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Armin Laschet fühlte „Ohnmacht“ anlässlich der Bilder vom Flughafen Kabul
Armin Laschet fühlte „Ohnmacht“ anlässlich der Bilder vom Flughafen Kabul
- Beim zweiten Talk der Veranstaltungsreihe „RND vor Ort“ ist Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) zu Gast.
- Er sagt zur Lage in Afghanistan, dass er sich angesichts der Bilder vom Flughafen Kabul machtlos gefühlt habe.
- „Das ist das größte Debakel, das die Nato seit ihrer Gründung erlebt hat“, so Laschet.
Berlin. Armin Laschet hat sich angesichts der Bilder vom Flughafen Kabul machtlos gefühlt. Das sagte der CDU-Kanzlerkandidat am Dienstag bei der Veranstaltungsreihe „RND vor Ort“ des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) in Warnemünde (ab 14 Uhr hier im Videostream zu sehen).
„Schrecklich, man erlebt Ohnmacht“, sagte Laschet auf die Frage, was er beim Betrachten der Bilder von Menschen, die sich an Flugzeuge klammern, gefühlt habe. „Das ist das größte Debakel, das die Nato seit ihrer Gründung erlebt hat“, so der CDU-Politiker weiter.
Das Konzept des „Nation-Building“ sei gescheitert, betonte Laschet. „Das ist eine Lehre aus den letzten 20 Jahren, dass das Ziel Systemwechsel - militärisch einzugreifen, um eine Diktatur zu beenden und eine Demokratie aufzubauen - fast durchgängig gescheitert ist“, sagte er. Er sei „etwas überrascht“ über eine Erklärung von US-Präsident Joe Biden gewesen, wonach „Nation-Building“ nie das Ziel der Mission in Afghanistan gewesen sei, bekannte Laschet.
Man müsse die Sicherheitslage in Afghanistan auch nach Ende der Rettungsmission beobachten, forderte der CDU-Politiker. „In Afghanistan darf kein neuer rechtsfreier Raum entstehen.“
Laschet will Nationalen Sicherheitsrat im Kanzleramt
Im Falle eines Wahlsieges will Laschet im Kanzleramt einen dauerhaften Nationalen Sicherheitsrat einrichten, wie er bei „RND vor Ort“ weiter sagte. „Ich würde einen Nationalen Sicherheitsrat im Kanzleramt einrichten, in dem auch andere Ministerien beteiligt sind und die Lage erörtern“, sagte Laschet wörtlich.
Auslandseinsätze der Bundeswehr werde es auch künftig geben, sagte der CDU-Politiker. „Wenn Hilfe der Bundeswehr zur Stabilisierung im deutschen Interesse erforderlich ist, dann ja“, antwortete er auf die entsprechende Frage. „Solche Auslandseinsätze muss man gründlich abwägen, und wenn man sie macht, muss man sie richtig machen“, so Laschet.
Der Abzug aus Afghanistan sei zu schnell und zu unkoordiniert erfolgt, räumte Laschet ein. „Ich würde jetzt keine Schuld verteilen, aber eines ist klar, wenn die USA sagen, wir gehen raus, müssen alle anderen folgen“, betonte er.
Laschet beklagt „Klima der Desinformation“ im Wahlkampf
Laschet beklagte sich in dem Talk zudem über Verkürzungen und Aufgeregtheit beim Wahlkampf in den sozialen Medien. Als Beispiel nannte er die Debatten über seinen Auftritt mit Tesla-Chef Elon Musk sowie über seinen Satz vom Montag, wonach sich das Jahr 2015 nicht wiederholen dürfe.
„So läuft das jeden Tag im Moment, jeden Tag wird verkürzt“, sagte er. „Wir sind in einem Klima der Desinformation“, so Laschet weiter. „Auch ein großer öffentlich-rechtlicher Sender musste sich schon entschuldigen.“
Er habe Musk nicht gefragt, ob die Zukunft des Automobils elektrisch sei, beteuerte Laschet. „Ich habe ihn nicht darauf angesprochen.“ Er habe lediglich aus Nettigkeit eine Journalistenfrage übersetzt, woraus dann eine „wild gewordene Twitter-Gemeinde“ einen Skandal gemacht habe, so Laschet. Er selbst habe mitnichten versucht, mit dem Tesla-Chef über die Sinnhaftigkeit der Elektromobilität zu diskutieren, betonte Laschet. „Völlig bescheuert ist man ja nicht.“
Laschet will aber trotz der aktuell sinkenden Umfragewerte im Wahlkampf gelassen bleiben. „Mir war immer klar, dass alle in diesem Wahlkampf gegen die Union sein werden“, sagte er. „Uns war klar, dass sich das gesamte politische Spektrum auf uns konzentrieren und einschießen werde“, so Laschet weiter. Er sei nie davon ausgegangen, dass die Wahl bereits gewonnen sei, betonte der CDU-Chef.
Er nehme beide seiner Kontrahenten um das Kanzleramt ernst, so Laschet weiter. „Es sind immer viele Konstellationen möglich.“ Mit Blick auf SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz sagte Laschet: „Ich habe ihn nie abgeschrieben. Dass man aus schlechteren Umfragen bessere machen kann, zeigt er gerade.“ Das bedeute aber auch, dass die Werte der Union wieder steigen könnten.
Laschet nahm Scholz persönlich in die Verantwortung für einen Wahlwerbespot der SPD, in dem der Chef der NRW-Staatskanzlei Nathanael Liminski als „erzkatholisch“ bezeichnet worden war. „Das ist eine völlig neue Qualität, die Olaf Scholz da in den Wahlkampf gebracht hat, über religiöse Einstellungen von Mitarbeitern zu diskutieren“, kritisierte er. „Das gehört mit zu den Absurditäten dieses Wahlkampfs.“
Er werde diesen Stil nicht übernehmen, so Laschet. „Ich werde nicht in das Persönliche gehen oder Personen angreifen.“ Er selbst sei religiös, aber alles andere als ein Missionar, betonte der CDU-Chef. Auf die Frage, wie viel Katholizismus mit ihm ins Kanzleramt einziehen werde, antwortete Laschet: „Ich werde meine Religion nicht ablegen, aber ich bin keiner, der sie nach außen trägt.“
Laschet: „Mein Vater guckt viel zu viel Google”
Laschet hat bei dem Talk auch einen kleinen Einblick in die Belastungen des Wahlkampfs für Familienangehörige gewährt. „Mein Vater guckt viel zu viel Google. Der verfolgt den ganzen Tag, was irgendwo bei Google News über mich steht, und das macht ihn dann verrückt”, sagte er in Warnemünde. „Ich habe ihm gesagt, er soll da weniger reingucken”, so Laschet weiter. Er selbst lese immer weniger, was alles über ihn geschrieben werde.
Mit seiner eigenen Leistung als dreifacher Vater ist Laschet laut eigener Auskunft ganz zufrieden. Er räumte aber ein, dass er wegen seiner politischen Karriere bei seinen Kindern unterschiedlich präsent gewesen sei. „Bei meinem ältesten Sohn Joe habe ich noch sehr viel mitgewickelt und war dabei”, so Laschet. Damals sei er auch noch nicht Berufspolitiker gewesen.
Auch seine Tochter Eva habe noch viel von ihrem Vater mitbekommen. „Ich war in der Startphase sehr intensiv dabei, nachher wurde es aber komplizierter”, so Laschet. Auf die Frage, ob er als Vater rückblickend etwas anders machen würde, antwortete er aber: „Nee, eigentlich nicht.”