Bericht: Tausende Soldaten in Äthiopien freigelassen

  • Äthiopiens Ministerpräsident hatte sich nach seiner Militäroffensive gegen die abtrünnige Region Tigray zum Sieger erklärt.
  • Nun scheint sich die Lage zu stabilisieren.
  • Die Volksbefreiungsfront von Tigray hat laut einem Bericht Tausende Soldaten freigelassen.
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Frankfurt a.M., Addis Abeba. Knapp einen Monat nach dem Ausbruch der Kämpfe um die äthiopische Region Tigray stabilisiert sich die Lage offenbar. Die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF), die die Region bisher kontrollierte, habe mehr als 4000 Soldaten aus der Kriegsgefangenschaft entlassen, berichtete der britische Sender BBC am Dienstag unter Berufung auf einen Sprecher der Gruppe. Die äthiopische Regierung hatte am Wochenende den Sieg über die Regionalhauptstadt Mekele erklärt.

Ministerpräsident Abiy Ahmed sagte laut Berichten der staatlichen äthiopischen Nachrichtenagentur ENA vom Montag, 99 Prozent seiner Ziele in Tigray seien erreicht. Laut der TPLF sind die Kämpfe jedoch noch nicht beendet. Weil die Telefon- und Internetverbindungen in die Region abgeschnitten wurden, gibt es keine unabhängigen Berichte über die Lage in der nördlichen Region.

Abiy hatte am Wochenende erklärt, die Armee habe die Kontrolle über den Flughafen, öffentliche Einrichtungen und die Regionalverwaltung in Mekele übernommen. Das Ziel der Operation sei damit erreicht, und der Wiederaufbau von Tigray könne beginnen.

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Zehntausende Flüchtlinge durch Konflikt

Seit dem Ausbruch des Konflikts Anfang November sind UN-Schätzungen zufolge mehr als 43.000 Menschen ins Nachbarland Sudan geflüchtet, die Hälfte davon seien Kinder. Bis April 2021 rechnet das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mit einem Anstieg auf bis zu 100.000 Flüchtlinge, im Extremfall bis zu 200.000.

Die Armee der äthiopischen Regierung und die TPLF lieferten sich in den vergangenen Wochen heftige Kämpfe um die Kontrolle von Tigray. Hintergrund ist ein Machtkampf um den Einfluss der Tigray-Bevölkerungsgruppe in der Zentralregierung von Ministerpräsident Abiy. Obwohl die Tigray nur etwa sieben Prozent der Bevölkerung des Vielvölkerstaates stellt, hatte die TPLF lange Zeit eine entscheidende Stellung in der Staats- und Armeeführung.

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Abiy, der zur größten Volksgruppe der Oromo zählt, will deren Einfluss seit seinem Amtsantritt 2018 begrenzen. Ein Auslöser für die Eskalation der Anfang November war ein angeblicher Anschlag der TPLF auf Regierungstruppen.

RND/epd

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