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Ärzte und Muslime: Impfen in Brennpunktvierteln nötig

  • Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund und der Zentralrat der Muslime unterstützen die Überlegungen für schnelle Corona-Impfungen in sogenannten Brennpunktvierteln.
  • Es gäbe aber keinen Zusammenhang zwischen Migrationshintergrund und dem Corona-Infektionsrisiko, betonte der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime, Ayman Mazyek.
  • Gründe für Erkrankungen seien viel mehr prekäre Lebenssituationen.
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Köln. Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund stellt sich hinter Überlegungen für schnellere Corona-Impfungen in sogenannten sozialen Brennpunktvierteln. Unterstützung erhält er von Ayman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime. Er betont, dass es aber keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Migrationshintergrund und dem Corona-Infektionsrisiko gebe.

„Ich unterstützte ausdrücklich die Forderung der Bundesfamilienministerin, verstärkt mobile Impfteams dort einzusetzen, wo sozial benachteiligte Menschen meist in beengten Wohnverhältnissen leben“, sagte die Marburger-Bund-Vorsitzende Susanne Johna der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Montag). Die Menschen in solchen Stadtteilen seien besonders stark von Corona-Infektionen betroffen. Deshalb müssten die Kommunen dort zusammen mit Ärztinnen und Ärzten einen Schwerpunkt der Impfkampagne setzen.

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Johna forderte zudem bessere Informationsangebote für Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Die Impfkampagne müsse auch die Menschen erreichen, die weder in ein Impfzentrum noch in eine Arztpraxis kommen. „Mit ein paar mehrsprachigen Informationen auf einer Internetseite ist es nicht getan, um diejenigen anzusprechen, die der deutschen Sprache nicht so mächtig sind“, mahnte die Internistin aus Hessen.

Die bisherigen Informationsangebote für Nichtmuttersprachler, vor allem auch deren Präsenz im öffentlichen Raum, seien „völlig unzureichend“. Dabei habe der Bund „seine Hausaufgaben noch nicht erledigt“, kritisierte Johna. Die Kampagne müsse zudem sehr viel mehr soziale Medien nutzen, um die ganze Breite der Bevölkerung, auch die Jüngeren, zu erreichen.

Hohes Infektionsrisiko durch prekäre Wohnverhältnisse

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Der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime, Ayman Mazyek, sieht keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Migrationshintergrund und dem Corona-Infektionsrisiko. In der Tat gebe es aber in sozialen Brennpunkten mit hohem Migrantenanteil hohe Inzidenzen, das habe aber nicht mit der kulturellen Herkunft oder der Religion der Menschen zu tun, sondern mit Armut sowie prekären Arbeits- und Wohnverhältnissen, sagte Mazyek am Montag im Deutschlandfunk.

Wichtig sei es deshalb, verstärkt in die armen Wohnviertel der Ballungsgebiete zu gehen, um die Menschen dort zu impfen, etwa mit Hilfe von Impfbussen, erklärte Mazyek. Impfteams sollten dabei mehrsprachig sein.

Auch als es in den sächsischen Grenzgebieten zu Tschechien zu einem Anstieg der Inzidenzen gekommen sei, habe man dort prioritär geimpft, sagte der Zentralratsvorsitzende. Das gleiche müsse nun in sozial benachteiligten Stadtteilen passieren.

Mazyek: „Die Religion ist nicht Teil des Problems, sondern der Lösung“

Mazyek hob hervor, dass der Kampf gegen Corona in den deutschen Moscheegemeinden „eine Erfolgsgeschichte“ sei. Auf die Unversehrtheit der Menschen zu achten, sei im Islam ein göttliches Gebot, betonte er. Deshalb hätten die Gemeinden die Hygieneregeln streng umgesetzt, auch im Ramadan. „Die Religion ist nicht Teil des Problems, sondern der Lösung“, sagte Mazyek.

RND/epd

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