Auch wegen unberechenbarem Trump muss Merkel mit Putin reden

  • Vom Syrienkonflikt bis zum Bürgerkrieg im Libyen gibt es momentan viele Krisenherde.
  • Für Angela Merkel gibt es deshalb zurzeit wenig Gründe, nicht mit dem Kreml zu sprechen.
  • Auch US-Präsident Donald Trump hat daran einen nicht unerheblichen Anteil.
Stefan Scholl
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Moskau. Miteinander reden sei immer besser, als übereinander zu reden, erklärte Angela Merkel zu Beginn der Gespräche mit Wladimir Putin im Kreml. Der Ausspruch der Kanzlerin klingt eher pessimistisch, er klingt, als gelte es, einem längst eingeschlafenen Dialog wieder neues Leben einzuhauchen.

Tatsächlich ist das deutsch-russische Verhältnis trotz heftigen Streits seit der Krimkrise 2014 nie völlig in Schweigen erstarrt. Gerade Merkel war die europäische Politikerin, die immer wieder mit dem russischen Staatschef telefoniert und geredet hat, über alle Feindseligkeiten weg, auch während der heftigsten Kämpfe im Donbass.

Dass sie jetzt zwischen zwei Normandiegipfeln über eine Friedenslösung in der Ostukraine in den Kreml reist, wäre nicht verwunderlich, auch wenn es keine anderen Anlässe gebe. Aber hinzu kommen, außer dem ungelösten Syrienkonflikt, der eskalierende Bürgerkrieg im Libyen sowie das von den USA ausgelöste Hickhack um die Vollendung der deutsch-russischen Gaspipeline Nordstream 2. Und ganz aktuell die akute Gefahr eines Krieges der Amerikaner mit dem Iran, nachdem Donald Trump den iranischen General Ghassem Soleimani umbringen ließ.

Bekanntlich hat auch Trump ein sehr eigenes Demokratiekonzept

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Es bleibt sehr fraglich, ob Wladimir Putin das Donbass irgendwann wieder an die Ukraine zurückgibt. Und nach wie vor besitzen der Russe und seine Elite ganz andere Vorstellungen von Demokratie und bürgerlichen Rechten als Angela Merkel oder der Großteil der europäischen Politiker.

Aber bekanntlich hat auch US-Präsident Trump ein sehr eigenes Demokratiekonzept. Und er veranstaltet außenpolitische Kapriolen, die Amerika aus der Perspektive Berlins oder Brüssels immer häufiger zum Verbündeten mit Fragezeichen machen. Für Merkel gibt es zurzeit sehr wenig Gründe, nicht mit Wladimir Putin zu sprechen.