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Astrazeneca: Gesundheitspolitiker fordern mehr Impftermine für Freiwillige

  • Über den Ansturm auf spezielle Astrazeneca-Impftermine in einigen Bundesländern sind die Gesundheitspolitiker im Bundestag hoch erfreut.
  • Grüne und Linke sehen dahinter die Lockdown-Müdigkeit der Bevölkerung, die FDP ruft zur bundesweiten Nachahmung auf, die Union ist skeptisch.
  • Einig ist man sich darin, dass Erst- nun vor Zweitimpfung gehen muss.
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Berlin. Angesichts der unverhofft großen Nachfrage nach dem Astrazeneca-Impfstoff bei speziellen Impfungen am Osterwochenende haben Gesundheitspolitiker im Bundestag mehr freiwillige Impftermine mit dem Vakzin gefordert. Wegen der zunächst geringen Versorgung von Hausarztpraxen mit Impfstoffen appelliert die Politik zudem zum Vorziehen möglichst vieler Erst- vor den Zweitimpfungen.

„Wir sind mitten in der dritten Welle. Da ist es wenig verwunderlich, dass die Bürger die Chance nutzen, sich schnellstmöglich impfen zu lassen“, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Sabine Dittmar, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

400.000 Astrazeneca-Termine binnen 24 Stunden in NRW vergeben

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Wichtig sei nun, dass keine Impfstoffdosen für die Zweitimpfung zurückgehalten werden, sondern alles, was vorhanden ist, für die Erstimpfung benutzt wird. „Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass möglichst viele einen Impfschutz aufbauen.“

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Am Osterwochenende waren etwa in Nordrhein-Westfalen rund 400.000 Termine für über 60-Jährige, die sich mit dem Astrazeneca-Vakzin impfen lassen wollten, binnen eines Tages ausgebucht.

Im Landkreis Nordwest­mecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern hatten die Impfzentren am Ostermontag für Impfwillige ohne Termin geöffnet, um übrig gebliebene Astrazeneca-Dosen zu verimpfen. Hier trafen in Städten wie Wismar Interessierte teils zwei Stunden vor Öffnung ein und bildeten Hunderte Meter lange Schlangen, sodass die Aktion bis in den Abend verlängert wurde und mehr als 800 Menschen ihre Erstimpfung erhielten.

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Schon am Morgen war die Warteschlange vor dem Corona-Impfzentrum in Wismar lang. © Quelle: Nicole Hollatz

Mehrere Gesundheitspolitiker zeigten sich erfreut über das große Interesse an den frei gewordenen Impfdosen. Christine Aschenberg-Dugnus (FDP) nannte die Beispiele vom Osterwochenende vorbildlich: „Ein freiwilliges Impfangebot führt dazu, dass der holprige Impfstart nicht noch weiter ins Stocken gerät“, sagte sie dem RND.

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Es müsse kein Impfstoff verfallen: „Es gibt genügend Freiwillige, die sich gerne mit Restdosen impfen lassen“, so die Liberale. Die Bürger „wissen, dass mit einer zweimaligen Impfung die Grundrechteinschränkungen zurückgenommen werden müssen und etwa das Reisen wieder möglich ist“.

CDU/CSU gegen Impfung ohne Termin

Auch CDU/CSU-Gesundheitsexpertin Karin Maag freute sich über den Run auf Astrazeneca, zweifelt jedoch am Prinzip des offenen Impfzentrums: „Mir erscheint die kurzfristige Terminvergabe die bessere Wahl zu sein als lange Warteschlangen vor den Impfzentren“, sagte sie dem RND.

Maag betonte, auch Gesundheitsgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe angesichts der zu erwartenden steigenden Liefermengen empfohlen, verfügbare Dosen ohne Rückstellungen für die Zweitimpfung zu verimpfen. „Es ist wichtig, dass wir mit den Erstimpfungen schneller vorankommen.“

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Durchbruch für die Impfkampagne? Hausärzte starten bundesweit mit Impfungen
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Viele hoffen, dass nun Tempo in die Sache kommt: Gut drei Monate nach Beginn der Corona-Impfungen in Deutschland kommen nun die Hausärzte ins Spiel.  © dpa

Die Infektionsschutzexpertin der Grünen, Kordula Schulz-Asche, sagte dem RND, am beschädigten Ruf des Astrazeneca-Impfstoffs habe „eine mehr als unglückliche Kommunikation der Bundesregierung ihren Anteil“. „Wichtig ist jetzt, klar und verständlich zu kommunizieren und offene Fragen schnellstmöglich zu klären.“

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So müsse Spahn erklären, ob nach der Einschränkung für Astrazeneca seine Impfstrategie gewährleistet bleibt. Das Vorziehen der Erstimpfungen sollte er mit seinen Amtskollegen aus den Ländern schnell konkret besprechen, forderte die Grüne. „Zugleich müssen die Arztpraxen jetzt endlich umfassend in die Impfkampagne mit einbezogen werden.“

Allein im April 15 Millionen neue Impfdosen

Am Dienstag hatte der Impfstart in den Hausarzt-Praxen nur schleppend begonnen. Die Hausärzte seien startklar, und es hätten sich 35.000 Praxen gemeldet, sagte der Chef des Hausärzteverbands Ulrich Weigeldt dem RBB. Es gebe aber anfangs nur so wenig Impfdosen, dass „wir zunächst im Schnitt ungefähr 20 Dosen pro Praxis bekommen pro Woche“.

Pilotpraxen, die bereits seit März impfen, hätten zwischen 60 und 100 Patienten pro Woche geimpft. Allerdings werden allein im April mehr als 15 Millionen Dosen Nachschub erwartet – mehr als im ersten Quartal gespritzt wurde. Im zweiten Quartal sollen insgesamt 70 Millionen Dosen anrollen.

Für die Linksfraktion zeigt die Nachfrage nach dem „nicht unumstrittenen Impfstoff Astrazeneca, dass die Geduld der Menschen mit der widersprüchlichen Politik der Bundesregierung erschöpft ist“, sagte ihr Sprecher für Gesundheitspolitik, Achim Kessler.

„Anstatt die Lizenzen freizugeben, um möglichst schnell möglichst viel Impfstoffe herzustellen, zwingt die Bundesregierung die Menschen in einen strapaziösen und wirkungslosen Jo-Jo-Lockdown“, so der Linken-Abgeordnete. Die Politik müsse auch Impfstoffhersteller mit Firmensitz außerhalb der EU zulassen und alle Möglichkeiten zur Erhöhung der Produktionskapazitäten ausschöpfen.

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