Zehn Jahre Arabischer Frühling: Was aus den Protesten wurde

  • Vor genau zehn Jahren hatte sich der tunesische Gemüsehändler Mohammed Bouazizi selbst angezündet.
  • Die Verzweiflungstat löste Proteste in Tunesien aus, die nach und nach andere Länder der Region erfassten.
  • Aber was wurde aus dem Arabischen Frühling?
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Tunis/Kairo. Als sich der tunesische Gemüsehändler Mohammed Bouazizi am 17. Dezember 2010 selbst anzündete, nahm die Welt davon zunächst kaum Notiz. Doch die Verzweiflungstat in der tunesischen Kleinstadt Sidi Bouzid sollte die arabische Welt nachhaltig verändern. Sie löste erst Proteste in Tunesien aus, die nach und nach auch andere Länder der Region erfassten.

Im Zuge der Arabischen Aufstände stürzten gleich mehrere Herrscher. Hoffnung auf mehr Freiheit und Demokratie in der Region keimte auf. Doch zehn Jahre später fällt die Bilanz der Aufstände ernüchternd aus.

Ein Überblick:

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Tunesien

Die Selbstverbrennung des Gemüsehändlers Mohammed Bouazizi entzündete die Aufstände. Massenproteste führten Januar 2011 zum Sturz von Machthaber Zine El Abidine Ben Ali. Als einzigem Staat der Region gelang der schrittweise Übergang zur Demokratie. 2014 wurde eine neue Verfassung verabschiedet, danach wählten die Tunesier ein neues Parlament und einen neuen Präsidenten. Amtsinhaber ist der parteilose Kais Saied. Kritiker beklagen aber, dass das Land heute weiterhin mit einer schlechten Wirtschaftslage und Korruption kämpft.

Ägypten

Tagelange Massenproteste auf dem Kairoer Tahrir-Platz brachten am 11. Februar 2011 Langzeitherrscher Husni Mubarak zu Fall. Etwas mehr als ein Jahr später gewann der Islamist Mohammed Mursi die ersten freie Präsidentschaftswahl. Doch die Demokratie überlebte nicht lange. Nach Massendemonstrationen gegen Mursi stürzte das Militär im Sommer 2013 den Staatschef. Seitdem herrscht der frühere General Abdel Fattah al-Sisi, seit 2014 als Präsident. Kritiker klagen, die Unterdrückung sei schlimmer als zu Mubaraks Zeiten.

Syrien

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Im März 2011 kam es auch in Syrien zu ersten Protesten gegen die Führung von Machthaber Baschar al-Assad. Der Präsident ließ seine Sicherheitskräfte mit Gewalt gegen die Demonstrationen vorgehen. Der Konflikt entwickelte sich zum Bürgerkrieg. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nutzte das Chaos für ihre Zwecke. Mit Hilfe Russlands und des Irans konnte die Regierung die größten Teile des Landes wieder unter Kontrolle bringen. Doch Syrien ist in mehrere Gebiete aufgeteilt. Eine politische Lösung zeichnet sich nicht ab.

Bahrain

Auch in dem kleinen Golfstaat gingen die Menschen gegen die Regierung auf die Straße. Die Einwohner des Landes sind mehrheitlich Schiiten - doch regiert wird es von einem sunnitischen Königshaus. Unterstützt von saudischen Sicherheitskräften beendete das Militär die Proteste in der Hauptstadt Manama gewaltsam. Seitdem geht die Führung mit harter Hand gegen die schiitische Opposition vor.

Libyen

Nach einem Militäreinsatz der Nato wurde Libyens Herrscher Muammar al-Gaddafi am 20. Oktober 2011 bei seiner Festnahme getötet - mehr als 40 Jahre war er an der Macht. Aus dem Chaos in dem ölreichen Land entwickelte sich ein Bürgerkrieg. Bis heute kämpfen zahlreiche Gruppen und Milizen um die Macht, unterstützt von rivalisierenden ausländischen Mächten. Seit einiger Zeit laufen wieder Gespräche unter Schirmherrschaft der UN, die den Weg zu einer politische Lösung ebnen sollen. Ende kommenden Jahres soll es freie Wahlen geben.

Jemen

Nach Protesten und einem monatelangen Tauziehen trat im Frühjahr 2012 Langzeitherrscher Ali Abdullah Salih ab. Nachfolger wurde Abed Rabbo Mansur Hadi. Doch das arme Land auf der arabischen Halbinsel versank in einem Bürgerkriegchaos. 2014 überrannten die Huthi-Rebellen aus dem Norden große Teile des Jemens und vertrieben die Regierung aus der Hauptstadt Sanaa. Seit 2015 unterstützt eine von Saudi-Arabien angeführte Militärintervention die Hadi-Regierung. Riad sieht in den Huthis einen Verbündeten seines Erzfeinds Iran.

RND/dpa

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