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Erfassung der Arbeitszeit: Den Chef auch mal einen guten Mann sein lassen

  • Betriebe werden bald gesetzlich verpflichtet sein, die Arbeitszeit von Mitarbeitern komplett zu erfassen.
  • Das kann zur Fairness in der Arbeitswelt beitragen.
  • Sinnvoll wird das Vorhaben aber nur in Kombination mit einer anderen Maßnahme, kommentiert Christian Burmeister.
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Berlin. Eine Tatsache lässt sich nicht leugnen: In Deutschland werden zig Millionen bezahlte wie unbezahlte Überstunden gemacht, von denen vor allem die Arbeitgeber profitieren. Die Gewerkschaften kritisieren das zu Recht als „Flatrate-Arbeit“. Im Sinne der Fairness zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern ist eine genaue, allgemeine Arbeitszeiterfassung also durchaus zu begrüßen.

Allerdings: Sie birgt auch viele praktische Probleme. So kann es beispielsweise für kleinere Unternehmen ein aufwändigeres Unterfangen sein, die Arbeitszeiten aller Mitarbeiter lückenlos zu erfassen. Geradezu zum Hindernis wird eine verbindliche Arbeitszeiterfassung, wenn sie nicht gleichzeitig mit flexibleren Arbeitszeiten einhergeht: Das Absitzen von Arbeitszeit, wenn wenig zu tun ist, ist genauso unsinnig wie der pünktliche Feierabend, wenn ein Auftraggeber drängelt – nur weil es „die Stechuhr“ so verlangt. Beides passt nicht mehr in die heutige Arbeitswelt, die immer stärker zu einer Dienstleistungswelt wird.

Kernarbeitszeit vs. Kernfreizeit

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Viele Tarifpartner tragen dem längst Rechnung. Sie sind diesbezüglich im 21. Jahrhundert angekommen. Weil sie es müssen. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sollte da nicht hinten anstehen. Statt also nur pflichtschuldig das Urteil des EuGH umzusetzen, könnte die GroKo die Reform des Arbeitszeitgesetzes nutzen, um eine gesetzliche Wochen- oder Monatsarbeitszeit einzuführen.

Das muss gewisse Kernarbeitszeiten im Sinne der Unternehmen ebenso wenig ausschließen wie „Kernfreizeiten“, in denen Arbeitnehmer ihren Chef mit reinem Gewissen einen guten Mann (oder eine gute Frau) sein lassen können. Herr Arbeitsminister, übernehmen Sie!

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