Wir brauchen Astrazeneca

  • Die Impfungen mit Astrazeneca werden in Deutschland nach der EMA-Entscheidung nun schnell wieder aufgenommen.
  • Das ist zu begrüßen, denn die Vorteile des Impfstoffs überwiegen die Risiken, kommentiert Eva Quadbeck.
  • Die Entscheidung, sich diesen Impfstoff spritzen zu lassen, bleibt selbstverständlich freiwillig.
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Berlin. Die Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA), zur Bekämpfung der Pandemie den Impfstoff von Astrazeneca wieder grünes Licht zu geben, ist nur zu begrüßen. Wir brauchen den Impfstoff. Nach Biontech ist er mengenmäßig der wichtigste Impfstoff gegen Corona in Deutschland.

Mehr Vorteile als Nachteile

Nach allem, was an Pro und Contra bekannt geworden ist, scheinen die Vorteile des Astrazeneca-Impfstoffes klar dessen Risiken zu überwiegen. Ja, es hat in zeitlicher Folge der Impfung überdurchschnittlich viele Fälle einer tödlichen Thrombose gegeben. Dennoch ist Astrazeneca ganz offensichtlich dazu geeignet, deutlich mehr Leben zu retten als zu gefährden.

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Europäische Arzneimittelbehörde berät über Astrazeneca-Impfstoff
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Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA will an diesem Donnerstag entscheiden, ob der Astrazeneca-Impfstoff gegen das Coronavirus weiter verwendet werden soll.  © dpa

Deutschland hatte angekündigt, der EMA-Empfehlung zu folgen, und am späten Abend verkündete Gesundheitsminister Spahn auch, dass die Impfungen mit Astrazeneca am Freitag wieder aufgenommen werden.

Wer sich nach den vielen Debatten zum britisch-schwedischen Impfstoff nicht mit Astrazeneca impfen lassen möchte, dem steht es weiter frei, darauf zu verzichten. Die Impfung ist und bleibt freiwillig. So lange der Impfstoff knapp ist, werden die Bürgerinnen und Bürger mutmaßlich allerdings nicht wählen können, mit welchem Vakzin sie sich schützen lassen.

Junge Frauen betroffen

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Es lohnt eine Debatte, welcher Impfstoff für welche Gruppen möglicherweise mehr oder weniger geeignet ist. Von den schweren Nebenwirkungen, die Astrazeneca zugeordnet wurden, waren insbesondere junge Frauen betroffen. Man könnte zum Beispiel für diese Gruppe einen anderen Impfstoff reservieren.

Es wird ohnehin Zeit, die Debatte um die Impfstoffe rationaler zu führen. Die Bundesregierung hat dem Vertrauen in Astrazeneca einen Bärendienst erwiesen, indem sie das Vakzin trotz der Aussetzung in anderen Ländern weiter als absolut sicher dargestellt hat, um dann am Montag dieser Woche eine Kehrtwende zu vollziehen. Mit der Entscheidung der EMA steht die nächste Volte an. Besser wäre es, auch von Regierungsseite Licht und Schatten eines solchen Impfstoffes in die öffentliche Debatte einzubringen. Die Bürgerinnen und Bürger sind sehr wohl in der Lage, Prozesse des Abwägens nachzuvollziehen.

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Corona-Lage in Deutschland: RKI-Lagebericht vom 18. März
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Erneut steigt die Sieben-Tage-Inzidenz bundesweit deutlich an. Auch bei den Corona-Neuinfektionen ist eine Zunahme zu verzeichnen.  © dpa

Nun ist es höchste Zeit, dass die Impfkampagne endlich in Schwung kommt. Die Impfstofflieferungen nach Deutschland bleiben der Flaschenhals. Die bisher öffentlich angekündigten zu erwartenden Lieferungen an Impfstoffdosen lassen die Hoffnung sinken, dass es im zweiten Quartal tatsächlich den versprochenen steilen Anstieg bei den Impfungen geben wird.

Millionenfaches Impfen möglich

Logistisch ist Deutschland auf millionenfaches Impfen gut vorbereitet. Hausärzte und Betriebsärzte stehen bereit, sich an der Kampagne zu beteiligen. Die mal mehr und mal weniger gut organisierten Impfzentren können zudem unterstützend tätig sein.

Der Impfgipfel am Freitag muss in erster Linie dazu dienen, die Versorgung mit Impfstoff in Deutschland so zu sichern, dass im Kampf gegen das Virus endlich ein entscheidender Schlag gelingen kann.

In Israel tanzen die Menschen schon wieder in vollen Gaststätten auf den Tischen. In deutschen Kneipen stehen weiterhin verstaubende Stühle auf den Tischen. An der Menge der Impfdosen, die in Deutschland ankommen, hängt noch viel mehr: Es geht um die ganze Nation. Die Zahl der Impfdosen bestimmt über die Zahl der Corona-Toten, über die Länge des Lockdowns, über die Entwicklung der Wirtschaft, über die Bildung der Jugend und nicht zuletzt über den Seelenzustand der Nation.

Auswirkung auf das Superwahljahr

Ganz zu schweigen von den noch ausstehenden Wahlen in Bund und Ländern. Die Frage, wie schnell wie viele Impfdosen in Deutschland landen, beeinflusst selbstverständlich auch den Ausgang des Superwahljahrs. Je zäher die Impfkampagne läuft, je länger die Einschränkungen dauern und je größer der Leidensdruck für die Bürgerinnen und Bürger wird, mit desto mehr Protest an den Wahlurnen ist zu rechnen.

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