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Kritik der AOK: „Wir bewegen uns beinahe im Blindflug durch die Pandemie“

Ein Mitarbeiter des Impfzentrums Tübingen verimpft eine Dosis eines Corona-Impfstoffs.

Ein Mitarbeiter des Impfzentrums Tübingen verimpft eine Dosis eines Corona-Impfstoffs.

Berlin. Der AOK-Bundesverband hat die Bundesregierung dringend aufgefordert, erhebliche Lücken bei der Datenerhebung zu schließen, um zum Beispiel längerfristige Wirkungen und Nebenwirkungen der Corona-Schutzimpfungen besser zu erkennen.

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„Wir bewegen uns beinahe im Blindflug durch die Pandemie“, kritisierte AOK-Verbandschef Martin Litsch im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Wir wissen aktuell nicht, welche unserer Versicherten mit welchem Impfstoff versorgt wurden und wer positiv getestet wurde“, beklagte er. Dadurch würden viele Möglichkeiten verschenkt, wertvolle Erkenntnisse aus den vorhandenen Daten zu gewinnen.

Schlechter Pandemiekampf in Deutschland

Litsch forderte konkret, dass in den Impfzentren, Arztpraxen und Testzentren die Krankenversicherungsnummern der Geimpften und Getesteten erfasst und an die Kassen übermittelt werden. „Dann könnten wir die Impfinformationen datenschutzkonform mit den Abrechnungsdaten verknüpfen und zum Beispiel anonymisierte Auswertungen zur Wirkung und zu den Nebenwirkungen der Impfungen durchführen“, betonte der Verbandschef.

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Gerade für längerfristige Auswertungen zu erneuten Infektionen oder für die Einladung zur Auffrischung der ersten Impfungen könne das von großer Bedeutung sein. „Ich bin überzeugt davon, dass sich viele spätestens in einem halben Jahr darüber beklagen werden, dass wir solche Auswertungen in Deutschland nicht durchführen können – im Gegensatz zu vielen anderen Ländern auf der Welt“, zeigte sich Litsch überzeugt. Daher sollte die Politik hier handeln und die notwendigen Nachbesserungen möglichst schnell auf den Weg bringen, verlangte er.

Verknüpfung von Daten würde Pandemiegeschehen sichtbarer machen

Nach Angaben der AOK erhebt das Robert Koch-Institut (RKI) neben den Infektionszahlen die Inanspruchnahme von Schutzimpfungen und die Impfeffekte. Das Paul-Ehrlich Institut (PEI) sammelt Daten zur Sicherheit der Impfstoffe. Bei den Krankenkassen sind die sogenannten Routinedaten vorhanden, die Aufschluss über das gesamte Behandlungsgeschehen geben.

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Durch eine Verknüpfung mit den Abrechnungsdaten der mehr als 73 Millionen GKV-Versicherten ließe sich nach Einschätzung des Verbandes ein umfassenderes Bild des Pandemiegeschehens ableiten. Das Bündeln der Daten könnte danach unter anderem aussagekräftige Erkenntnisse liefern über die Häufigkeit von Reinfektionen nach durchgemachter Erkrankung, mögliche Infektionen nach einer ersten und zweiten Impfung, die Zahl schwerer Covid-19-Verläufe oder Todesfälle trotz Impfung.

Die Erhebung der Krankenversichertennummer von Getesteten und Geimpften lässt sich laut AOK durch eine Anpassung der Coronavirus-Impfverordnung erreichen. Der Verband schlägt zudem vor, die bisher nur dem RKI und dem PEI zugänglichen Daten auch den gesetzlichen Krankenkassen zur Verfügung zu stellen.

Das Bündeln der Daten würde nach Ansicht der Kassen auch die Organisation einer künftig anstehenden Impfauffrischung vereinfachen. So könnten die Krankenkassen das „Einladungswesen“ übernehmen und ihre Versicherten regelmäßig an entsprechende Impftermine erinnern, argumentiert der AOK-Bundesverband.

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