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  • Attentat auf Präsident Jovenel Moïse: Haiti – Land des Terrors und der Angst

Haiti – Land des Terrors und der Angst

  • Vor Kurzem drohte Haitis Präsident Jovenel Moïse noch den Banditen in seinem Land.
  • Nun ist er offenbar selbst Opfer eines Attentats geworden.
  • Für den Karibikstaat ist es die vorläufige Spitze einer Entwicklung, die fast schon absehbar war.
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Port-au-Prince. Das ärmste Land der westlichen Hemisphäre versinkt wieder einmal im Chaos. Nicht einmal Präsident Jovenel Moïse ist sicher. Unbekannte hätten das Staatsoberhaupt in der Nacht zum Mittwoch erschossen, berichten örtliche Medien.

Die bislang offizielle Version: Angreifer haben in der Nacht die Privatresidenz des Präsidenten in der Hauptstadt Port-au-Prince überfallen und Moïse erschossen, teilte Interims-Ministerpräsident Claude Joseph mit. Seine Frau wurde verletzt. Joseph sprach von einem „inhumanen und barbarischen Akt“.

Der nächste Machtkampf steht schon an

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Ausgerechnet er könnte nun von dem Machtvakuum profitieren und erklärte sich zum neuen starken Mann Haitis. Er habe nun die Verantwortung für die Führung des Landes. Noch am Montag hatte der nun ermordete Staatspräsident die Ernennung des neuen Regierungschefs Ariel Henry bekannt gegeben, der Claude Joseph nach nur drei Monaten im Amt ablösen sollte. Da bahnt sich der nächste Machtkampf bereits an.

Port-au-Prince: Jovenel Moise (m.), Präsident von Haiti, während einer Zeremonie zum 215. Todestag des Revolutionshelden Toussaint Louverture im Nationalen Pantheon Museum. Moise ist in der Nacht in seiner Residenz überfallen und tödlich verletzt worden. © Quelle: Dieu Nalio Chery/AP/dpa

Das mutmaßliche Attentat ist die vorläufige Spitze einer Entwicklung, die fast schon absehbar war. Seit Monaten wird die von bitterer Armut geplagte Karibiknation von regelrechten Schreckensnachrichten erschüttert.

Ende Juni starben bei einer „Racheaktion“ der Polizei mindestens 15 Menschen bei einer Schießerei in der Hauptstadt Port-au-Prince. Die Polizisten wollten offenbar die Tötung eines Kollegen rächen. Unter den Todesopfern des Massakers befanden sich auch die Aktivistin Marie Antoinette Duclaire und der Journalist Diego Charles.

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Kurz vor seinem Tod hatte Moïse den „Banditen“ noch gedroht

Der Präsident nutzte dies zu einem Appell an die internationale Gemeinschaft: „Das Land befindet sich seit 18 Jahren in einem Inferno der Gewalt. Ein höllischer Kreislauf der Unsicherheit. Und dieser Zyklus zwingt uns in eine Situation, in der wir ständig gezwungen sind, das Feuer zu löschen“, sagte Moïse und fügte an bewaffnete Banden hinzu, die im Land ihr Unwesen treiben: „Das Leben eines Banditen ist sehr kurz.“ Nun ist Moïse selbst Opfer eines Attentats geworden.

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Das UN-Menschenrechtskommissariat hatte das Anfang des Jahres diese Entwicklung kommen sehen: Anhaltende Unsicherheit, Armut und strukturelle Ungleichheit in Verbindung mit zunehmenden politischen Spannungen könnten zu öffentlicher Unzufriedenheit führen, auf die mit gewaltsamer Unterdrückung durch die Polizei und anderen Menschenrechtsverletzungen reagiert werden könnte.

In den letzten Monaten hätten Entführungen wegen Lösegeldes, Angriffe krimineller Banden gegen rivalisierende Nachbarschaften und weitverbreitete Unsicherheit in einem Umfeld fast völliger Straflosigkeit zugenommen.

Allein in diesem Jahr machten mehrere grausame Vorfälle aus Haiti international Schlagzeilen

Im April wurden sieben Geistliche der katholischen Kirche entführt. Fünf Priester und zwei Ordensfrauen, darunter zwei französische Staatsbürger, bangten um ihr Leben. Die Kirche trat sogar vorübergehend in einen Streik. Zuvor hatte sie vor einer „sozialen Explosion“ gewarnt. Inmitten einer anhaltenden politischen Krise sei die Bevölkerung Mord, Straflosigkeit und Unsicherheit ausgesetzt.

Kurz zuvor waren Studierende der Staatlichen Universität in der Hauptstadt Port-au-Prince auf die Straße gegangen, um nach der Ermordung des Vorsitzenden des Anwaltsverbandes und Universitätsdozenten Me Monferrier Dorval gegen die Unsicherheit und Kriminalität im Land zu demonstrieren.

Dorval war vor einigen Tagen vor seinem Haus unweit der Residenz von Staatspräsident Jovenel Moise ermordet worden. Unweit der Stelle wo nun der Präsident selbst starb.

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