Spannung vor Bericht zu Atommüllstandorten – Welche Regionen kommen infrage?

  • Der Atomausstieg ist längst beschlossene Sache, nicht aber, wo die bis 2022 noch anfallenden radioaktiven Abfälle sicher untergebracht werden sollen.
  • Seit 2017 läuft die Suche nach einem Endlager für den Atommüll, nun steht ein wichtiger Zwischenbericht an.
  • Erstmals werden mögliche Standorte genannt.
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Stuttgart. Die Suche nach einem Endlager für den deutschen Atommüll nimmt an Fahrt auf. Wenn am kommenden Montag (28. September) in einem Zwischenbericht mögliche Gebiete für solch ein umstrittenes Depot genannt werden, dann sichten Politik, Umweltschützer und Bürgerinitiativen die erwartbar lange Liste der Regionen mit Spannung. Denn ein Endlager ist zwar notwendig – nur möchte es niemand vor der Haustüre haben. Und welche Regionen in die nähere Auswahl kommen könnten und warum, da hüllt sich die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) bislang in Schweigen.

Sie hatte einen bundesweiten Zwischenbericht zu möglichen Atommüllstandorten bis Ende des Monats angekündigt. Die BGE forscht seit 2017 nach einem Endlagerstandort für hoch radioaktiven Abfall und prüft zunächst geologische Gegebenheiten.

Wahrscheinlich Gebiete in Baden-Württemberg

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Konkrete Gebiete seien vorab nicht bekannt geworden, sagte Fritz Mielert, Referent für Umweltschutz beim baden-württembergischen Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), am Dienstag in Stuttgart. “Das ist ein Blick in die Glaskugel. Was wir erwarten, ist ein umfangreicher Bericht mit Daten, Methoden und Sekundärdokumenten.” Es werde “so eine Art Wundertüte” geöffnet, denn Transparenz sei nicht gegeben. Es sei aber sehr wahrscheinlich, dass auch Gebiete in Baden-Württemberg im Bericht genannt würden.

Vor der Bekanntgabe des Berichts wirbt Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) zwar für eine besonnene Debatte. Er rechne allerdings mit einer “gewissen Aufregung”, sagte er der dpa. “Das ist vollkommen nachvollziehbar, immerhin geht der Suchprozess damit in die nächste konkretere Phase.” Der Bericht ist laut Untersteller allerdings noch keine Vorfestlegung auf ein Bundesland, eine Region oder gar einen Standort. Jetzt müssten sich alle Beteiligten an das vereinbarte transparente und streng wissenschaftliche Verfahren halten. “Wir haben nur diese eine Chance, die Endlagerproblematik zu lösen – die dürfen wir nicht verspielen”, sagte der Minister.

Kretschmann: “Geologie vor Geografie” - Ärger über Bayern

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Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) plädiert weiterhin für die Haltung “Geologie vor Geografie”. Das bestmögliche Gestein müsse nach fachlichen Kriterien genommen werden, und es dürfe nicht von der Frage abhängen, ob es geografisch in den Kram passe, sagte er am Dienstag. Deshalb habe er auch kein Verständnis für den Passus im bayerischen Koalitionsvertrag von CSU und Freien Wählern. Dort heißt es: “Wir sind überzeugt, dass Bayern kein geeigneter Standort für ein Atomendlager ist.” Eine solche Haltung konterkariere das ganze Verfahren, kritisierte Kretschmann. “Man braucht Vertrauen in den Prozess. Und deshalb sind alle dazu aufgerufen, nichts zu tun, was dieses Vertrauen minimiert.”

Die bundesweite Endlagererkundung war angesichts des jahrzehntelangen hartnäckigen Widerstands gegen den Ende der 1970er-Jahre ins Auge gefassten Standort im niedersächsischen Gorleben auf Beschluss von Union, SPD und Grünen gestartet worden. Laut Standortsuchgesetz soll die Suche 2031 mit einer Entscheidung enden.

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Prinzip der “weißen Landkarte”

In dem Verfahren gilt offiziell das Prinzip der “weißen Landkarte” – erst mal kommt jeder Ort infrage, nach festgelegten Kriterien werden dann nach und nach Orte ausgeschlossen. Damit aber Regionen für die Lagerung des hochradioaktiven Abfalls geprüft werden können, müssen sie Mindestanforderungen erfüllen. Dazu gehört die geringe Durchlässigkeit des Gesteins. Außerdem muss die Gesteinsschicht mindestens 100 Meter dick sein. Der Bereich für ein Endlager darf nicht mehr als 300 Meter unter der Erdoberfläche liegen. Und als ungeeignet gelten zudem Regionen, an denen vulkanische Aktivität erwartet wird, sowie Gebiete, deren Untergrund beschädigt oder gefährdet ist.

Granit, Steinsalz und auch Ton kommen nach heutigem Erkenntnisstand für die unterirdische Lagerung infrage. In Deutschland gab es bislang eine Präferenz für Salzgestein – das Standortauswahlgesetz fordert nun aber einen ergebnisoffenen Vergleich der drei Gesteinsarten mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen.

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Salzgestein ist nördlich der Mittelgebirge zu finden, Tongestein überwiegend in Norddeutschland sowie im Grenzgebiet zwischen Baden-Württemberg und Bayern. Der baden-württembergische BUND geht davon aus, dass der sogenannte Opalinuston auf jeden Fall im Bericht vorkommen wird. Seine Schicht zieht sich aus Zürich kommend unter der Schwäbischen Alb bis nach Ulm.

RND/dpa



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