzt“, erklärte er nach seiner Rückkehr.

Anzeige
Der Tag Was heute wichtig ist. Lesen Sie den RND-Newsletter "Der Tag".

Zitat des Tages

Anzeige

Unsere Liebe zu Frankreich ist unauslöschbar.

Boris Johnson, britischer Premierminister, mit Blick auf den Streit um den U‑Boot-Deal mit den USA und Australien

Leseempfehlungen

Aus unserem Netzwerk

Die Landespolizei in Mecklenburg-Vorpommern hat ein Problem. Zu viele Bewerberinnen und Bewerber fallen bei den Aufnahmetests durch, wie die „Ostsee-Zeitung“ berichtet. Dieses Jahr habe man erst in einer zweiten Bewerbungsrunde die nötige Zahl an Polizeischülerinnen und ‑schülern erreicht. Größtes Hindernis bei den Tests: das Diktat, daran scheitere jede und jeder dritte sich Bewerbende.

Termine des Tages

Anzeige
  • München: Auftakt im Prozess gegen einen Mann, der seine Partnerin jahrelang in der gemeinsamen Wohnung eingesperrt haben soll. Er ist wegen Freiheitsberaubung und außerdem wegen Vergewaltigung in mindestens 30 Fällen angeklagt.
  • Aachen: Bekanntgabe des diesjährigen Friedenspreisträgers: Der Aachener Friedenspreis wurde 1988 von 46 Einzelpersonen als Verein gegründet, um Menschen zu würdigen, die „von unten her“ zur Völkerverständigung beitragen.

Was heute wichtig wird: Bücher

Die Welt der Literatur blickt heute nach Frankfurt. Dort gibt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels die Shortlist mit sechs Titeln zum Deutschen Buchpreis bekannt. Die Autoren bekommen insgesamt 37.500 Euro: Der Preisträger erhält 25.000 Euro, die übrigen fünf Autoren der Shortlist erhalten jeweils 2500 Euro Preisgeld. © Quelle: --/Börsenverein des Deutschen B

„Der Tag“ als Podcast

Die News zum Hören

Anzeige

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Dirk Schmaler

Abonnieren Sie auch:

Crime Time: Welche Filme und Serien dürfen Krimifans nicht verpassen? Mit unserem Newsletter sind Sie up to date. Alle zwei Wochen neu.

Hauptstadt-Radar: Der RND-Newsletter aus dem Regierungsviertel mit dem 360-Grad-Blick auf die Politik im Superwahljahr. Immer dienstags, donnerstags und samstags.

What’s up, America? Der wöchentliche USA-Newsletter liefert Hintergründe zu den Entwicklungen in Politik, Gesellschaft und Kultur – immer dienstags.

Die Pandemie und wir: Die wichtigsten Nachrichten der Woche, Erkenntnisse der Wissenschaft und Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.

Das Stream-Team: Die besten Serien- und Filmtipps für Netflix und Co. – jeden Monat neu.

Mit RND.de, dem mobilen Nachrichten­angebot des Redaktions­Netzwerks Deutschland, dem mehr als 60 regionale Medienhäuser als Partner angehören, halten wir Sie immer auf dem neuesten Stand, geben Orientierung und ordnen komplexe Sachverhalte ein – mit einem Korrespondenten­netzwerk in Deutschland und der Welt sowie Digitalexpertinnen und ‑experten aller Bereiche.

Falls Sie Anregungen oder Kritik haben, melden Sie sich gern direkt bei unserem Chefredakteur Marco Fenske: marco.fenske@rnd.de.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen