• Startseite
  • Politik
  • Armenien-Gedenktag: Spannungen zwischen USA und Türkei wegen Genozid-Debatte erwartet

Genozid-Debatte: Spannungen zwischen USA und Türkei erwartet

  • US-Präsident Joe Biden hat mit dem türkischen Machthaber Recep Tayyip Erdogan telefoniert, um Spannungen mit dem Nato-Partner beizulegen.
  • In der Mitteilung zum Telefonat wurde der Gedenktag der Massaker an den Armenier nicht erwähnt.
  • Biden aber hatte im Wahlkampf stets versprochen, diese als Genozid anzuerkennen.
Anzeige
Anzeige

Washington. US-Präsident Joe Biden hat angesichts der Spannungen mit dem Nato-Partner Türkei mit seinem dortigen Kollegen Recep Tayyip Erdogan telefoniert. Biden habe dabei am Freitag sein Interesse „an einer konstruktiven bilateralen Beziehung“ und an der Bewältigung von Meinungsverschiedenheiten zum Ausdruck gebracht, teilte das Weiße Haus mit.

Der Gedenktag der Massaker an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs im Osmanischen Reich an diesem Samstag fand in der Mitteilung keine Erwähnung. Biden hatte im Wahlkampf versprochen, die Gräueltaten als Völkermord anzuerkennen. Das dürfte die Spannungen mit der Türkei verschärfen.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, antwortete am Freitag nicht auf die Frage, ob Biden sein Versprechen nun wahrmachen werde. Sie rechne aber damit, dass es dazu in den kommenden Tagen mehr geben werde, sagte Psaki.

Ankara warnt Washington vor Verschlechterung der Beziehungen

Anzeige

Die Regierung in Ankara hat die US-Regierung vor einem solchen Schritt gewarnt. Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte dem Sender Habertürk kürzlich, sollten die USA die Beziehungen zur Türkei weiter verschlechtern wollen, dann sei das ihre Entscheidung. Biden und Erdogan vereinbarten nach Angaben des Weißen Hauses ein Treffen am Rande des Nato-Gipfels in Brüssel im Juni.

Während des Ersten Weltkriegs waren Armenier systematisch verfolgt und unter anderem auf Todesmärsche in die syrische Wüste geschickt worden. Historiker sprechen von Hunderttausenden bis zu 1,5 Millionen Opfern. Die Türkei als Nachfolgerin des Osmanischen Reiches gesteht den Tod von 300 000 bis 500 000 Armeniern während des Ersten Weltkrieges ein und bedauert die Massaker. Eine Einstufung als Völkermord weist sie jedoch strikt zurück.

Anzeige

Im Wahlkampf sprach Biden von „Genozid“

Bereits als Präsidentschaftskandidat hatte Biden beim Gedenktag vor einem Jahr vom „Genozid“ an den Armeniern gesprochen. Biden betonte damals: „Schweigen ist Mittäterschaft.“ Ebenfalls als Kandidat hatte Biden außerdem einen härteren Kurs gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan angekündigt, den er einen „Autokraten“ nannte, der einen Preis für sein Verhalten zahlen werde.

In einem Interview der „New York Times“ sprach sich Biden im Januar vergangenen Jahres dafür aus, die türkische Opposition zu unterstützen.

RND/dpa

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen