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Ein blaues Auge für Laschet

Dreiviertel des CDU-Vorstandes hat sich für Armin Laschet als Kanzlerkandidaten ausgesprochen.

Berlin. CDU-Chef Laschet kommt mit einem blauen Auge aus der entscheidenden Vorstandssitzung zur Kanzlerkandidatur. Dreiviertel des CDU-Führungsgremiums hat sich für ihn ausgesprochen. Das ist zu wenig, um von einem überzeugenden Ergebnis zu sprechen und zu viel, um zu sagen: So kann er nicht antreten.

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Klar aber ist: Wenn Laschet nun der Kanzlerkandidat der Union werden sollte, wird er mit einem Mühlstein um den Hals an den Start gehen, so sehr hat der zersetzende Kampf um die Kanzlerkandidatur die Union für die nächsten Monate beschwert.

Kanzler-Frage: Laschet will Lösung vorstellen

CDU-Parteichef Armin Laschet kündigt an, dem CDU-Vorstand am Montagabend eine Lösung für die Kanzlerfrage der Union zu unterbreiten.

Laschet fehlt viel, was ein Kanzlerkandidat für einen erfolgreichen Wahlkampf braucht: starker Rückhalt in den eigenen Reihen, eine geschlossene Partei, eine programmatische Aufstellung und gute Umfragewerte.

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Mehr noch: Ihm fehlt nicht nur der Rückenwind aus den eigenen Reihen. Er könnte nun der Kandidat zweier unversöhnlicher Lager werden: Auf der einen Seite diejenigen, die es Söder mit seinen guten Umfragewerten und seiner offensiven Rhetorik zutrauen, das Kanzleramt zu erobern. Auf der anderen Seite diejenigen, die es Laschet mit seinem Sinn für integratives Vorgehen und seiner defensiven Rhetorik zutrauen, das Kanzleramt zu führen.

Inhaltlich ist die Union blank

Nach dieser Schlacht werden CDU und CSU kaum noch einen gemeinsamen und effizienten Wahlkampf führen können. Die Union ist blank. Während sich die anderen Parteien schon programmatisch aufgestellt haben, gibt es bei der Union noch nicht einmal das Konzept für ein gemeinsames Wahlprogramm.

Eine gemeinsame Programmatik bedarf eines konstruktiven Miteinanders. Davon ist die Union aktuell so weit entfernt wie Berlin von München. Wird Laschet Kanzlerkandidat, wird die CSU die große Schwester wieder mit Vorschlägen à la Ausländer-Maut und Müttergeld piesacken.

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Seit Tagen rächt sich, dass die Parteiführungen von CDU und CSU es sträflich versäumt haben, den Weg der Einigung auf einen Kanzlerkandidaten oder die Regeln für einen Wettbewerb festzulegen. Das Defizit gipfelte in der Nacht zu Dienstag in der grotesken Vorstandssitzung, in der um Mitternacht erst einmal über Verfahrensfragen gestritten wurde.

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Ausgerechnet an dem Tag, an dem die grüne Konkurrenz als Musterschüler der Parteienlandschaft optimistisch und souverän ihre Kanzlerkandidatin präsentiert hat, wird der Riss zwischen den Schwesterparteien offensichtlich.

Dieses Drama spielte sich vor einer Kulisse ab, in der die seit 16 Jahren regierende Union die im Land grassierende Pandemie nicht in den Griff bekommt, in der seit Wochen über die nächsten zwingend notwendigen Schutzmaßnahmen gestritten wird, und in der Zukunftsthemen wie Klimawandel, Digitalisierung und Bildung gerade unterzugehen drohen.

Kopfloses Vorgehen

Man möchte den Protagonisten, die an diesem Montagabend via Bildschirm mit der Parteizentrale in Berlin verbunden waren, zurufen: Ja, habt ihr keine anderen Sorgen?

Nun, selbst in einer Pandemie müssen demokratische Machtkämpfe gefochten werden. Man sollte die Entscheidung für den möglichen nächsten Kanzler der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt auch nicht leichtfertig treffen. Aber selbst in normalen Zeiten ist es schwer erträglich, wenn solche Entscheidungsprozesse derart kopflos angegangen werden.

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