CDU-Chef Laschet bei RND vor Ort: „Mein Vater guckt zu viel Google“

  • Nach stürmischen Wochen steht Unionskanzlerkandidat Armin Laschet beim Bühnentalk „RND vor Ort“ Rede und Antwort.
  • Es geht um die Ohnmacht angesichts der Ereignisse in Afghanistan, Wahlkampffouls der SPD und die „wildgewordene“ Twitter-Gemeinde.
  • Außerdem verrät der CDU-Chef, was der Kampf ums Kanzleramt mit seiner Familie macht.
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Warnemünde. Wollte man die zurückliegenden Wochen des Armin Laschet mit einem einzigen Wort beschreiben, wäre das Attribut „stürmisch“ keine ganz schlechte Wahl.

Und stürmisch ist auch das Ostseewetter am Dienstagmorgen, als der CDU-Chef in Warnemünde eintrifft, wo das RedaktionsNetzwerk Deutschland zum Bühnentalk „RND vor Ort“ einlädt. Immerhin macht der Regen eine kurz Pause als die schwarzen Limousinen anrollen, so dass Laschet die letzten Meter zum Kongresszentrum zu Fuß zurücklegen kann.

Video
Armin Laschet bei „RND vor Ort“: Die wichtigsten Momente im Video
4:24 min
Im Talkformat „RND vor Ort“ stellen sich die Kanzlerkandidaten den Fragen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND). Dieses Mal zu Gast: Armin Laschet (CDU).  © RND
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75 Minuten stellt sich der Kanzlerkandidat von CDU und CSU den Fragen von RND-Vize-Chefredakteurin Eva Quadbeck und „Ostsee-Zeitung“-Chef Andreas Ebel. Auch die Leserinnen und Leser der Madsack-Titel kommen zu Wort.

Gleich zu Beginn wird es emotional. Quadbeck will von Laschet wissen, mit welchen Gefühlen er die Bilder vom Flughafen Kabul gesehen habe, wo sich am Montag verzweifelte Menschen an startende Militärmaschinen geklammert hatten. „Schrecklich”, sagt Laschet. „Man erlebt Ohnmacht”.

Der CDU-Politiker versucht gar nicht erst, die Lage schönzureden. „Das ist das größte Debakel, das die Nato seit ihrer Gründung erlebt hat“, sagt er. Man müsse die richtigen Lehren daraus ziehen. Das Konzept des „Nation-Buildings“, des militärischen Eingreifens, um eine Diktatur zu beenden und eine Demokratie aufzubauen, sei in den vergangenen 20 Jahren fast durchgängig gescheitert.

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Es ist ein bitteres Fazit, eine generelle Absage an Auslandseinsätze der Bundeswehr will Laschet daraus aber nicht ableiten. „Solche Auslands­einsätze muss man gründlich abwägen, und wenn man sie macht, muss man sie richtig machen“, sagt er. Im Falle eines Wahlsieges werde er einen dauerhaften Nationalen Sicherheitsrat im Kanzleramt einrichten. Alle wichtigen Ministerien müssten kritische Lagen regelmäßig und gemeinsam erörtern – nicht nur Bundeskanzler und Außenminister.

Laschet: Unsere Industrie braucht Strom

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Das zweite Thema ist der Klimawandel. Laschet bekennt sich zu dem Ziel, den CO₂-Ausstoß schneller als geplant zu senken, auch ein Kohleausstieg vor 2038 ist aus seiner Sicht möglich. Einen konkreten Zeitpunkt allerdings will er nicht festlegen. „Die Frage ist ja nicht, legen wir irgendeine Zahl fest, die Frage ist doch, wie sichern wir die Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit von Strom in Deutschland“, sagt er. „Unsere Industrie braucht Strom, wenn wir noch Industrieland sein wollen.“

Mit Blick auf den Wahlkampf beklagt der CDU-Kanzlerkandidat Verkürzungen und Aufgeregtheit – vor allem in sozialen Medien. Als Beispiel nennt er die Debatte über seinen Auftritt mit Tesla-Chef Elon Musk im brandenburgischen Grünheide.

Armin Laschet (l.) auf der Bühne mit Eva Quadbeck und Andreas Ebel. © Quelle: Frank Söllner

Anders als vielfach dargestellt habe er den Elektropionier nicht gefragt, ob die Zukunft des Automobils elektrisch sei, sagt Laschet. „Völlig bescheuert ist man ja nicht.“ Aus Nettigkeit habe er lediglich eine Journalistenfrage übersetzt, die dann – verkürzt wiedergegeben – in der „wild gewordenen Twitter-Gemeinde“ für einen Skandal gereicht habe.

Laschet beklagt „Klima der Desinformation“

„So läuft das jeden Tag im Moment, jeden Tag wird verkürzt“, klagt Laschet. „Wir sind in einem Klima der Desinformation.“ Selbst ein großer öffentlich-rechtlicher Sender habe sich schon bei ihm für verkürzte Darstellungen entschuldigen müssen.

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Auch mit SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz geht Laschet an diesem Tag ins Gericht. Für einen Wahlwerbespot der SPD, in dem der Chef der NRW-Staatskanzlei und wichtige Laschet-Vertraute Nathanael Liminski als „erzkatholisch“ bezeichnet worden war, nimmt er Scholz persönlich in die Haftung.

„Das ist eine völlig neue Qualität, die Olaf Scholz da in den Wahlkampf gebracht hat, über religiöse Einstellungen von Mitarbeitern zu diskutieren“, kritisiert er. „Das gehört mit zu den Absurditäten dieses Wahlkampfs.“

Er werde diesen Stil nicht übernehmen, so Laschet. „Ich werde nicht in das Persönliche gehen oder Personen angreifen.“

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Seine Botschaft an CDU und Schwesterpartei CSU: Nerven behalten. „Mir war immer klar, dass alle in diesem Wahlkampf gegen die Union sein werden“, sagt er. An die Erzählung, dass die Wahl bereits gewonnen sei, habe er nie geglaubt. Zwar nehme er beide seiner Kontrahenten um das Kanzleramt ernst und halte viele Konstellationen für möglich, die Bewegungen in den Umfragen der vergangenen Wochen zeigten aber, dass auch die Union wieder zulegen könne.

Keine Steuererhöhungen: „Das verspreche ich“

Laschet sagt zu, dass es mit ihm als Kanzler keine Steuererhöhungen geben würde. „Das verspreche ich. Das wollen wir nicht.“ Es wäre wirtschaftlich falsch, jetzt Steuern zu erhöhen, erklärte er „Steuererhöhungen würgen wirtschaftliches Wachstum ab.“

Am Ende des Talks gewährt Laschet noch einen kleinen Einblick in die Belastungen, die so ein Wahlkampf für Familienangehörige bedeutet. „Mein Vater guckt viel zu viel Google. Der verfolgt den ganzen Tag, was irgendwo bei Google News über mich steht, und das macht ihn dann verrückt.“

Er selbst lese immer weniger, was alles über ihn geschrieben werde, dazu fehle ihm schlicht die Zeit, so der NRW-Ministerpräsident. Und mit einem kleinen Augenzwinkern fügt er hinzu: „Nur das RND und die ‚Ostsee-Zeitung‘, die lese ich natürlich.“

Am 26. August geht der Bühnentalk „RND vor Ort“ weiter, dann kommt Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock nach Hannover.

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