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Alles Mist? Astrazeneca bietet mehr Chancen als Nebenwirkungen

  • Die Bremse von Bund und Ländern bei diesem Vakzin ist richtig, Politiker können sich nicht über Warnungen einer Impfkommission hinwegsetzen.
  • Was jetzt noch fehlt: vertrauensbildende Maßnahmen.
  • Das ist bei diesem Hersteller schwer, der schon für viel Unmut gesorgt hat.
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Die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten haben die Menschen in den vergangenen Wochen mit etlichen Fehlentscheidungen verunsichert und verärgert, enttäuscht und deprimiert. Hü, hott, raus, rein. Die Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) beschließt einen genauen – an Inzidenzwerte gekoppelten – Stufenplan für Lockdownlockerungen, aber dann weichen Länderregierungschefs davon mal eben wieder ab. Sie ziehen die vereinbarte Notbremse bei steigenden Neuinfektionszahlen – aber gerne mit Ausnahmen.

Oder sie fordern wie Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow einen einheitlichen Stufenplan. Das wirft neue Fragen auf, was der Linke-Politiker während einer Ministerpräsidentenkonferenz eigentlich macht. In dem Beschluss vom dritten März werden fünf Öffnungsschritte in Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen beschrieben. Detailliert und klar. Dazu der verkorkste Osterruhe-Beschluss, den Kanzlerin Angela Merkel zum Anlass für ihre Bitte um Verzeihung für die ganze Verwirrung nahm.

Ein neuer Anlauf der Vertrauensbildung

Die Spitzenpolitiker sind für eine Menge Chaos verantwortlich. Aber für die Schwächen eines Impfstoffs können sie nun wirklich nichts. Das liegt in der Verantwortung der Hersteller. Hier können Politiker deren Chaos nur bestmöglich verwalten. Und das tun sie im Fall von Astrazeneca.

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Regierende haben in einem solchen Fall gar keine andere Wahl, als Empfehlungen von Wissenschaftlern zu folgen. Wenn die Ständige Impfkommission (Stiko) auf Fälle von Hirnvenenthrombosen verweist, müssen sie auf die Bremse treten. Auch wenn nur eine zweistellige Zahl von Patienten mit solchen Blutgerinnseln unter mehreren Millionen mit diesem Vakzin Geimpften bekannt ist. Für jeden weiteren Betroffenen hätten sonst tatsächlich Politiker die Verantwortung. Denn nur sie können über den Umgang entscheiden.

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Was die Bundesregierung und die Länder jetzt herstellen, ist richtig und wichtig: Transparenz. Sie machen die Schwachstellen für alle öffentlich. Damit weiß jeder, dass Probleme nicht vertuscht oder verheimlicht werden. Was jetzt noch fehlt, ist ein neuer Anlauf der Vertrauensbildung.

So ein Mutprobespruch wie vom bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Markus Söder ist da in dieser Phase ziemlich daneben, wonach sich doch mit Astrazeneca impfen lassen solle, „wer will und wer sich’s traut“. Da winkt man gern ab. Mehr Mut macht es, wenn die Bundeskanzlerin sagt, dass sie auch diesen Impfstoff nähme. Aber Merkel ist auch 66 Jahre alt und gehört damit nicht zu der jetzt erfassten Risikogruppe.

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Merkel wirbt nach Astrazeneca-Impfstopp für unter 60-Jährige um Vertrauen
1:44 min
Für jüngere Menschen soll das Vakzin nur auf eigenes Risiko zugelassen werden. Bund und Länder folgen damit der Empfehlung der Ständigen Impfkommission.  © Reuters

Unmut über schwedisch-britischen Konzern groß

Ja, es ist verstörend, dass es erst hieß, Astrazeneca solle nur an Jüngere verimpft werden, und dann treten bei einigen Menschen unter 60 Jahren schwerste Nebenwirkungen auf und einige sterben. Also wurde verkündet, Astrazeneca sei besser für die Älteren. Dass es genügend Impfwillige gibt, die dann doch lieber einen anderen Impfstoff nähmen, ist klar. Und ohnehin ist der Unmut über den schwedisch-britischen Konzern groß, der sich schon bei den Lieferungen als unzuverlässig gezeigt hat.

Aber die allermeisten Mediziner erklären, dass Astrazeneca ein guter Impfstoff sei und die Hirnvenenthrombosen sehr, sehr seltene Erscheinungen seien. Es gibt so viele Medikamente, die wir trotz der markierten möglichen Nebenwirkungen nehmen, weil wir die eigentliche Gefahr bekämpfen wollen. Und so verhält es sich auch mit diesem Impfstoff.

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Für über 60-Jährige gibt es nun die Chance, mit Astrazeneca früher geimpft zu werden, als es die Priorisierung in der Impfkampagne vorsah. Die Gefahr, durch das ersehnte Vakzin zu erkranken, liegt im Promillebereich. Die Gefahr, an Corona zu erkranken und schwerste Folgen davonzutragen, ist dramatisch höher.

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