„Kein Bild eines Wahlsiegers“: So reagieren Politiker auf Laschets Kandidatenkür

  • Die Union hat eine Entscheidung getroffen: Armin Laschet zieht als Kanzlerkandidat in den Bundestagswahlkampf.
  • Die Reaktionen der anderen Parteien sind gemischt – das gilt auch für die Stimmen aus CDU und CSU.
  • Eine Übersicht.
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Berlin. „Die Würfel sind gefallen“ – das hat der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Dienstagvormittag gesagt. Er zieht sich aus dem Rennen um die Kanzlerkandidatur der Union zurück, CDU-Parteichef Armin Laschet tritt nach dem deutlichen Votum des Bundesvorstands in der Nacht von Montag auf Dienstag an. Die Reaktionen aus den eigenen Reihen und von Politikern anderer Parteien im Überblick:

FDP-Chef Christian Lindner: „Herr Laschet ist ein Regierungschef und Verhandlungspartner, den wir für seine Fairness schätzen. Es gibt viele inhaltliche Fragen, in denen wir mit Herr Laschet, auch im konkreten Regierungshandeln, übereinstimmen.“ Zugleich gebe es genug Unterschiede, die einen spannenden Wahlkampf versprächen. „Wir wünschen Herrn Laschet also viel Erfolg, soweit er nicht zu unseren Lasten geht.“

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz: „Armin Laschet ist jetzt ganz offensichtlich der Kanzlerkandidat der beiden Unionsschwestern.“ Nachdem auch Grünen-Chefin Annalena Baerbock gekürt ist, stünden nun die drei fest, die sich um das Kanzleramt bewerben. „Das wird eine spannende Debatte um die Zukunft unseres Landes.“ Auch wenn Deutschland die Pandemie im September, wenn gewählt wird, hinter sich gelassen haben werde, habe das Land dann weiter mit den tiefen Folgen von Corona zu kämpfen, so Scholz. Es gehe darum, dass Deutschland in 10, 20, 30 Jahren „nicht traurig dem Wohlstand in anderen Ländern der Welt“ hinterherblickt und den menschengemachten Klimawandel mit aufhält. Die Gesellschaft müsse dabei zusammenhalten. „Ich bin gespannt auf die Debatten.“

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„Alle haben sich verzockt“: Die Analyse zur Entscheidung der Union in der Kanzlerfrage
4:32 min
Armin Laschet soll als Union-Kanzlerkandidat in die Bundestagswahl gehen. Im Video erklärt Kristina Dunz, wieso es noch Zweifel gibt - und wie es weitergeht.  © RND

CSU-Generalsekretär Markus Blume: „Wir haben eine Entscheidung – und das ist gut so.“ Die Bereitschaft von CSU-Chef Markus Söders zur Kandidatur sei ein Angebot an die Union gewesen, an die eigenen Anhänger und das ganze Land. „Es war ein verdammt gutes Angebot.“ Söder habe in diesen Tagen gezeigt, welche Zugkraft er für die Union entfalten könne. Umso bedeutender sei nun, dass er sich jetzt in den Dienst der gemeinsamen Sache stelle. Die CSU bleibe „klar im Kurs und souverän im Stil“. „Markus Söder begeistert, und lassen Sie mich ganz persönlich sagen: Markus Söder war erkennbar der Kandidat der Herzen. Aber in der Demokratie und gerade auch in der innerparteilichen Demokratie entscheidet etwas anderes, nämlich am Ende die Mehrheit. Deshalb respektieren wir das Ergebnis, und deshalb ist Armin Laschet der Kanzlerkandidat der Union.“

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU): „Wir tun gut daran, dass wir jetzt aus den letzten Wochen lernen.“ Das Verfahren zur Aufstellung des CDU-Vorsitzenden Armin Laschet sei „durchaus ein sehr schwerer Prozess gewesen in der letzten Woche, das ist überhaupt keine Frage“. Er gehe davon aus, dass nach dem Machtkampf zwischen Laschet und dem CSU-Vorsitzenden Markus Söder keine dauerhaften Gräben zwischen CDU und CSU zurückbleiben werden. „Gräben sind das eine, aber wir sind ja eine sehr, sehr pragmatische Parteienfamilie. Wir wissen, dass wir nur Erfolg haben können, wenn wir zusammenarbeiten. Und die Lust am Siegen ist bei uns viel, viel größer als das Augenmerk auf Gräben. Insofern wird uns das ganz, ganz schnell einen.“

Mützenich: „Es sind Chaostage gewesen“

JU-Chef Tilman Kuban (CDU): Laschet müsse „beweisen, dass er zusammenführen kann und es keine Verlierer in der Union gibt“. Diese Fähigkeit sei mehr denn je gefragt. „Denn das Bild des gestrigen Abends war kein Bild eines Wahlsiegers und so können wir nicht in den Wahlkampf ziehen – organisatorisch und im parteiinternen Umgang.“ Hier müsse besonders auch die CDU besser werden. Die JU wisse aber: Der politische Gegner stehe „nicht in den eigenen Reihen, sondern rechtsaußen und links“. Deutschland brauche für das kommende Jahrzehnt Aufstieg, Innovation und Lust auf Zukunft „und ganz sicher keinen Rückschritt zu grün-rot-roten Verboten und Gleichmachereien. Wahlkampf kommt von Kämpfen – und das werden wir tun. Gewinnen werden wir allerdings nur, wenn wir als Union geschlossen auftreten.“

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SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich: „Es sind Chaostage gewesen.“ Und er sei sich sicher, „dass das Chaos dort nicht aufhört“. Zwar habe CDU-Chef Armin Laschet „mit Hängen und Würgen“ die Unterstützung vom CDU-Vorstand für seine Kanzlerkandidatur erhalten. Doch es gebe „durchaus vergiftete Sätze“ im Zugeständnis von Markus Söder, nun selbst zurückzustehen. Er hoffe, dass sich jetzt zumindest einige Unions-Politiker wieder auf den Kampf gegen Corona konzentrieren würden.

NRW-SPD-Chef Thomas Kutschaty: „Das Theater der vergangenen Tage bei CDU und CSU hat unserer demokratischen Kultur massiv geschadet.“ Laschet müsse sich nun endlich der Bekämpfung der Corona-Pandemie widmen. „Die Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen leidet unter seinem Nichthandeln in dieser Hochphase der Krise.“

Grünen-Chefin Annalena Baerbock: „Ich gratuliere Armin Laschet zur Kanzlerkandidatur. Ich setze auf einen fairen Wahlkampf um die Führung dieses Landes. Und darum, wer die nötigen Veränderungen energisch vorantreibt, damit wir die Herausforderungen meistern.“

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Hennig-Wellsow: „Souveräne Kandidatenkür sieht anders aus“

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU): „Natürlich freue ich mich darüber ausdrücklich, dass Armin Laschet Spitzenkandidat der Union für die Bundestagswahl im September wird.“ Für seine Unterstützung habe den Ausschlag gegeben, dass Laschet für Europa brenne, wie es „einfach ein deutscher Kanzler machen muss“.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter: „Unsere Sorge ist groß, dass diese Zerrissenheit der Union weitergeht. Auch wenn wir Konkurrenten sind: Es tut in einer Demokratie nicht gut, wenn es keine funktionierende konservative Partei gibt, die fest auf dem Boden der Demokratie steht.“ Welche Auswirkungen es habe, wenn konservative Parteien in größere Schwierigkeiten gerieten, sehe man in Italien, Frankreich und den USA.

Linken-Co-Chefin Susanne Hennig-Wellsow: „Nach Wochen unermüdlicher Grabenkriege“ hätten die „CDU-Altvorderen“ Armin Laschet durchgedrückt. „Ich will gar nicht wissen, womit die CDU hinter verschlossenen Türen Markus Söder zum Rückzug gezwungen hat, aber eine souveräne Kandidatenkür sieht anders aus.“ Laschet sei „der maximale Krampf-Kandidat einer krisengeschüttelten und von Korruption gebeutelten Union. Was SPD und Grüne mit ihm anfangen wollen, bleibt ihr Geheimnis.“

RND/tdi/dpa

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