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Laschet setzt sich durch – aber die Union ist gespalten

  • In einer nächtlichen Abstimmung des CDU-Vorstands sprechen sich 31 Mitglieder für den eigenen Parteichef als Kanzlerkandidaten aus.
  • Neun votieren für den CSU-Vorsitzenden Markus Söder.
  • Der Union fehlt aber der gemeinsame Aufbruch.
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Berlin. Es ist Tag eins nach dem gebrochenen Versprechen. Armin Laschet und Markus Söder haben sich nicht bis Sonntag „freundschaftlich und einvernehmlich“ darauf geeinigt, wer Kanzlerkandidat der Union werden soll. Am Montag kann das schon deshalb nicht nachgeholt werden, weil der CDU-Chef und der CSU-Chef nach ihrer nächtlichen Beratung mit Vertrauten in der Hauptstadt ergebnislos auseinandergehen. Söder reist nach München zurück und gibt eine denkwürdige Pressekonferenz. Laschet kämpft in Berlin weiter.

Öffentlich beginnt das um kurz nach 13 Uhr, als er für eine Botschaft aus dem Konrad-Adenauer-Haus kommt. Es geht um die Kanzlerkandidatur – allerdings um die der Grünen. Deren Parteivorsitzende Annalena Baerbock und Robert Habeck haben geschafft, was Söder und Laschet in diesem Wahlkampf nicht mehr erreichen können: eine freundschaftliche und einvernehmliche Entscheidung.

Laschet gratuliert Baerbock und sagt ihr einen fairen Wahlkampf zu. Er spricht so, als wäre er selbst schon der Kanzlerkandidat der Union. Er bemüht sogar den Populisten und Spalter Donald Trump, um indirekt vor Söder zu warnen. So tief ist der Graben zwischen den Schwesterparteien jetzt. Laschet nennt Söder natürlich nicht namentlich, aber was er Baerbock alles verspricht, wirkt wie ein Ruf in die eigene Union: „Wir müssen menschlich, fair miteinander umgehen. Das muss man ohnehin in Wahlkämpfen, aber man muss es ganz besonders in diesen Zeiten der Pandemie, wo die Menschen existenzielle Ängste haben.“

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Dann kommt er recht unvermittelt auf den Vorgänger von US-Präsident Joe Biden: „Wir wissen aus den USA, was es bedeutet, polarisierte Wahlkämpfe zu führen, und wir wissen auch, wie lange nach einer demokratischen Entscheidung dort ein neuer Präsident immer noch braucht, um das Land wieder zu versöhnen. Das sollen wir uns in Deutschland ersparen.“ Schließlich verspricht er: „Es wird ein fairer, ein frischer, vielleicht auch manchmal ein fröhlicher, jedenfalls ein ernsthafter Wahlkampf werden.“ Und zwar mit „Menschlichkeit“.

Vor seinem Statement hat er seinem bayerischen Kontrahenten eine SMS geschickt. Er werde für 18 Uhr eine digitale Sitzung des CDU-Bundesvorstands einberufen. Söder könne daran teilnehmen. Simsen statt sprechen. Reden hilft in diesem Moment nicht mehr. Söder winkt in seiner für 14 Uhr angesetzten Pressekonferenz nach einer Sitzung des CSU-Präsidiums öffentlich ab. Es sei alles gesagt. Die CDU müsse jetzt entscheiden. Sie sei die größere Schwester, er akzeptiere das. Das CSU-Präsidium spricht sich erneut für Söder als Nummer eins aus.

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Der bayerische Ministerpräsident betont auch noch einmal, er stehe weiter bereit, die Kandidatur zu übernehmen, sofern die CDU dies wolle. Aber: „Wird es Armin, hat er meine volle Unterstützung und die Rückendeckung der CSU.“ Er werde keinen „Groll“ hegen. Auf die Frage, ob Laschet dann Kanzlerkandidat der Union sei, wenn sich der CDU-Vorstand am Abend einhellig dafür aussprechen sollte, antwortet Söder mit Ja.

Söder sagt noch, er müsse sich – Kanzlerin Angela Merkel habe ihm das auch mal gesagt – weiter in einer besonderen Disziplin üben: In der Ruhe liegt die Kraft. „Das will ich jetzt optimieren.“ Und er fügt hinzu: „Irgendwie wird es am Ende ein gutes Ergebnis sein.“

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Video
Duell zwischen Laschet und Söder in der Union: „Es gibt keine gemeinsame Basis mehr“
5:16 min
Weiterhin steht aus, ob Armin Laschet oder Markus Söder Kanzlerkandidat der Union wird. Vor der Entscheidung blickt Eva Quadbeck auf das finale Duell.  © RND

Der Haudegen, der Baumumarmer, der Möbelpacker unter den Politikern gibt nach? Seine Unterstützer sind enttäuscht und wütend auf Laschet. Söder selbst wirkt in diesem Moment niedergeschlagen. Vielleicht hat er Laschets Stehvermögen unterschätzt.

Mehr als sechs Stunden diskutiert der CDU-Vorstand

Dieses wird ab 18 Uhr aber wieder auf die Probe gestellt. Mehr als sechs Stunden diskutieren die Mitglieder in einer Videokonferenz. Es gibt Dutzende Wortmeldungen. Vor einer Woche hatte Laschet von Präsidium und Vorstand noch eine einmütige, wenn auch nicht einstimmige Unterstützung bekommen. Jetzt hört er laute Rufe nach Söder. Sachsen etwa meldet, Landesverband und Landtagsfraktion seien für Söder. Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff ist inzwischen offen für Söder. In Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg ist die Stimmung aber gemischt. Berlin plädiert für Söder.

+++ Hier können Sie den Tag rund um die K-Fragen von Union und Grünen noch einmal nachlesen +++

Ausgerechnet Laschets glücklose Vorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer, die er in deren Krisen als Parteichefin so manches Mal hat hängen lassen, steigt nun für ihn in die Bütt. Kramp-Karrenbauers Nachfolger als Ministerpräsident im Saarland, Tobias Hans, ist für Söder. Aber aus den großen Landesverbänden NRW und Baden-Württemberg und dem kleinen Bremen bekommt Laschet Rückhalt.

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Der 60-Jährige will, dass abgestimmt wird. Er erzählt, dass viele CDU-Mitglieder ihm gesagt hätten: „Du musst stehen.“ Deshalb findet er: „Heute ist der Tag, dies zu entscheiden.“

Nach Mitternacht wurde dann entschieden: 31 von 46 Stimmberechtigten votierten für Laschet, neun für Söder, sechs enthielten sich.

Bleibt Söder bei seiner Zusicherung, dass Laschet Kanzlerkandidat wird, wenn der CDU-Vorstand es will, dann hat er es jetzt geschafft. Aber es gibt keine gemeinsamen Jubelfotos, die Schwesterparteien haben auch noch kein gemeinsames Wahlprogramm und sie vermitteln keine Aufbruchstimmung durch ihre Personalentscheidung. Ein Bild gibt es trotzdem: das einer zerrissenen Union.

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