Asylerstanträge schnellten im Mai in die Höhe

  • Deutlich mehr Menschen als vor einem Jahr haben im Mai erstmals einen Asylantrag in Deutschland gestellt.
  • Unionspolitiker Mathias Middelberg rechnet mit weiter steigenden Zahlen.
  • Die Zuwanderung über die Mittelmeerroute wachse erheblich.
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Berlin. Die Zahl der Menschen, die in Deutschland erstmals einen Asylantrag gestellt haben, ist im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich gestiegen. Wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in seiner am Montag veröffentlichten Statistik festhält, nahm die Behörde im vergangenen Monat 8278 neue Anträge von Schutzsuchenden und 950 Folgeanträge entgegen. Ein Jahr zuvor hatte die Zahl der Erstanträge deutlich niedriger gelegen (3777 Anträge). Allerdings waren die aufgrund der Corona-Pandemie eingeführten Reisebeschränkungen damals noch strikter gewesen.

Die größte Gruppe unter den Antragstellern waren in diesem Mai die Syrer mit 3776 Anträgen. 1594 Antragsteller kamen aus Afghanistan, 651 aus dem Irak.

Middelberg glaubt an weiter steigende Zahl der Asylanträge

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Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Mathias Middelberg, sagte: „Vieles spricht dafür, dass die Zahl der Asylanträge weiter steigen wird.“ Unter anderem die Zuwanderung über die Mittelmeerroute nach Italien und Spanien wachse erheblich. „Dabei geht es vielfach um Wirtschaftsmigration, nicht mehr um Flucht“, sagte der CDU-Politiker.

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks waren 15 Prozent der Bootsflüchtlinge, die in Italien in den ersten vier Monaten dieses Jahres ankamen, Tunesier. 13 Prozent waren Bürger der Elfenbeinküste, 10 Prozent stammten aus Bangladesch. Unter den Menschen, die Spanien erreichten, waren 2020 nach UN-Angaben besonders viele Algerier und Marokkaner. Sie stammten somit aus Staaten mit relativ niedrigen Asylanerkennungsquoten.

Dänemark will Asylzentren in Drittstaaten

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„Zwar dürfte die jüngst in Dänemark beschlossene Asyl-Regelung europarechtlich nicht umsetzbar sein, diese politische Initiative zeigt aber, dass die Bereitschaft unter den EU-Mitgliedstaaten, immer weiter Migranten aufzunehmen, schwindet“, sagte Middelberg. Daher müssten Lösungen gefunden werden, die nicht allein auf Verteilung setzten. Italien und Spanien sollten finanzielle und personelle Unterstützung erhalten beim Aufbau von Aufnahmezentren, um schnelle Asylverfahren und - soweit keine Schutzberechtigung vorliege - Rückführungen zu ermöglichen.

Eine Mehrheit im dänischen Parlament hatte ein Gesetz verabschiedet, das Asylzentren in anderen Ländern möglich macht. Damit könnten die Behörden Asylbewerber in Drittländer fliegen, wo sie darauf warten müssen, dass ihr Antrag in Dänemark behandelt wird. Die EU-Kommission kritisierte das Gesetzesprojekt und machte deutlich, dass sie sich rechtliche Schritte vorbehält, sollte das Land die Pläne umsetzen.

Im Jahr 2020 hatten 102.581 Ausländer erstmals einen Asylantrag in Deutschland gestellt. Darunter waren 26.520 Anträge auf Schutz von in Deutschland geborenen Kindern im Alter von unter einem Jahr.

RND/dpa

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