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  • Armin Laschet: Wie der CDU-Chef um sein Image als Krisenmanager bei dem Hochwasser kämpft

Merkel hilf! Wie Armin Laschet um sein Image als Krisen­manager kämpft

  • Unions­kanzlerkandidat Armin Laschet hat in der Hochwasser­katastrophe bislang nicht das beste Bild als Krisen­manager abgegeben.
  • Gemeinsam mit Bundes­kanzlerin Angela Merkel besucht er das schwer beschädigte Bad Münstereifel.
  • In Aussicht gestellt werden: Finanz­hilfen, einfache Antrags­formulare und eine schnelle Müll­abfuhr.
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Berlin. Nun ist Angela Merkel doch noch gekommen. Die Kanzlerin hat sich das hochwasser­geschädigte Bad Münstereifel zeigen lassen: die Schutt­berge in den Straßen, die Lager mit Lebens­mittel- und Kleider­spenden, die Aufräum­arbeiten.

Sie hat mit Helfern gesprochen, die Bürger­meisterin vor einem vorbei­drängenden Schubkarren­mann in Sicherheit gebracht und schließlich vor rot-weißen Absperr­gittern auf einer aufgerissenen Straße schnelle Hilfe zugesagt. Armin Laschet war an ihrer Seite, im weißen Hemd mit aufgekrempelten Ärmeln und sorgen­vollem Blick.

Die Kanzlerin und der nordrhein-westfälische Minister­präsident besichtigen gemeinsam Hochwasser­schäden, das gehört zum normalen Regierungs­geschäft in einer Krise. Aber zwischen den rot-weißen Gittern gibt es noch eine weitere Ebene: Laschet ist Unions­kanzlerkandidat – und so richtig gut ist sein Hochwasser­einsatz bisher nicht gelaufen.

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Merkel zu Hochwasser: „Erschreckende Schäden, entsetzliche Zustände“
1:54 min
Nach der Hochwasserkatastrophe hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag Bad Münstereifel besucht.  © Reuters

Lachen oder Handhalten

Krisen­kompetenz bei Natur­katastrophen bescheinigten dem CDU-Mann jedenfalls in einer aktuellen Civey-Umfrage für den Spiegel nur 26 Prozent. Das ist bemerkens­wert: Eigentlich sind Krisen­zeiten gute Zeiten für Regierungs­chefs. Sie sind präsent, sie können handeln und Hilfe zusagen.

Nun scheint es eher so, dass Laschet Hilfe nötig hat.

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„Die Kanzlerin hätte sich die Lage auch in Nordrhein-Westfalen anschauen können“, wurde in der CDU missmutig vermerkt, nachdem Merkel am Sonntag zunächst ins ebenso hochwasser­geschädigte, aber eben SPD-regierte Nachbar­land Rheinland-Pfalz gekommen war.

Es war wohl mit Bedacht so gewählt, eine Arbeits­teilung mit dem Bundes­präsidenten Frank-Walter Steinmeier, die Parteilichkeit und den Vorwurf von Wahl­kampf­hilfe in Not­situationen vermeiden sollte: Die CDU-Kanzlerin zeigt sich solidarisch an der Seite der SPD-Minister­präsidentin Malu Dreyer, der SPD-Bundes­präsident tritt mit Laschet auf.

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Weil Laschet dann im Hintergrund ausgiebig lachte, während der Präsident seine Betroffenheit in die Mikrophone sprach, wirkte Merkels Besuch in Rheinland-Pfalz wie eine miss­billigende Distanzierung. Kein Lachen in den Orten Schuld und Adenau, statt­dessen ein ganz anderes ikonisches Bild, eines der Solidarität, nicht der scheinbaren Unernsthaftigkeit: Dreyer und Merkel Hand in Hand, wegen der Muskel­krankheit der Minister­präsidentin.

Die Interviews gerieten zu einem Abwehr­kampf

Laschet mühte sich. Er entschuldigte sich für das Lachen, was allerdings nur so halb gelang. Bundes­innenminister Horst Seehofer ließ sich von ihm eine Tal­sperre zeigen – ausgerechnet der Minister allerdings, der nun wegen fehlender Katastrophenfall­vorbereitung in der Kritik steht.

Er behauptete, in der Katastrophe keine Bilder produzieren zu wollen und ließ sich vom angeblich presse­losen Besuch zu einem Interview mit dem Fernseh­sender der „Bild“-Zeitung schalten – vor einer überfluteten Straße. Seine Interviews, in denen Journalisten nach fehlender Vorbereitung und mangelndem Engagement der Union für den Klima­schutz fragten, wurden zum Abwehr­kampf, in dem die Antworten meist mit „Nein“, begannen.

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Wegen einem Ereignis müsse man jetzt nicht seine Politik ändern, verkündete Laschet in einem dieser Interviews. Am nächsten Tag forderte er „mehr Tempo“ beim Klima­schutz.

Laschet mache als Katastrophen­manager nicht die allerglücklichste Figur, sagen auch Unions­politiker. Sein erst vor wenigen Wochen bezwungener Konkurrent um die Kanzler­kandidatur, CSU-Chef Markus Söder, kommentierte die Lage auf die ihm eigene Weise: Am Mittwoch verabschiedet das bayerische Kabinett ein Klimaschutz­programm.

Merkel presst die Lippen aufeinander, als müsse sie sich bemühen, nicht mitzuweinen

Aber nun ist ja eben doch noch die Kanzlerin da, die der Union so gute Wahl­ergebnisse beschert hat, nun aber nicht mehr antreten wird bei der Bundestags­wahl. In ihren letzten Amts­monaten nimmt sie nun noch eine weitere Krise mit.

Auf ihrem Weg durch die Bad Münstereifler Altstadt, in der die Erft vom reißenden Strom wieder zum eher unschuldig plätschernden Flüsschen geworden ist, spricht sie eine Frau an. Sichtlich erschüttert erzählt sie von ihrer Lage: Die Schultern beben, die Bürger­meisterin greift beruhigend nach ihrem Arm, ein Begleiter legt stützend den Arm um die Frau. Merkel presst die Lippen aufeinander, als müsse sie sich bemühen, nicht mitzuweinen. Sie habe die Lage ihrer Mitarbeiter geschildert, sagt die Frau später dem Fernseh­sender Welt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besucht mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet Bad Münstereifel und spricht mit den Einwohnern, die von der Hochwasserkatastrophe betroffen sind. © Quelle: Getty Images
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Diese stünden nun wegen der Schäden in ihrem Betrieb möglicherweise erneut vor der Kurzarbeit, nach einer langen Kurzarbeits­phase wegen der Corona-Pandemie. Kurzarbeit, das bedeutet Weiter­beschäftigung, aber eben dennoch weniger Geld. „Jeder Cent fehlt“, sagt die Frau. Bei erneuten Einbußen „fehlt ihnen so viel finanzieller Halt“.

Merkel und Laschet hätten den Eindruck vermittelt, dass sie das Problem verstanden hätten. „Die haben zugehört“, sagt die Frau. „Der Sender stand auf Empfang.“ Schon dafür habe sich die Visite gelohnt. „Ich finde es gut, dass die Spitzen­politiker diese Besuche machen.“ Es mache einen Unterschied, wenn ein Politiker vor Ort „die Bilder sieht und hautnah die Wirkung spürt“.

400 Millionen Euro Sofort­hilfe

„Vielen Dank, dass wir hier sein durften, obwohl Sie diese Riesen­probleme haben“, sagt Merkel im Anschluss bei einer Frei­luft-Presse­konferenz. Sie verweist auf die Sofort­hilfe, die das Bundes­kabinett am Mittwoch auf den Weg bringen will. Nach RND-Informationen werden der Bund und die betroffenen Länder zusammen 400 Millionen Euro Sofort­hilfe bereitstellen. Ein neuer Bund-Länder-Fonds für Starkwetter­ereignisse soll für künftige Fälle vorsorgen.

In Rheinland-Pfalz hat Merkel einen zweiten Besuch im August versprochen. In Bad Münstereifel sagt sie, auch hier werde sie wieder­kommen, wahrscheinlich werde sie dann nicht mehr Kanzlerin sein.

Laschet versichert, die Antrags­formulare würden sehr einfach gestaltet. Als nächstes gehe es jetzt darum, den Müll aus den betroffenen Regionen abzutransportieren. Partei­politik spiele in der Krise keine Rolle, versichert er. Dann ist die Presse­konferenz beendet und der Mann, der Kanzler werden will und um sein Image als Krisen­manager kämpft, haut mit der Hand­kante auf das Redner­pult.

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