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Arzt auf Lesbos schlägt Alarm: Psychische Probleme der Migranten nehmen zu

  • Nach dem Brand hat sich die Situation der Flüchtlinge im Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos erheblich verschlechtert.
  • Zu Problemen wie Obdachlosigkeit und Hungersnot kommen laut einer Hilfsorganisation verstärkt psychosomatische Leiden und Suizidgedanken.
  • Denen, denen es vor dem Brand besser ging, geht es wieder schlechter.
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Lesbos. Bei den Migranten auf der griechischen Insel Lesbos verschärfen sich einem Psychologen zufolge durch die aktuelle Situation psychische Probleme. “Jene, denen es zwischendurch besser ging, geht es nach dem Brand von Moria wieder schlechter”, sagte Dukas Protogiros, der auf Lesbos für die Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC) arbeitet. Vor allem die psychosomatischen Leiden verstärkten sich, die Menschen litten unter Stress und Schlaflosigkeit, viele verweigerten das Essen, fielen zurück in ihre ursprünglichen Ängste und Traumata und zögen sogar Suizid in Erwägung.

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"Manche sind überhaupt nicht mehr im Stande, normal zu funktionieren", sagte Protogiros. "Sie trauen niemandem mehr und isolieren sich selbst." Die Menschen auf Lesbos seien zu lange im Nichts hängen gelassen worden. "Sie sagen mir: Ich kann dieses Leben nicht mehr akzeptieren, ich will meinen Kindern so etwas nicht antun, ich will mein Leben beenden."

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Die Organisation IRC, die aktuell 80 Mitarbeiter vor Ort hat und sich seit Jahren vor allem auch um den psychischen Zustand der Migranten kümmert, fordert deshalb, die Menschen sofort aufs Festland zu bringen und nachhaltige Lösungen zu finden. “Auf das Festland in Sicherheit und dann weiter in andere EU-Staaten, wo die Menschen Freunde und Familie haben”, sagte Protogiros.

RND/dpa

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