Ärztepräsident: Ein Schnelltest pro Woche reicht nicht

  • Ärztepräsident Reinhardt ist unzufrieden mit den Corona-Beschlüssen von Bund und Ländern.
  • Er kritisiert nicht nur die neue Teststrategie.
  • Auch die Kopplung der Öffnungsschritte allein an die Infektionsrate hält er für bedenklich.
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Berlin. Ärztepräsident Klaus Reinhardt hält den Beschluss von Bund und Ländern, jedem Bürger künftig einen Schnelltest pro Woche kostenfrei anzubieten, für nicht ausreichend. “Lediglich ein kostenfreier Test pro Woche und Bürger wird kaum ausreichen, die kommenden Öffnungsschritte mit der dafür notwendigen Sicherheit zu flankieren”, sagte Reinhardt dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

“Gerade an Schulen und Kitas brauchen wir mindestens zwei Tests, um Betreuungsangebote und Wechselunterricht für alle Altersstufen sicher anbieten zu können”, betonte der Ärztepräsident.

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Reinhardt kritisierte zudem, die Öffnungsschritte allein an die Infektionsrate zu koppeln. “Wir brauchen sehr viel ausdifferenziertere Kennzahlen zur Beurteilung der Infektionslage, als das allein mit der sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz möglich ist”, sagte er.

Dazu gehöre unter anderem die Zahl der belegten Intensivbetten, die Auslastung der Kliniken insgesamt, die Entwicklung des R-Wertes, die Sterberate sowie die Infektionslage und -entwicklung in den unterschiedlichen Altersgruppen.

“Diese und weitere Parameter sollte dann zu einem Gefahrenindex zusammengeführt werden, der eine verlässliche Grundlage für die Entscheidung über mögliche Öffnungsschritte bieten würde”, so der Ärztepräsident. Grundsätzlich sei es aber richtig, die “Lockdownmaßnahmen vorsichtig und stufenweise sowie unter genauer Beobachtung der Folgewirkungen auf die Infektionsentwicklung in den einzelnen Regionen zurückzuführen”.

Der Ärztepräsident begrüßte zudem, dass ab Ende März auch die niedergelassenen Ärzte gegen Corona impfen sollen. Reinhardt lehnte es aber ab, dass Ärztinnen und Ärzte die Anspruchsberechtigung der Impfwilligen prüfen, wie es in dem Beschluss von Bund und Ländern vorgesehen sei.

“Wir sind keine weitere Priorisierungsinstanz und wir wollen das auch nicht sein”, mahnte Reinhardt. “Die Aufklärung der Menschen über die Impfstrategie der Bundesregierung muss deshalb vor den Praxistüren stattfinden. Wir können das nicht auch noch leisten”, sagte der Ärztepräsident.

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