Arbeit im Freien: Krankentage aufgrund von Hitze verdoppelt

  • Es ist ein drastischer Anstieg. Im Jahr 2018 gab es insgesamt mehr als 80.000 Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von “Schäden durch Hitze und Sonnenlicht” – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.
  • Auch der Langfristtrend ist eindeutig.
  • Die Linke fordert schärfere Kontrollen zum Schutz der Arbeitnehmer.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Die Zahl der Krankentage aufgrund von Hitze ist deutlich angestiegen. Im Jahr 2018 gab es insgesamt mehr als 80.000 Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von “Schäden durch Hitze und Sonnenlicht” – mehr als doppelt so viele wie im Jahr davor. Knapp zwei Drittel der Krankheitstage wegen dieser Diagnose entfallen auf Männer, etwa ein Drittel auf Frauen. Das geht aus einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Jutta Krellmann (Linke) hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

Demnach schwankte laut der jährlichen Krankheitsartenstatistik der gesetzlichen Krankenversicherung die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage durch Hitzeschäden in den vergangenen zehn Jahren zwar, in der Tendenz hat sie aber zugenommen. Vergleicht man die Jahre 2009 und 2018, hat sich die Zahl fast vervierfacht.

“Hitzschlag, Sonnenstich und Krämpfe: Schuften unter brennender Hitze macht krank”, sagte die Linken-Abgeordnete Krellmann dem RND. Arbeitgeber seien verpflichtet, ihre Beschäftigten davor zu schützen. Schutzmaßnahmen wie Sonnensegel und regelmäßige Pausen müssten in Zeiten des Klimawandels Standard sein, so die Politikerin. “Doch viele Arbeitgeber können sich davor drücken, weil die Arbeitsschutzbehörden kaputtgespart wurden”, kritisierte sie. Gebraucht würden “mehr Personal, echte Kontrollquoten und Sanktionen, die wirklich wehtun”, sagte Krellmann.

14 Prozent der Vollzeitbeschäftigten arbeiten überwiegend draußen

Anzeige

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) geht von ungefähr zwei bis drei Millionen Beschäftigten aus, die von Arbeit im Freien betroffen sind, wie das Bundesarbeitsministerium auf eine weitere Anfrage Krellmanns mitteilte. Durch das Arbeiten im Freien könnten Erwerbstätige verstärkt UV-Strahlung ausgesetzt sein und damit ein höheres Hautkrebsrisiko haben, heißt es in einem Faktenblatt der Bundesanstalt. Die Auswertung einer Erwerbstätigenbefragung aus dem Jahr 2018 habe gezeigt, dass 14 Prozent derer, die in Vollzeit tätig sind, überwiegend im Freien arbeiten, wird dort ausgeführt. Der Großteil davon seien Männer. Besonders betroffen sind Bau- und Gartenberufe.

Der Sommer 2018 war in Deutschland außergewöhnlich warm und trocken, geprägt von viel Sonnenschein und tropischen Nächten. Der heißeste Sommer bislang war es jedoch nicht. Der sogenannte Jahrhundertsommer des Jahres 2003 ist seit Messbeginn 1881 der Spitzenreiter bei den Temperaturen.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen