Armin Laschet: Kandidatur mit dem Rücken zur Wand

  • Während andere Parteien nun in den Wahlkampf starten, muss Armin Laschet erst einmal das zerschlagene Familienporzellan von CDU und CSU zusammenfegen.
  • Ihm droht auch in den nächsten Monaten viel Ungemach aus den eigenen Reihen.
  • Für Grüne und SPD ist der weltoffene Rheinländer ein schwieriger Gegner, kommentiert Eva Quadbeck.
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Berlin. Im verlustreichen Kampf um Merkels Erbe ist Armin Laschet übrig geblieben. Am Ende hat sich der Rheinländer die Kanzlerkandidatur ertrotzt – gegen die öffentliche Meinung, gegen die CSU, gegen weite Teile seiner eigenen Parteibasis, gegen manches Führungsmitglied der CDU.

Zur Bundestagswahl am 26. September wird es nicht mehr darauf ankommen, mit welcher Haltungsnote Laschet seine Kandidatur gewonnen hat. Dennoch startet er nach dieser irrationalen öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Rücken zur Wand in den Wahlkampf.

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Laschet gilt als Meister der Integration. Es wird ihn aber viel Zeit und Kraft kosten, seine Kritiker, seine Gegner und die in Teilen wütende Basis auf sein Ziel, die Kanzlerschaft, zu verpflichten. Zeit und Kraft, die er eigentlich für seinen Wahlkampf gegen die mit Annalena Baerbock an der Spitze sehr gut aufgestellten Grünen und eine kampfeslustige SPD braucht.

Zeit und Kraft, die er für die Entwicklung eines Wahlprogramms und einer überzeugenden Kampagne benötigt. Zeit und Kraft, die es ihn kosten wird, das durch die Auseinandersetzungen zerschlagene Familienporzellan der Union zusammenzufegen. Nicht zu vergessen: Zeit und Kraft, die er auch noch als Ministerpräsident in NRW braucht, um dort die Pandemie zu bekämpfen.

Ähnliche Situation wie am Ende der Ära Kohl

Dabei müsste Laschet jetzt zum Angriff blasen. Wenn er nach 16 Jahren Merkel, nach denen die CDU inhaltlich entleert und müde regiert dasteht, die Union im Kanzleramt halten will, geht das nur mit frischen Ideen, Aufbruch und Neustart. Von all dem ist bislang bei der Union nichts zu spüren. Stattdessen macht sich im Land Wechselstimmung breit. Ein wenig wie am Ende der Ära Kohl, als SPD und Grüne ein zwar solide geführtes aber dringend reformbedürftiges Land übernahmen.

Diesen Reformstau gibt es nun wieder. Wenn die Pandemie abgeklungen ist, werden sich im Sommer die Defizite auf den Feldern Bildung, Digitalisierung, Wirtschaft und Klima umso stärker zeigen. Die Grünen – seit 16 Jahren im Bund in der Opposition – treten an, um in ebendiese Wunden ihren Finger zu legen und neue Konzepte anzubieten.

Laschet muss vor allem mit Ungemach aus den eigenen Reihen rechnen

Während die Grünen mit ihrer Spitzenkandidatin derzeit wie ein Gesteinsblock in der Landschaft stehen, wird Laschet im Wahlkampf an vielen Fronten kämpfen müssen. Die CSU wird kreativ genug sein, ihn mit irgendeinem Thema zu piesacken, das das Aufregerpotenzial von Ausländer-Maut oder Mütterrente besitzt. Die CSU wird Laschet zum Getriebenen im Wahlkampf machen. Auch in seiner heimischen Regierung mit den Liberalen dürfte es in den Monaten vor der Bundestagswahl ungemütlicher werden.

Laschet droht also vor allem Ungemach aus den eigenen Reihen. Für Grüne und SPD ist er hingegen ein schwieriger Gegner. Er war und ist ein Politiker der Mitte, ein Proeuropäer, ein weltoffener Rheinländer. Er bietet in seiner umarmenden Art der Kommunikation wenig Angriffsfläche. Grüne und SPD werden auf die Fehler warten müssen, die er macht, wenn er unter Beschuss aus den eigenen Reihen steht oder wenn in NRW was schiefläuft. Diese Fehler werden gewiss passieren.

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Söder hat dem Rivalen seine Unterstützung nur halbherzig zugesagt. Man wird sich im Wahlkampf noch an den Satz seines Generalsekretärs erinnern, der den Chef als „Kandidaten der Herzen“ bezeichnet. Die CSU wird es immer wieder jucken, unter Beweis zu stellen, dass Söder der Bessere gewesen wäre. Am besten ließe sich das durch ein grandioses Abschneiden der CSU in Bayern und einer Niederlage der CDU im Bund belegen.

Laschet hat jedenfalls nur diesen einen Schuss am 26. September frei. Sollte er nicht Kanzler werden, wäre auch seine Karriere beendet, als Parteichef und mutmaßlich 2022 als Ministerpräsident in NRW.

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