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Atommüll: Bayern stellt Endlagersuche infrage – Kritik aus dem Norden

  • Ende September sollen die Ergebnisse der seit 2017 laufenden Suche nach einem neuen Endlager für Atommüll vorgestellt werden.
  • Jetzt äußerte sich Bayerns Umweltminister kritisch und blickt noch einmal in Richtung Gorleben.
  • Niedersachsen und Schleswig-Holstein reagieren verärgert.
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Hannover/Kiel. Kurz vor der Veröffentlichung erster Ergebnisse der Suche hat Bayern das seit 2017 laufende Verfahren der Atommüll-Endlager-Suche grundsätzlich infrage gestellt. “Dieser Prozess wird über Jahrzehnte in Deutschland für Unruhe sorgen und Milliarden kosten”, sagte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) dem “Spiegel”. Mit Gorleben gebe es bereits einen gut erkundeten Standort für ein sicheres und fast schlüsselfertiges Endlager.

Das Ausscheren Bayerns erzürnt die Landesregierungen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) habe deutlich gemacht, es sei nicht akzeptabel, dass “Bayern sich aus der Verantwortung stiehlt”, sagte die niedersächsische Regierungssprecherin Anke Pörksen am Freitag in Hannover.

Bayern habe mehr als andere Bundesländer von Atomkraft profitiert. Die Landesregierung gehe bei der Suche von einer “weißen Landkarte” aus – ohne Vorfestlegungen. Man weise den “Affront” aus Bayern zurück, das Land sei mit in der Pflicht, sich um den Atommüll zu kümmern.

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Suche sollte ergebnisoffen sein

Auch der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) kritisierte es als “unverantwortlich, dass Bayern schon jetzt aus dem Konsens aller Bundesländer ausschert, ergebnisoffen nach einem Atomendlager zu suchen”.

Kritik an Bayern kommt auch aus Schleswig-Holstein. Umweltminister Jan Philipp Albrecht sagte am Freitag in Kiel: “Es kann nicht sein, dass am Ende einzelne Länder wie zu Beispiel Bayern das Verfahren politisch lenken wollen.”

Albrecht pochte auf eine ergebnisoffene Suche. “Wir werden es nicht akzeptieren, wenn Schleswig-Holstein und die hiesigen Kommunen nicht sachgerecht behandelt werden”, betonte Albrecht.

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Entscheidung für 2031 geplant

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung forscht seit 2017 nach einem Endlagerstandort für hoch radioaktiven Abfall und prüft zunächst geologische Gegebenheiten. Die bundesweite Endlagererkundung war angesichts des jahrzehntelangen hartnäckigen Widerstands gegen den Ende der Siebzigerjahre bereits ins Auge gefassten Standort im niedersächsischen Gorleben auf Beschluss von Union, SPD und Grünen gestartet worden.

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Am 28. September sollen in Berlin bundesweit geeignete Teilgebiete für ein Endlager benannt werden. Laut Standortsuchgesetz soll die Suche 2031 mit einer Entscheidung enden.

RND/dpa

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