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  • Astrazeneca: Welche Bundesländer halten an der Impfreihenfolge fest und welche nicht?

Impfreihenfolge: So gehen die Bundesländer mit Astrazeneca um

  • Weil viele Impfberechtigte zurückhaltend beim Vakzin Astrazeneca sind, erwägt nun auch Bremen, die Impfreihenfolge für den Wirkstoff aufzuheben.
  • Entsprechende Vorstöße gibt es bereits in Berlin, Bayern, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern.
  • Andere wollen hingegen an der Impfreihenfolge festhalten.
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Bremen. Die Länder sind sich beim Umgang mit dem Impfstoff von Astrazeneca uneins. Während einige die Impfreihenfolge aufheben wollen oder dies bereits getan haben, sind andere Bundesländer noch zögerlicher. Die Nachfrage und die Verfügbarkeit des Vakzins sind wichtige Faktoren bei der Entscheidung.

Bremen

Die Bremer Gesundheitsbehörde überlegt, die Impfreihenfolge für Astrazeneca aufzuheben. Grund sei die Zurückhaltung vieler Impfberechtigter beim Vakzin von Astrazeneca, sagte Sprecher Lukas Fuhrmann dem „Weser-Kurier“ (Donnerstag). Es sei deshalb vorstellbar, allen unter 60-Jährigen ein offenes Angebot zu machen - sprich eine Impfung mit Astrazeneca ohne Einladung oder Termin.

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Das erwäge man allerdings erst, wenn es mehr Impfstoff von Astrazeneca gebe als Impfberechtigte über 60 Jahre.

„Astrazeneca ist nicht verboten für unter 60-Jährige“, sagte Fuhrmann. Die Ständige Impfkommission empfehle lediglich eine sorgfältige ärztliche Aufklärung. Noch herrsche Knappheit bei den Impfstoffen. Deshalb beinhalte der Anspruch auf Impfung nicht das Recht, den Impfstoff eines bestimmten Herstellers zu wählen.

„Wir erleben bei den Jahrgängen zwischen 67 und 70 Jahren, die jeweils ein Impfangebot mit dem für sie vorgesehenen Impfstoff Astrazeneca erhalten haben, ein deutlich zurückhaltenderes Buchungsverhalten“, sagte Fuhrmann. Die Folge seien leere Impfzentren. Womöglich seien die Menschen verunsichert und warteten lieber ab, ob sie bei einem niedergelassenen Arzt das Vakzin von Biontech/Pfizer erhalten.

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Berlin

In Berliner Arztpraxen soll der Impfstoff sogar schon ab sofort grundsätzlich für alle Altersgruppen zur Verfügung stehen. Er kann damit auch für unter 60-Jährige genutzt werden. Die Arztpraxen müssen sich nicht mehr an die Priorisierung nach der Impfverordnung des Bundes halten.

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Das teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit am Donnerstag mit. „In der aktuellen Infektionswelle kommt es darauf an, möglichst viele Menschen möglichst bald zu immunisieren - auch mit dem aufklärungsintensiven Astrazeneca-Impfstoff“, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD).

Mecklenburg-Vorpommern

Schwerin hatte bereits am Mittwoch entschieden, die Impfpriorisierung für Astrazeneca aufzuheben. Jeder kann sich das Vakzin in Hausarztpraxen, Impfzentren und durch mobile Impfteams verabreichen lassen. „Ziel ist es weiter, dass kein Impfstoff liegen bleibt und wir weiter beim Durchimpfen der Bevölkerung vorankommen“, sagte Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU).

Sachsen

Sachsen hob schon am Dienstag die Altersbeschränkungen beim britisch-schwedischen Präparat auf. Wie Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) nach der Kabinettssitzung in Dresden mitteilte, ist damit die Impfpriorisierung für diesen Impfstoff nichtig.

Bayern

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Auch Bayern hat den Impfstoff von Astrazeneca in Arztpraxen für alle Altersgruppen freigegeben. Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) teilte am Mittwoch in München mit: „Die Priorisierung bei Astrazeneca ist ab sofort aufgehoben, der Impfstoff kann in den Arztpraxen auch Personen unter 60 Jahren angeboten werden.“

Nordrhein-Westfalen

Nordrhein-Westfalen will hingegen vorerst an der Impfreihenfolge für Astrazeneca festhalten. Noch gebe es im Land viele Menschen über 60 Jahren, die das Impfangebot mit Astrazeneca gerne annähmen, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Donnerstag dem WDR. „Wenn Astrazeneca nicht mehr gewünscht wird, werden wir solche Überlegungen machen.“

Eine Sprecherin des NRW-Gesundheitsministeriums sagte der „Rheinischen Post“, wenn in den Impfzentren Dosen übrig blieben, sollten diese „niedrigschwellig“ weitergegeben werden. „Sofern kleinere Mengen an Impfstoff am Ende einer Impfaktion übrig bleiben, sind die Impf-Teams angehalten, diese niedrigschwellig für Personen mit höchster Impfpriorität zu verwenden, entsprechend der in der Impfverordnung festgelegten Anspruchsberechtigten“, erläuterte sie.

Brandenburg

Auch Brandenburg hält eine Freigabe des Corona-Impfstoffes nicht für sinnvoll. „Astrazeneca wurde in Brandenburg stets gut nachgefragt und wir haben alle aktuellen Bestände in die impfenden Arztpraxen gesteuert“, teilte der Sprecher des Innenministeriums, Martin Burmeister, am Donnerstag in Potsdam mit.

Dort könnten sich alle über 60-Jährigen damit impfen lassen, rund 6000 Erstimpfungen pro Tag mit diesem Impfstoff gebe es in den Hausarztpraxen. Für dieses Tempo reiche der Bestand.

„Es wäre populistisch und unseriös, Astrazeneca darüber hinaus für alle freizugeben. Wir würden den Menschen damit eine Verfügbarkeit vorgaukeln, die es nicht gibt“, erläuterte Burmeister. Brandenburg werde Prioritätengruppen weiter in der Reihenfolge freigeben, in der sie von Corona-Infektionen bedroht seien.

Thüringen

Bei den Corona-Impfungen in den Impfzentren will Thüringen den Impfstoff von Astrazeneca nach Angaben des Gesundheitsministeriums vorerst nicht komplett freigeben. Für das Vakzin sei mit den über 60-Jährigen bereits ein Teil der Priorisierungsgruppe 3 geöffnet worden, sagte eine Ministeriumssprecherin am Donnerstag. „Solange wir sehen, dass es hier und in den höheren Altersgruppen dafür eine Nachfrage gibt, bleiben wir bei der bisherigen Reihenfolge.“ In Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern ist die Priorisierung für Astrazeneca komplett aufgehoben worden.

Andere Länder wollen Reihenfolge erst aufheben, wenn genug Impfstoff da ist

Baden-Württemberg und Niedersachsen wollen zunächst die über 60-Jährigen mit dem Impfstoff von Astrazeneca versorgen. Auch Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein haben noch keine Aufhebung der Reihenfolge beschlossen.

Kassenärzte fordern Handhabe

Für Patienten, die jünger als 60 Jahre sind und sich trotzdem mit Astrazeneca impfen lassen möchten, forderten Kassenärzte eine Ansage des Robert Koch-Instituts oder des Bundesgesundheitsministeriums. „Da erwarten wir schnellstmöglich eine Handhabe“, sagt Christoph Fox von der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen (KVHB) der Zeitung. „Außerdem fordern wir, dass für den Astrazeneca-Impfstoff die Priorisierung aufgehoben wird.“

Dann müssten die Praxisärzte bei übrig gebliebenen Dosen nicht erst in die Wartelisten schauen, sondern könnten einfach die nächstbesten Patienten impfen, die dazu bereit sind.

RND/dpa

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